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Zu warm für die Fossilen

Einige konventionelle Kraftwerke müssen derzeit gedrosselt werden - das Kühlwasser ist zu warm

  • Von Susanne Götze
  • Lesedauer: 3 Min.

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Das Wetter ist immer ein wenig unberechenbar. Deshalb halten Kritiker die erneuerbaren Energien für problematisch - Wind und Sonne seien nicht regelmäßig abrufbar. Doch auch das vermeintliche Bollwerk der Versorgungssicherheit - Kraftwerke mit fossilen Brennstoffen - ist anfälliger als oft behauptet. So mussten diese Woche mehrere Steinkohlekraftwerke in Deutschland ihre Leistung drosseln, weil die anliegenden Flüsse sich durch die anhaltend sonnigen Tage zu stark erhitzt haben. Am Donnerstag meldeten mehrere Betreiber, darunter Steag und Uniper, das Herunterfahren von Kraftwerken. Das Steinkohlekraftwerk in Bergkamen reduzierte seine Leistung aufgrund »externer Faktoren«, wie es auf der Meldungsplattform der Leipziger Strombörse heißt, um 250 Megawatt, das Steinkohlekraft von Uniper in Wilhelmshaven um 300 Megawatt, das Rheinkraftwerk von EnBW sogar um 500 Megawatt.

Ein Versorgungsengpass sei aber unwahrscheinlich, erklärte ein Sprecher der Bundesnetzagentur. Alles liege noch im »grünen Bereich«. Dank des deutschen Strommixes aus Gas und einem wachsenden Anteil erneuerbarer Energien könnten diese Ausfälle abgefedert werden.

Grund für die Ausfälle ist fehlendes Kühlwasser: Die Flüsse, aus denen die Kraftwerke ihr Kühlwasser pumpen, sind zu warm. Durch den Kühlprozess im Kraftwerk heizt sich das Wasser weiter auf und wird noch wärmer wieder in die Flüsse eingeleitet. Das schadet dem Ökosystem, wenn die Flüsse durch die Hitzewelle ohnehin überdurchschnittlich hohe Wassertemperaturen verkraften müssen. Deshalb schreiten Wasserschutzbehörden ein, wenn kritische Temperaturen erreicht sind. »Durch die hohen Temperaturen verringert sich der Sauerstoffgehalt und ab drei bis vier Milligramm pro Liter Wasser beginnen Gewässer zu kippen«, erklärt ein Sprecher des Niedersächsischen Landesbetriebes für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz. Dann seien etwa Fische gefährdet.

Vergangene Woche schränkte die niedersächsische Behörde bereits den Betrieb des Uniper-Kraftwerks in Wilhelmshaven ein, da die Temperatur des genutzten Kühlwassers 30 Grad Celsius nicht überschreiten darf. Dieser Grenzwert variiert aber je nach Kraftwerk, so der Behördensprecher. In Wilhelmshaven sei er relativ hoch, da sich das Flusswasser später mit kühlerem Meerwasser mische.

In anderen Kraftwerken wie dem Steinkohlekraftwerk in Karlsruhe liegen die Werte unter 30 Grad Celsius, doch auch hier schritt die Wasserschutzbehörde bereits ein. Das Großkraftwerk in Mannheim beantragte diese Woche eine Ausnahmegenehmigung bei den Behörden, um weiterlaufen zu können. Unter bestimmten Umständen sei das möglich, erklärte ein Sprecher des Umweltministeriums Baden-Württemberg.

Weniger Probleme haben hingegen Braunkohlekraftwerke, die ihr Kühlwasser aus den anliegenden Tagebauen nutzen. »Das Grubenwasser ist von Natur aus kühl, weil es aus dem Untergrund entnommen wird«, erklärt Leag-Sprecherin Kathi Gerstner. Die Leag betreibt vier der größten Braunkohlekraftwerke Deutschlands. Auch bei einer langen Hitzewelle könnten die Kraftwerke stabil laufen, so die Sprecherin.

Ein Kühlwasserproblem haben aber Atomkraftwerke. Auch sie entnehmen Wasser aus Flüssen, um die Reaktoren zu kühlen. So musste das Schweizer Atomkraftwerk Mühleberg am Freitag seine Leistung wegen der Hitze um rund zehn Prozent zurückfahren. Grund sind Temperaturen von über 20 Grad im Fluss Aare, aus dem das Kraftwerk sein Kühlwasser bezieht. Der Wassermangel macht auch dem Atomkraftland Frankreich regelmäßig zu schaffen. Bei Hitzewellen ist das Nachbarland auf Stromimporte beispielsweise aus Deutschland angewiesen, da es nur über einen geringen Anteil an Gaskraftwerken oder erneuerbaren Energien verfügt, um die Ausfälle auszugleichen.

»Die Abschaltungen zeigen, dass die oft gepriesene Versorgungssicherheit konventioneller Kraftwerke gerade in Zeiten großer Hitzewellen nicht gegeben ist«, kritisiert Ökonomieprofessorin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). »Auch diese Kraftwerke sind anfällig für Wetterschwankungen, obwohl das ja immer nur den erneuerbaren Energien zugeschoben wird.« Um mögliche Versorgungsengpässe wegen Hitzewellen künftig zu vermeiden, sollten die Wind- und Solarenergie sowie Speichersysteme ausgebaut werden, schlägt Kemfert vor.

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