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Mit Quacksalbern und bunten Fliesen zum Sieg

Spiel des Jahres und Kennerspiel des Jahres in Berlin ausgezeichnet

  • Von Gabi Kotlenko
  • Lesedauer: 3 Min.

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Ein Jahr lang spielten Mitglieder der Jury Hunderte Spiele, um zum Schluss jeweils drei besonders interessante, kurzweilige spaßige oder innovative davon zur Preisverleihung vorzustellen. Das Gremium vom Verein »Spiel des Jahres« sondiert alljährlich den Spielemarkt und wählt aus allen Neuerscheinungen die nach ihrer Ansicht besten Spiele aus. Bewertet werden Idee, Regelgestaltung, Layout und Design.

Zum achten Mal stand diesmal die Wahl des Kennerspiels des Jahres auf dem Programm. Kennerspiele sind für jene gedacht, die sich von »normalen« Spielen bisweilen unterfordert fühlen. Der Österreicher Wolfgang Warsch war doppelt unter den drei Endkampfteilnehmern vertreten. Seine »Quacksalber von Quedlinburg« siegten schließlich. Hier brauen die Mitspieler aus allerlei recht ungewöhnlichen Zutaten wie Geisteratem und Fliegenpilz immer wieder neue Tränke. Bei einigen Zutaten aber - wie Knallerbsen - ist Vorsicht geboten und taktisches Geschick gefragt. Der 38-jährige Österreicher Wolfgang Warsch hat Mikrobiologie und Genetik studiert und arbeitet in der Krebsforschung. Die Erfindung neuer Spiele ist ein Hobby des in Wien lebenden Mannes, der für seine medizinischen Leistungen auch schon mehrfach ausgezeichnet wurde. Ebenfalls nominiert war Warschs Würfelspiel »Ganz schön clever« und Michael Kieslings »Heaven & Ale« - hier geht es um das Bierbrauen im Kloster.

Bei der Wahl zum Kennerspiel ging Michael Kiesling also noch leer aus. Aber dafür »schlug« er Wolfgang Warsch, der hier mit »The Mind« - einem Kartenspiel - erneut nominiert war, beim Kampf um das Spiel des Jahres. »Azul« heißt Kieslings Siegerspiel. Der portugiesische König Manuel I. beauftragt hier Handwerker, die Wände seines Palastes mit schönen Mosaiken zu verzieren. Dafür aber sollen sie nicht irgendwelche Fliesen verwenden, sondern die sogenannten Azulejos. Das sind Bilder aus zumeist quadratischen, bunt bemalten und glasierten Keramikfliesen. Sie haben ihren europäischen Ursprung in Spanien und Portugal. Portugal ist heute der Hauptproduzent. Unter den Fliesenlegern entbrennt im Spiel nun ein Wettbewerb, um die besten Fliesen zum richtigen Zeitpunkt aus der Manufaktur zu erhalten - von einem Anbieter sollen sie sein und alle von genau einer Sorte.

Für den Diplomingenieur Michael Kiesling ist es bereits der dritte Sieg nach 1999 mit »Tikal« und 2000 mit »Torres«. In der Begründung der Jury hieß es, das abstrakte »Azul« vereine vermeintliche Gegensätze: ein nüchternes Spielbrett und ästhetische Mosaiksteine. »Allein das Material ist ein Genuss.« Das Spiel ist für Spieler ab acht Jahren geeignet. Er habe zuerst ein rein abstraktes Spiel mit Holzsteinen geplant, erzählt der 60-Jährige. Dann aber habe der Verlag das wunderbare Material vorgeschlagen. Kiesling hat sich schon als Schüler für Spiele interessiert - damals aber noch für Skat und Doppelkopf.

Ebenfalls im Rennen war »Luxor« von Rüdiger Dorn. Hier betreten die Spieler einen altägyptischen Tempel und folgen dem Gang zur Grabkammer des Pharao. Erstmals gab es 1979 ein »Spiel des Jahres«. Die Premierenwahl gewann »Hase und Igel«.

Bereits im Juni wurde das Kinderspiel des Jahres gewählt. Der »Funkelschatz« machte das Rennen. Drachenkinder stoßen auf einen Schatz bunter Funkelsteine, die in einer dicken Säule aus Eis stecken. Dieses zum Schmelzen zu bringen, kann zum Vergnügen für die ganze Familie werden.

Jurymitglied und Moderator der Preisverleihung Bernhard Löhlein sieht in der Beliebtheit von Gesellschaftsspielen einen bewussten Gegentrend zu unserer schnelllebigen Zeit. Er sagte zu Beginn der Gala, die noch vor einem Jahr gestellte Frage: »Haben Gesellschaftsspiele im digitalen Zeitalter noch eine Chance?« sei inzwischen abgelöst worden von der Frage, ob man eine Erklärung dafür habe, dass Gesellschaftsspiele im digitalen Zeitalter noch gefragt sind. Der Grund sei tiefer, meinte er. »Die Qualität der Spiele hat zugenommen. Es laufen nicht nur Figuren im Kreis oder werden einfach Karten übereinander gestapelt. Man kann knobeln, rätseln, kombinieren - und hat Spaß.«

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