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Auf dem Weg zur Fair-Trade-Hauptstadt

Friedrichshain-Kreuzberg hat als fünfter Bezirk das Siegel für sozial nachhaltigen Einkauf

  • Von Philip Blees
  • Lesedauer: 3 Min.

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»In Friedrichshain-Kreuzberg gibt es allen Grund zu feiern«, verkündet der Bezirk. Grund ist die anstehende Auszeichnung des Bezirks als sogenannte Fairtrade-Town. Diesen Freitag soll der Titel verliehen werden, mit dem Städte, oder wie in diesem Fall, Bezirke auszeichnet werden, die sich »für den fairen Handel in ihrer Heimat stark machen«, so die Website der Kampagne. Wirtschaftssenatorin Ramona Pop und Bezirks-Kulturstadträtin Clara Herrmann (beide Grüne) wollen das feiern: Sie eröffnen zu diesem Anlass ein Fest mit nicaraguanischer Live-Musik und allerlei Informationen rund um das Thema Fairer Handel.

Hinter der Auszeichnung steckt für den Bezirk jedoch mehr als nur ein nichtssagendes Zertifikat: »Uns ging es von Anfang an darum, nicht einfach ›nur‹ den Titel zu bekommen«, sagt Herrmann gegenüber dem »nd«. Friedrichshain-Kreuzberg wolle »tatsächlich aktiv werden«. Und die Projekte haben auch schon begonnen: Im Sommer 2017 startete die Kampagne »Berliner Sport - Rund um fair!«. Der Bezirk als Mitinitiator hat sich das Ziel gesetzt, dass alle Bälle, die in Sportvereinen oder Schulen verwendet werden, aus einer fairen Produktion stammen.

Dies sei allerdings nur eines von vielen Projekten: Man führe zusätzlich auch noch öffentliche Veranstaltungen zum Thema durch. »Andererseits ist es uns aber auch wichtig, in die Verwaltung hineinzuwirken«, so Herrmann. Ein Angebot aus Fortbildungen und organisierten Aktionen - unter anderem auf Bezirksfesten - sei ausgearbeitet worden.

Damit überbietet der Bezirk die Anforderungen an eine Fairtrade-Town. Die Kampagne der Kölner Vereins TransFair, welcher auch das Fairtrade-Siegel in Deutschland vergibt, setzt fünf Punkte voraus, damit eine Bewerbung erfolgreich ist. Zunächst müssen die Kommunen beschließen, fairen Handel zu unterstützen, und eine sogenannte Steuerungsgruppe aufbauen, die aus Personen aus Zivilgesellschaft, Politik und Wirtschaft besteht. Hinzu kommt die Präsenz von Fairtrade-Produkten in der Stadt: Sie müssen im Einzelhandel und in der Gastronomie verfügbar sein, aber auch in öffentlichen Einrichtungen wie Schulen verwendet werden.

In ganz Deutschland haben bereits 540 Städte diese Kriterien erfüllt - darunter kleine Gemeinden wie Ammerbuch in Baden-Württemberg, aber auch Metropolen wie Köln. Und Friedrichshain-Kreuzberg nicht der erste Berliner Bezirk, der sich den Zusatz Fairtrade-Town geben darf. Charlottenburg-Wilmersdorf, Mitte, Tempelhof-Schöneberg und Pankow haben den Titel bereits. Neukölln und Treptow-Köpenick haben sich ebenfalls beworben. Zudem finden sich sechs sogenannte Fairtrade-Schulen im gesamten Stadtgebiet. Damit sich ganz Berlin Fairtrade-Town nennen darf, muss nicht mehr viel passieren: Acht Bezirke müssten den Titel tragen - damit fehlt nur noch einer, wenn alle momentanen Bewerbungen erfolgreich sind. Dann könnte sich Berlin Fairtrade-Hauptstadt nennen. Das wird auch als Vorteil im Stadtmarketing gesehen.

In Friedrichshain-Kreuzberg begegnet man der Auszeichnung derweil eher mit Idealismus: Es gehe mit den Projekten darum, »fortschrittliche Standards in Lieferketten zu fördern und gute Beispiele zu schaffen«, so Herrmann. Das sei Teil der staatlichen Schutzpflicht. Der Titel als Fairtrade-Town sei zwar gut für das Image des Bezirks, welches Herrmann als weltoffen und global verantwortlich beschreibt. »Dies ist aber eher ein willkommener Nebeneffekt.« Die Hoffnung besteht, dass der Bezirk mit dem Weg zur Auszeichnung einen Impuls gesetzt hat, der auch in anderen Teilen der Hauptstadt aufgenommen wird. Und das könne mehr bewirken, als manch einer denkt: Berlin kauft jährlich Waren und Dienstleistungen im Wert von rund fünf Milliarden Euro. »Wir möchten diese Marktmacht als Fairtrade-Town nutzen, um bei Vergaben die Einhaltung von Menschenrechten von Unternehmen verbindlich einzufordern«, so die Bezirksstadträtin.

Diese möchte in Zukunft das Angebot noch weiter ausbauen. In verschiedenen Pilotprojekten sollen auch bei weiteren Produkten Nachweise der Einhaltung von Arbeitsnormen gefordert werden. Hierzu zählen beispielsweise Steine für städtische Bauvorhaben. Es gibt jedoch auch Kon᠆stanten: »Die Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit in Form von Kinoabenden oder Podiumsdiskussionen zu aktuellen Themen soll fortgeführt werden.«

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