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Futtermittel werden knapp

Berichte über vorzeitige Schlachtungen von Kühen / Auch bei der Getreideernte drohen »existenzbedrohende« Ausfälle

  • Von Haidy Damm
  • Lesedauer: 3 Min.

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Wer in diesen Tagen durch Brandenburg fährt, sieht Landmaschinen allerorten. Die Getreideernte wird eingefahren. Alles wie immer? Nein, sagen die Bauern. Denn die Halme sind kleiner und nicht so gut gefüllt. Hitze und Trockenheit haben ihnen zu schaffen gemacht. In Teilen des Landes erwarten Landwirte bei Weizen, Gerste und Roggen sowie bei Grünland »existenzbedrohende« Ernteausfälle, so der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Joachim Rukwied, Neben Brandenburg sind vor allem Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern betroffen.

Neben den Ackerbauern, die deutlich geringere Mengen einfahren, leiden insbesondere die Futteranbaubetriebe. In weiten Teiles des Nordens und Ostens konnte sich nach dem ersten Grasschnitt aufgrund von Wassermangel kein neuer Aufwuchs bilden. »Die aktuellen Futterreserven drohen knapp zu werden«, sagt Rukwied. Das hat ernste Folgen für die Tierhalter, denn die müssen jetzt zukaufen. Der wirtschaftliche Druck steigt, es gibt erste Berichte über vorzeitige Schlachtungen von Kühen. Besonders Biobauern sind betroffen, die wegen der Öko-Richtlinien nicht einfach auf dem weltweiten Futtermittelmarkt einkaufen können.

Einige Bundesländer haben als Reaktion die ökologischen Vorrangflächen zur Futterversorgung freigegeben. Doch nicht immer wegen der Dürre. So sind Bayern und Rheinland-Pfalz mitgezogen, dort sind es neben Dürre vor allem massive Hagel- und Unwetterschäden, die zur Freigabe von Flächen für Futtermittel geführt haben.

Der Bauernverband fordert angesichts der Trockenheit finanzielle Hilfen - etwa eine steuerfreie Risikoausgleichsrücklage, um die Betriebe bei der dringend notwendigen Liquidität zu unterstützen, oder direkte Dürrehilfen in den betroffenen Bundesländern.

Langfristig jedoch müssen sich die Bauern auch in Europa verstärkt auf lokale Wetterextreme einstellen, sagen Klimaforscher. »Die Landwirte müssen damit rechnen, dass die Winter milder und feuchter werden. Dafür häufen sich im Sommer längere Trockenphasen mit Hitzetagen, die von Starkregenereignissen durchbrochen werden«, erklärte Mathias Herbst vom Zentrum für Agrarmeteorologische Forschung Braunschweig gegenüber dem Informationsdienst »Agrarheute«. Auf Wetterveränderungen verweist auch der Bauernverband. »Selbst wenige Kilometer Luftlinie können für die Betriebe den entscheidenden Unterschied zwischen Ernteausfällen und Durchschnittsertrag bedeuten.«

Die Vorschläge des Bundesvorsitzenden der Grünen, Robert Habeck, dürften dem Bauernverband indes nicht gefallen. Angesichts der Ernteausfälle hatte der schleswig-holsteinische Landwirtschaftsminister in der Zeitung »Welt« gefordert, »ein Betrieb sollte nur so viele Tiere haben, wie er mit dem Ertrag seiner Flächen grundsätzlich ernähren kann«. Die intensive Landwirtschaft stoße an ihre Grenzen. »Im Winter kann die Gülle nicht ausgebracht werden, im Sommer mangelt es an Futter. Wir müssen den Tierbestand reduzieren.« Der Klimawandel erzwinge es, »dass wir für Bauern Einkommensmodelle entwickeln«, die jenseits des bisherigen Systems von »wachse oder weiche« funktionierten. Er schlug ein Prämienmodell vor, bei dem eine bestimmte Viehzahl pro Hektar nicht überschritten werden dürfe.

Für Verbraucher werden die Ernteausfälle beim Getreide kaum Auswirkungen haben. Die Kornkammern weltweit sind voll, laut dem kürzlich vorgelegten »Agricultural Outlook 2018-2027« der UN-Ernährungsorganisation ist die Produktion bei allen Agrarrohstoffen gestiegen und erreichte 2017 Rekordwerte für die meisten Getreidesorten, während die Getreidevorräte zugleich ein Allzeithoch erreichten.

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