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Eiskalte Opportunistin, nicht Opfer

Jacinta Nandi findet, die britische Premierministerin Theresa May ist eine eiskalte rassistische Opportunistin

  • Von Jacinta Nandi
  • Lesedauer: 4 Min.

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Wenn man die Nachrichten von der Insel schaut, bemerkt man ein komisches Gefühl von etwas, das fast wie Bewunderung beschrieben werden könnte: für die britische Premierministerin Theresa May. Die hat eine Fähigkeit zum Überleben wie eine Kakerlake nach dem Atomkrieg. Im vergangenen Jahr hat sie eine Wahl verloren. Sie verlor eine Wahl, die sie anberaumt hatte, um zu beweisen, dass die britische Bevölkerung sie mit ihren Brexit-Plänen unterstützt. Trotzdem ist sie Premierministerin geblieben, wie ein Kind, das fleißig weiterspielt auf der Geburtstagsfeier, nachdem die Eltern angekündigt haben, dass es Zeit zu gehen ist.

Auch jetzt überlebt sie jeden Tag neue Angriffe aus allen politischen Lagern: Ihr Alltag muss sich anfühlen wie der von Walking-Dead-Sheriff Rick Grimes, wenn er etwas vom Supermarkt holen geht und sich dabei wütender Zombies erwehren muss. Der US-Präsident sagte beim Staatsbesuch, May zeige zu viel Schwäche gegenüber der EU und dass besser Außenminister Boris Johnson Premierminister werden sollte! Gleich zwei Minister, der für den Brexit zuständige David Davis und der besagte Johnson, treten kurz hintereinander zurück, weil ihnen die Pläne Mays für eine Zollunion mit der EU zu nachgiebig sind! Immer wieder gibt es Aufstände von den EU-Freunden und Hardcore-Brexit-Anhängern in ihrer Partei! Diese ist genau so gespalten wie das Land. Und trotz alledem: Theresa May bleibt Hausherrin in Downing Street.

Auch die Anhänger von Mays stärkstem innerparteilichen Widersacher, Jacob Rees-Mogg, wollen ein »No Deal«-Ergebnis der Brexit-Verhandlungen und den totalen Bruch mit der EU, doch sie scheuen sich, die Vertrauensfrage zu stellen. Wahrscheinlich ist die Angst vor einer sozialistischen Corbyn-Regierung doch noch größer als die Angst vor der EU.

Ex-Außenminister Boris Johnson hat im Zuge seines Rücktritts gesagt, dass May ihre »miserablen« Pläne für eine Zusammenarbeit mit der EU zerreißen solle und zu einer glorreichen Vision für Großbritannien zurückkehren solle. Doch diese Vision, die No-Deal-Lösung, würde totales Chaos nach Großbritannien bringen. Der Trump-Besuch wurde von den Medien als die totale Erniedrigung für May dargestellt. May wird jetzt zu einem weiteren Opfer des US-Präsidenten gemacht: Trump respektiere sie nicht als Frau, greife daneben, verletzte Grenzen.

Die Wahrheit ist: May und Trump sind ideologische Zwillinge. Als Innenministerin hat sie mit ihren »Go Home Vans« die Pfade in den Faschismus vorgebaut. 2013 schickte das von ihr geleitete Ministerium Werbewagen in Nachbarschaften mit hohem Migrantenanteil. Deren Botschaft an vermeintliche Illegale: »Geht nach Hause, sonst werdet ihr verhaftet.« Und man könnte fast meinen, dass die »Immigration Removal Centres«, in den Asylbewerber und Asylbewerberinnen inhaftiert werden, Trump inspiriert haben. Unter Theresa May als Innenministerin wurden weibliche Insassen misshandelt, die UNO aus diesen ausgesperrt. Heute leben wir in Zeiten von Kindern in Käfigen und einer feindlichen Stimmung gegenüber Migranten überall auf der Welt. Familien werden getrennt, Listen werden geschrieben, auch in Großbritannien. Im aktuellen Windrush-Skandal über britische Staatsbürger mit karibischem Hintergrund trat Mays Innenministerin Amber Rudd zurück, nachdem Abschiebungsquoten bekannt wurden.

In den britischen Medien wird May oft gefeiert als eine sanftere Margaret Thatcher. Sie ist stark, stabil und vernünftig, eine moderne eiserne Lady - wenn auch nicht ganz so hart wie Maggie, die die Tochter eines Tante-Emma-Laden-Besitzers war. Theresa May ist die Tochter eines Pastors - und das Gesicht der englischen Höflichkeit. Man kann ihre Pläne für eine Zollunion mit der EU vernünftig nennen, aber man sollte Vernunft nicht mit Menschlichkeit verwechseln. Theresa May mag eine Frau sein, und sie möchte, anders als Trump, Rees-Mogg und Boris Johnson, nicht den totalen Bruch mit der EU. Aber nur weil sie kompromissbereiter ist als die drei politischen Spinner: Menschlich ist sie nicht. Sie will nur, dass wir weiter mit der EU handeln können. Es geht ihr gar nicht drum, dass wir als Gesellschaft human handeln. Es gibt einen Grund, weshalb es ihr nicht schwerfiel, mit den ultrarechten Loyalisten von der DUP aus Nordirland zu koalieren. May ist im Moment schwach, aber sie bleibt eine unmenschliche, rassistische Opportunistin.

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