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Salvini verklagt Saviano

Italiens rechter Innenminister wirft dem Schriftsteller und Mafia-Kritiker Rufmord vor

  • Von Wolf H. Wagner, Florenz
  • Lesedauer: 3 Min.

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Der Vorwurf hat es in sich: Mafia-Nähe. Die unterstellt der weltberühmte Schriftsteller Roberto Saviano, der auf der Todesliste der Mafia steht, dem rechten italienischen Innenminister Matteo Salvini, der erst jüngst ins Amt gekommen ist. Salvini hat nun Saviano wegen Diffamierung und Herabwürdigung verklagt. Der rechtsorientierte Lega-Chef sieht sich durch die Äußerungen des Autors von »Gomorrha« beleidigt. Saviano, so der Minister, habe jede Form der legalen Kritik verlassen. Im Zusammenhang mit der rigiden Politik Salvinis gegen Flüchtlinge und Hilfsorganisationen, die im Mittelmeer operieren, hatte Saviano ihn als »Minister der Unterwelt« bezeichnet, der die »Sprache der Mafiosi« benutzt.

In dem von der italienischen »Huffington Post« veröffentlichten Klagepapier mit dem Datum 20. Juli sieht sich Salvini nicht als Person, sondern das Amt des Ministers beschädigt, dessen Aufgabe es sei, gegen die organisierte Kriminalität vorzugehen. Im Falle einer Verurteilung könnten Saviano mehr als drei Jahre Haft drohen.

Bereits vor Amtsantritt hatte Salvini bei öffentlichen und Fernsehauftritten gedroht, dem Schriftsteller die Sicherheitseskorte zu entziehen. Nach der Veröffentlichung von »Gomorrha« und weiteren Schriften gegen Camorra und ’Ndrangheta war Saviano seit dem Jahr 2006 mit Morddrohungen der Clans bedacht worden. Seinerzeit hatte das Innenministerium entschieden, dem Autoren Personenschutz rund um die Uhr zukommen zu lassen. Seit 2006 lebt Saviano in verschiedenen Verstecken, stets von einer Spezialeskorte der Carabinieri beschützt.

Sowohl die Eskorte zu entziehen als auch eine Haftverurteilung Savianos anzustreben, würde das Todesurteil für den Autor bedeuten. Denn in italienischen Gefängnissen - wie auch andernorts - sind die Insassen nicht zu schützen, sollte es das organisierte Verbrechen darauf anlegen, jemand ermorden zu wollen.

Indes schreckt der Schriftsteller nicht zurück und geht in seiner polemischen Replik noch einen Schritt weiter: Salvini verwende Methoden, Gegner mundtot zu machen, wie man sie nur aus Putins Russland kenne. Es sei nicht verwunderlich, dass der Lega-Führer den Machthaber in Moskau bewundere, hatte Saviano bereits mehrfach geäußert.

Allerdings sei es nun an der Zeit, sich gegen diese rechte Regierung und speziell gegen ihren inhumanen Innenminister, der mit seiner rigiden Antiflüchtlingspolitik das Leben von Menschen im Mittelmeer aufs Spiel setze, zu organisieren, forderte der Anti-Mafia-Autor auf sozialen Plattformen.

Salvini ist jedoch willens, die Klage durchzuziehen und den Schriftsteller wegen Diffamierung seiner Person und des Amtes mittels öffentlicher Äußerungen und der Presse verurteilt zu sehen. In der Klageschrift zitiert er Äußerungen Savianos zum »Pakt zwischen ’Ndrangheta und dem Innenministerium«, die er unter anderem in einem Interview mit der »Süddeutschen Zeitung« (SZ) getätigt haben soll. In dem Gespräch mit SZ-Autor Axel Rühle hatte Saviano beklagt, dass der Lega-Chef auf einer Wahlkampfveranstaltung in Rosarno, bei der Clanchefs der Familien Pesce und Bellocco in den ersten Reihen saßen, den Ort lediglich für seine Elendsflüchtlingsquartiere als bekannt benannt hatte. Dies habe sich wie ein Stillhalteabkommen zwischen der ’Ndrangheta und dem Innenministerium angehört, so Saviano.

Zeitgleich jedoch ermitteln Staatsanwaltschaften von Genua, Mailand und Neapel zu Veruntreuung staatlicher Mittel in Höhe von 49 Millionen Euro durch die Lega und in diesem Zusammenhang auch in Sachen Stimmenkauf über die süditalienischen Clans zugunsten der Rechtspartei.

Sollte Salvini mit seiner Klage vor Gericht ziehen können, dürften auch solche Aspekte in die Verhandlung einbezogen werden. Die italienische Justiz hat nun drei Monate Frist, um auf das Schreiben des Innenministers zu reagieren.

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