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Wie reagiert die Zentralbank auf Trump?

Handelsstreit mit den USA bestimmt das Treffen der europäischen Notenbanker in Frankfurt

  • Von Hermannus Pfeiffer
  • Lesedauer: 4 Min.

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Auf das letzte Treffen vor der Sommerpause schauen die professionellen Beobachter gelangweilt. Grundlegende Entscheidungen der Herrscher des Euro erwartet die Mehrzahl der Finanzanalysten nicht. Doch wichtiger als die Entscheidungen sind die Erwartungen, die Mario Draghi und sein Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) wecken werden. Mit Spannung schauen die Profis daher auf die abschließende Pressekonferenz Draghis am Donnerstagnachmittag: Reagiert die EZB auf US-Präsident Donald Trump?

Der EZB-Chef sorgt sich nicht allein um den Handelskonflikt um Sonderzölle, den Trump mit Kanada, China und Europa entfacht hat. Das ist aus Sicht der Notenbanker eigentlich Sache der Regierungen. Draghi und seine Kollegen schauen lieber auf die Zinsen. Schließlich ist der Leitzins ihre stärkste Waffe im Kampf um eine solide Währung.

Zinsen sind wichtig für Kredite. Und Kredite sind wichtig für das Wirtschaftswachstum. Wenn die Banken weniger Kredite vergeben, wird die Gefahr einer Rezession größer. Damit der Motor des Kapitalismus richtig schön brummt, müssen die kurzfristigen Zinsen niedriger als die langfristigen sein. Denn Banken leihen sich kurzfristig Geld zu kurzfristigen Zinsen und verleihen es langfristig. Die langfristigen Zinsen orientieren sich an den länger laufenden Staatsanleihen.

Doch die kurzen und langen Renditen amerikanischer Staatsanleihen nähern sich seit dem Jahreswechsel nach und nach bedrohlich an. In der Vergangenheit waren zehnjährige US-Anleihen bis zu drei Prozentpunkte teurer als zweijährige. Aber aktuell liegen beide nur noch rund 0,5 Prozent auseinander. In Deutschland oder Frankreich verläuft dagegen die Zinskurve weiterhin unauffällig.

Hinter dem US-Zinstrend steht die Sorge um die US-Wirtschaft. Trumps Streitereien könnten die Konjunktur belasten. In den Vereinigten Staaten reden Analysten und Anleger angesichts des negativen Zinstrends in diesem Sommer über eine kommende Rezession, also das Schrumpfen der Wirtschaft.

Dazu müsste, merken Ökonomen an, die Zinskurve allerdings »invers« verlaufen, die kurzfristigen Zinsen also höher als die langfristigen sein. Banken würden dann bald in Zahlungsschwierigkeiten geraten und praktisch ihre Kreditvergabe einstellen. Nach einer Analyse der US-Notenbank Fed ging jeder Wirtschaftskrise seit 1950 eine solche inverse Zinskurve voraus. Eine Krise in den USA würde auch Europa treffen. EZB-Präsident Draghi sorgt sich noch um weitere Baustellen. Zwar ist die Stimmung in den Unternehmensvorständen in den meisten Ländern noch bestens, doch der Internationale Währungsfonds (IWF) warnte wiederholt vor globalen Konjunkturrisiken.

Erst am Dienstag legte IWF-Chefvolkswirt Maurice Obstfeld nach: Die Ungleichgewichte in den Handels- und Leistungsbilanzen seien bedrohlich: Deutschland, Niederlande, Schweden, China, Singapur und Südkorea hätten zu hohe Überschüsse - USA, Großbritannien, Türkei und andere zu hohe Defizite. Die Weltwirtschaft sei in Schieflage geraten wie selten zuvor.

Vor Draghi ballen sich nun die Probleme auf. Der Euroraum steckt mit Ausnahme von Deutschland in einer Wachstumsdelle. Das spricht dafür, dass der Italiener den Leitzins nahe Null belässt, um Kredite an Unternehmen weiterhin zu pushen.

Anderseits wird vom EU-Statistikamt Eurostat die jährliche Inflation im Euroraum schon auf zwei Prozent geschätzt. Damit wäre die politische Zielvorgabe der EZB von unter, aber nahe zwei Prozent bereits überschritten. Folglich könnte Draghi am Donnerstag signalisieren, wann genau der Leitzins erhöht werden könnte. Das hätte Folgen bis hin zur privaten Altersvorsorge in Deutschland.

Die amerikanische Notenbank hatte nach einer langen Nullzinsphase infolge der Finanzkrise zuletzt ihren Leitzins wiederholt angehoben. Die EZB solle endlich folgen, fordert Donald Trump. »China, die EU und andere haben ihre Währungen manipuliert«, behauptete der amerikanische Präsident über den Kurznachrichtendienst Twitter. Der Dollar werde durch die Manipulationen immer teurer. Und das schwäche die Wettbewerbsfähigkeit der Vereinigten Staaten, weil US-Produkte international teurer würden.

Ganz daneben liegt Trumps Kritik nicht. Der Euro müsste eigentlich 1,30 statt 1,17 Dollar kosten, meint das Münchner Ifo-Institut. Wenn es nach der Kaufkraft ginge. Tut es aber bei Währungen nicht wirklich, wie der »Big-Mac-Index« zeigt. Danach kostet ein solches Brötchen mit Fleischauflage in den USA fünf Dollar, in anderen Ländern aber umgerechnet weniger als einen Dollar oder auch über sechs Dollar.

Am Donnerstag wird Draghi an seinen Aussagen vom Juni gemessen werden. Da hatte er angekündigt, die umstrittenen Käufe von Staatsanleihen der Euroländer zum Jahresende einzustellen. Voraussetzung dafür ist, dass sich die Inflationsrate bis dahin weiter in der Nähe der von der EZB angestrebten Rate hält. Den Leitzins wird die EZB, so Präsident Draghi, dann aber bis »mindestens über den Sommer 2019 hinweg« auf dem Rekordtief von null Prozent halten. Man darf gespannt sein.

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