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Weitblicke - und die Sterne so nah

Im Dreiländereck von Hessen, Bayern und Thüringen bemüht man sich, die Schönheit der Rhön bekannter zu machen

  • Von Jörn Perske und Christiane Bosch, Gersfeld
  • Lesedauer: 6 Min.

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Sie liegt mitten im Herzen von Deutschland. Die Rhön - eingebettet im Dreiländereck von Hessen, Bayern und Thüringen - bietet viel Natur und malerische Fernsichten von den Kuppen des Mittelgebirges aus. Thorn Plöger will mit der Rhön nun noch höher hinaus, zumindest beim Ranking. Laut Umfragen rangiere die Rhön beim Bekanntheitsgrad bundesweit an Position zwei hinter dem Schwarzwald und vor dem Harz. »Wir wollen die Rhön zum Spitzenreiter in Deutschland machen«, sagt der Geschäftsführer der Rhön GmbH.

Aber wie soll das gelingen? Um besser wahrgenommen zu werden, sei zunächst einmal ein neuer Marken-Name nötig gewesen, meint Plöger. Künftig präsentiert sich die Rhön deshalb mit dem Slogan »Heimat mit Weitblick«. Damit wird der Vorgänger ausrangiert: »Land der offenen Fernen«. Dieser Sinnspruch habe sich den Menschen ohnehin nicht richtig erschlossen, findet Plöger. Beschrieben werden sollte, dass sich auf vielen Bergkuppen der Rhön eine beeindruckende Fernsicht ergibt. »Der Weitblick ist ein Alleinstellungsmerkmal, das wir den Menschen näherbringen wollen«, erklärte Plöger, der seit Februar 2017 Geschäftsführer ist.

Bekannt ist die Rhön unter anderem für ihr Biosphärenreservat. Es ist das zweitgrößte in Deutschland. Es wurde 1991 von der UNESCO anerkannt und ist 240 000 Hektar groß. Die Vermarktung der Rhön ist wegen seiner Lage auch eine große Gemeinschaftsaufgabe. In der Rhön GmbH werden die Interessen von fünf Landkreisen gebündelt: vom Landkreis Fulda in Hessen, den Landkreisen Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld in Bayern sowie dem Wartburgkreis und dem Landkreis Schmalkalden-Meiningen in Thüringen.

Trotz der vielen Akteure sieht Plöger keine Probleme bei der Vermarktung: »Das funktioniert hervorragend.« Kompetenzzentren gebe es auf der Wasserkuppe in Gersfeld (Hessen), in Geisa (Thüringen) und Bad Neustadt (Bayern).

Michael Geier, Leiter der bayerischen Verwaltungsstelle des Biosphärenreservates Rhön, erkennt dagegen schon noch Reibungspunkte. So gebe es noch immer Regionen, die sich an der Rhön GmbH vorbei vermarkten. »Das ist schon noch ein gutes Stück Arbeit, bis wir nach außen wirklich mit geballter Kraft noch vorne gehen können.«

Nicht einfacher werde die länderübergreifende Vermarktung durch den Föderalismus, findet Geier. Jedes Bundesland habe andere Regelungen, wenn es um das Beantragen von Förderungen geht. Länderübergreifende Förderungen seien zudem entweder sehr kompliziert oder gleich ganz unmöglich. Das sei durchaus eine Hürde. Das sehen auch die Landräte der bayerischen Landkreise Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld so.

Dennoch gebe es lobenswerte Einzelfälle, so geier. Thüringen habe beispielsweise über alle Ländergrenzen hinweg ein Markenentwicklungskonzept für die gesamte Rhön finanziert. »Das wäre durchaus als Vorbild zu empfehlen.«

Doch selbst, wenn diese bürokratischen Hürden überwunden sind, bleiben andere Barrieren auf dem Weg zur erfolgreichen Vermarktung der Region als Tourismusgebiet. Eine Herkulesaufgabe ist Geier zufolge die Entwicklung der touristischen Infrastruktur entlang der Premiumwanderwege. Zu wenig Gasthäuser, Kioske und Cafés finden sich da. »Man braucht nicht ein international konkurrenzfähiges und hoch gelobtes Wanderwegenetz, wenn die Leute unterwegs verhungern«, sagt Geier. Das ist auch die Folge des demografischen Wandels; Nachfolger für Gasthöfe, Pensionen und Wirtshäuser lassen sich auch in der Rhön nicht leicht finden. Die Rhön GmbH will diese Zukunftsfrage ebenso angehen wie die Digitalisierung, um noch attraktiver für Touristen zu werden.

Dennoch hätten sich die Tourismus-Zahlen in der Rhön zuletzt gut entwickelt, sagt Rhön-GmbH-Chef Plöger. 2017 waren fast 1,6 Millionen Menschen aus dem Aus- und Inland in die Rhön gereist, 1,9 Prozent mehr als im Vorjahr. Die ausländischen Gäste kamen dabei vor allem aus Dänemark, Schweden und den Niederlanden. Durchschnittlich 3,3 Nächte bleiben die meisten. Hinzu kämen noch etwa 22 Millionen Tagestouristen im Jahr. Gut 490 000 Übernachtungen verzeichnete die Thüringer Rhön laut Landesamt für Statistik im vergangenen Jahr. Damit liegt sie zwar weit hinter den mehr als vier Millionen des Thüringer Waldes zurück. Aber für die Rhön waren das 3,8 Prozent mehr Übernachtungen als im Jahr davor - beim Thüringer Wald belief sich das Wachstum auf 0,6 Prozent.

Allerdings könnten die Touristen noch mehr Geld in der Region ausgeben, findet Geier. In der bayerischen Rhön lässt der Tagesgast einer Studie zufolge gerade einmal 15 Euro. Zum Vergleich: Im fränkischen Weinland sind es mindestens 49 Euro am Tag. »Da haben wir noch viel Luft nach oben«, so Geier.

Angesichts der Vielfalt, die der Rhön-Tourismus zu bieten habe, blickt Rhön-GmbH-Chef Plöger optimistisch in die Zukunft. Ein Schatz sei das Wanderwegenetz, sagt er. »Aber auch der Fahrrad-Tourismus ist immer stärker im Kommen.« Ein weiterer Pluspunkt sei, dass man es in der Region verstehe, Feste zu feiern. »Von April bis Oktober ist auf den Straßen und Plätzen ständig etwas los.«

Dabei lasse sich auch die große Identifikation der Rhöner mit ihrer Region beobachten, so Plöger. Zuletzt standen in Bayern beispielsweise das Parkfest in Bad Brückenau, das Stadtfest in Bischofsheim und das Rakoczy-Fest in Bad Kissingen an, das Hüttenfest auf der Gemündener Hütte in Bischofsheim ist für 18. August geplant. In Thüringen wird unter anderem in Meiningen das traditionelle Almfest (17./18.8.) gefeiert und noch bis zum 29. August dauert das »Grasgrün« Sommerkultur-Festival dort. In Hessen gab es unter anderem das Brunnenfest Hofbieber, vom 10. bis 13. August soll das Heimatfest in Hilders stattfinden.

Zu den beliebtesten Ausflugszielen in der Rhön gehört die Wasserkuppe, Hessens höchster Berg (950 Meter) mit ihren vielfältigen Freizeitmöglichkeiten. Dort ist auch die Wiege des Segelfliegens. Ein Museum zeigt beeindruckende Ausstellungsstücke, während draußen vor der Tür der Flugsport in allen Facetten floriert. Auf bayerischer Seite ist der Kreuzberg mit seinem Kloster eines der bekanntesten Ausflugsziele. Im thüringischen Kaltenwestheim informiert das Erlebnis- und Besucherzentrum »Arche Noah« über die Rhöner Fauna und Flora. Besonders gute Aussichten versprechen die Plattform »Noahs Segel« auf dem 813 Meter hohen Ellenbogen sowie die Hohe Geba (750 Meter).

Eine Sehenswürdigkeit aber teilen sich alle drei Bundesländer - und zwar ganz ohne Hürden: den Himmel über dem Mittelgebirge. Dank der geringen »Lichtverschmutzung« und der damit nachts noch gegebenen natürlichen Dunkelheit erhielt das Biosphärenreservat 2014 von der International Dark-Sky Association (IDA) die Auszeichnung als »Sternenpark«. Davon gibt es nur zwei in Deutschland, der zweite liegt im Havelland. Als Mittelgebirge hat die Rhön somit ein weiteres Alleinstellungsmerkmal. dpa/nd

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