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Taurusrinder und Exmoor-Ponys

Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen starten spektakuläres Naturprojekt

  • Von Harald Lachmann
  • Lesedauer: 4 Min.

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Für manchen mag es noch etwas illusorisch klingen: doch Gitte Baumkötter und Anja Rohland sehen es schon lebhaft vor Augen: Urige Taurusrinder und langmähnige Exmoor-Ponys wandern wild und unbehelligt durch kilometerlange Flure, die über viele Jahrzehnte durch Bergbau und Energiegewinnung geprägt waren. Ab Frühjahr 2020, so hoffen die beiden jungen Frauen von der Naturforschenden Gesellschaft Altenburg (NfGA), könnte dieses spektakuläre Projekt starten. Inzwischen, so berichten sie, gebe es hierzu auch ermutigende Signale seitens des noch aktiven Braunkohlebergbaus.

Nötig wäre zuvor ein durchgängiger Brückenschlag vom einstigen Tagebau und heutigen Naturschutzgebiet Phönix Nord bei Lucka über das rückgebaute frühere Braunkohlekraftwerk Mumsdorf bis zum Tagebaurestloch Rusendorf bei Meuselwitz, erläutert Anja Rohland. Die Biologin betreut fachlich dieses EU-geförderte Projekt »Weidelandschaft Bergbaufolgelandschaft Nordregion Altenburger Land«, bei dem die Pferde und Rinder verhindern sollen, dass das gegenwärtige karge Offenland verbuscht und zuwächst. Denn manche geschützten Tiere und Pflanzen benötigten gerade jene offenen Biotope, wie sie mit dem Ende der Kohlegewinnung entstanden waren - und wie es sie in der heutigen, sehr intensiv genutzten Landschaft leider kaum noch gebe, bedauert sie.

So sei das 167 Hektar große Naturschutzgebiet 401 »Phönix Nord« - bis 1968 Teil des früheren Bergbaureviers Meuselwitz-Rositz - heute durch eine weitgehend ungestörte, natürliche Biotop- und Landschaftsentwicklung gekennzeichnet, berichtet Landschaftsplanerin Gitte Baumkötter. Es beinhalte ein »abwechslungsreiches Standorts- und Biotopmosaik mit verschiedenen meist grasreichen Sukzessionsstadien unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Feuchtestufen sowie Pionierfluren auf offenen nährstoffarmen Rohbodenstandorten«. Denn der Bergbau setze eben »alles wieder auf null und hinterlässt damit wertvolle Pionierhabitate, in die Arten einwandern können, die sonst keinen Lebensraum mehr finden«, so Gitte Baumkötter. »Hier bieten sich plötzlich ganz neue Chancen für den Naturschutz, die wir nicht verpassen dürfen!«

Für bemerkenswert halten die beiden Frauen dabei auch, dass die unterschiedlichsten Habitate nach wie vor unterschiedliche Besitzer haben - so den Staatsbetrieb Thüringen Forst, das bundeseigene Bergbausanierungsunternehmen LMBV sowie den noch aktiven Braunkohleförderer Mibrag im sachsen-anhaltischen Zeitz. Doch alle zögen sie an einem Strang, versichern sie.

Bereits 2015 hatten sich Artenschützer aus Thüringen und Sachsen-Anhalt bei Mike Jessat, dem Direktor des Naturkundemuseums Mauritianum in Altenburg, getroffen, und erste Tuchfühlung für einen länderübergreifenden Biotopverbund aufgenommen. Schnell kam auch Sachsen ins Boot, und bereits Mitte 2017 lag eine gemeinsame Machbarkeitsstudie vor. Erstellt hatte sie im Auftrag der NfGA sowie der Heinz Sielmann Stiftung das Leipziger Gutachterbüro bioplan - und an der Finanzierung beteiligten sich neben dem Kohleförderer Mibrag auch die Natur- und Umweltstiftungen Sachsen-Anhalts, Sachsens und Thüringens.

Gitte Baumkötter gehörte von Anfang an zu der gemeinsamen Arbeitsgruppe, die die hierfür nötigen Grundlagen und Daten erfasste, um im Südraum von Leipzig über Ländergrenzen hinweg ein breitgefächertes Biotopmosaik zu stricken. Dieses umfasst, wie sie erläutert, neben Offenlandflächen in verschiedener Ausprägung - von Trockenrasen bis schilfbewachsenen Sumpfzonen - auch Stand- und Fließgewässer, Waldflächen und -ränder, Saumbiotope sowie Areale, in denen auch Gehölzaufwuchs frei wuchern darf. Die beiden Frauen sprechen hierbei von einem allumfassenden Netzwerk aus Bergbaufolgeflächen bzw. Sekundärlebensräumen, deren Kerngebiete über Verbindungskorridore und Trittsteine organisch miteinander verknüpft werden sollen.

Die unterschiedlichen Landschaften sollen dabei ebenso berücksichtigt werden wie wirtschaftliche Interessen der Region - etwa agrarische Mutterkuhhaltung - oder kommunale Befindlichkeiten. So hatte das Projektteam für jenes geplante Beweidungsvorhaben auch alle Bürgermeister der angrenzenden Gemeinden eingeladen, um Fragen zu beantworten und mögliche Unsicherheiten auszuräumen. »Wichtig war diesen, dass wir hier weder lange Zäune errichten noch Naturschutz zum Selbstzweck planen - also an den hier lebenden Menschen vorbei«, versichert Gitte Baumkötter. Stattdessen wolle man gemeinsam mit den Bergleuten Radwege und Lehrpfade anlegen und beispielsweise über Naturschutzführungen einen sanften Ökotourismus aufbauen, wie es ihn in dieser Region bisher noch nicht gegeben habe.

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