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Die Wasserkrise wird immer bedrohlicher

Durch die Hochgebirge hat die Islamische Republik riesige Wasservorräte, doch das Gut wird verschwendet und verschmutzt

  • Lesedauer: 5 Min.

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»Die aktuellen Wahlen sind wichtig, aber das Wasserproblem anzugehen ist wichtiger«, stellte Sardar Tariq, Richter am Obersten Gericht, im Juni fest. Kurz davor hatte der Wetterdienst in Pakistan nicht nur den Richter aufgeschreckt: Die diesjährige Dürre könne bis zu 100 Millionen Pakistaner betreffen. Im Winter sei kaum Schnee im Himalaya gefallen, und in den Monaten zwischen Januar und Mai habe es 44 Prozent weniger Niederschlag gegeben als in den Jahren zuvor. Das führte dazu, dass die Vormonsun-Ernte zu großen Teilen ausgefallen sei, so die Behörde.

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Vor zwei Wochen rettete der einsetzende Monsun dann vorerst das Land, denn sogar in Islamabad konnten nur noch 50 Prozent des Wasserbedarfs der Hauptstädter gedeckt werden. In der südlichen Megametropole Karatschi herrschen sogar schon 60 Prozent Unterversorgung. Dazu sind laut einer Studie 91 Prozent des Wassers, das zur Verfügung steht, für den menschlichen Verzehr ungeeignet.

In Islamabad sind 33 von 190 Brunnen seit Jahren kaputt, aber dass nicht einmal in der Vorzeigestadt des Landes Geld für Reparaturen vorhanden ist, überrascht nicht. Vom diesjährigen Staatshaushalt gehen 23 Prozent an die Armee, weitere 5 Prozent müssen für die Pensionen der Soldaten und Generäle aufgewendet werden. 27 Prozent gehen in die Schuldentilgung. So versucht die klamme Regierung gerade das Geld für den dringend benötigten Diamer Staudamm im Norden des Landes per Crowdfunding durch die Bevölkerung zu finanzieren. Sollte es im derzeitigen Spendentempo weitergehen, würde es mindestens zehn Jahre dauern bis die 1,4 Milliarden US-Dollar gesammelt sind.

Selbst der Allwetterfreund China hat schon vor einem halben Jahr auf die schweren Wasserprobleme Pakistans hingewiesen. Natürlich nicht ganz uneigennützig: Pakistan ist Pekings wichtigster Baustein in der Region für die Pläne ihrer Neuen Seidenstraße. Der Autor Anatol Lieven schrieb schon im Jahr 2007, dass der Wassermangel für Pakistan eine größere Gefahr darstelle als die Taliban. Die Weltbank wies sogar schon 2005 auf die Probleme hin und kam zu dem Schluss: »Pakistan verfährt nach dem Prinzip bauen, vernachlässigen, wieder aufbauen. Dabei ignorieren die Verantwortlichen alle wissenschaftlichen Fakten und strapazieren die Infrastruktur des Landes, bis sie zusammenbricht.«

Dazu kommt die Wasserverschwendung: Mit dem Karakorum-, dem Himalaya- und dem Hindukusch-Gebirge verfügt die Islamische Republik über die größten Schmelzwasservorkommen außerhalb der Polarregion. Doch 96 Prozent des Schmelzwassers werden für die Bewässerung der Felder benutzt, wovon 60 Prozent allein wegen undichter Dämme versickern. »Es ist nicht so, dass unsere Verantwortlichen völlig Tatenlos sind«, sagt der Finanzberater Ali aus Karatschi: »Aber ihre Anstrengungen beschränken sich vorwiegen auf das kurzfristige Flicken, so dass die zur Verfügung stehende Menge Wasser zwar nicht abnimmt, aber durch das Bevölkerungswachstum die pro Kopf zur Verfügung stehende Menge. So entsteht der falsche Eindruck, unser Bevölkerungswachstum sei Grund der Wasserkrise.« Pakistan hat eigentlich genug Wasser - doch es wird verschwendet. Dazu kommen unzählige Wasserprojekte nicht voran, Korruption und Planungsfehler lassen die Projekte immer wieder verspäten und teurer werden. »Natürlich ist das Bevölkerungswachstum ein Problem, das ebenfalls ignoriert wird. Aber die Gründe dafür liegen in mangelnder Bildung und Armut«, fügt der Finanzexperte dazu.

Dazu passt die Aussage der Wasserbehörde Islamabads, dass sie Projekte in Arbeit habe, die im Jahr 2050 die heute benötigte Wassermenge liefern werden. Dass Pakistans Bevölkerung im Jahr 2050 nach vorsichtigsten Schätzungen von derzeit 208 Millionen auf 350 Millionen anwachsen soll, wird ignoriert. Auch die Erzählung, wo das Geld für Infrastrukturprojekte herkommen soll, ist immer die gleiche: chinesische Kredite. Ebenso wie die Argumentation, wie die bis jetzt schon 50 bis 60 Milliarden US-Dollar chinesischer Kredite zurückbezahlt werden sollen: Durch Handel mit China auf der Neuen Seidenstraße. Welchen Handelsschub Pakistan durch die schon erfahren hat, zeigte sich im Mai im Grenzort Sust, dem Zollposten des einzigen Handelslandweg zwischen China und Pakistan: Während eines einmonatigen Streikes der lokalen Händler strandeten nur 36 Laster.

Dass Peking in anderen Zeitdimensionen denkt, ist mittlerweile bekannt. Doch diese Zeit hat Pakistan nicht mehr. Im letzten Monat ließ ein bis jetzt unbekannter Fehler das komplette Stromsystem der Provinzen Punjab und Khyber Pakhtunkhwa zusammenbrechen, 130 Millionen Menschen hatten zehn Stunden keinen Strom - anschließend herrschten wieder die normalen Stromausfälle, obwohl mittlerweile genug Strom vorhanden ist. Mit dem Eintreffen des Monsuns standen Pakistans Großstädte sofort wieder unter Wasser, da verstopfte Gullys das Wasser stauen. Auch dieses Jahr starben schon mehr als 100 Menschen, weil morsche Stromleitungen ins Wasser kippten. Trotz der schweren Hochwasser von 2010/11, die bis zu 18 Millionen Menschen aus ihren Häusern vertrieben hatten, haben die Verantwortlichen keine nennenswerten Vorkehrungen getroffen, die ähnliches verhindern.

Peking dachte, es reiche aus, in Pakistan ein paar Stromkraftwerke hinzustellen (die es sich auch noch gut bezahlen ließ) und den Partner anzuweisen, die Kredite in Verkehrswege zu investieren. Doch Pakistans komplette Infrastruktur ist in einem desolaten Zustand. Wenn China seine Pläne von der Seidenstraße auch in diesem Teil der Erde verwirklichen möchte, werden sie bald eigenes Geld in die Hand nehmen müssen, um auch Pakistans Wasserkrise selbst zu lösen. In Gwadar, 500 Kilometer westlich von Karatschi, wo China mit Milliarden Dollar einen Tiefseehafen gebaut hat, machen sie es schon: Aber selbst drei kleine Staudämme in der Region konnten den Wassermangel nicht beheben. Pakistan wird für Peking teurer werden als gedacht - sehr viel teurer. gko

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