Werbung

Zentralrat: Rund 2.600 Jesiden bis heute verschollen

6.800 vermisste Angehörige der religiösen Minderheit sind vermutlich tot

  • Lesedauer: 2 Min.

Bei uns droht die ABOkalypse!

Wir brauchen zahlende Digitalleser/innen.

Unterstütze uns und überlasse die Informationsflanke nicht den Rechten!

Mach mit! Dein freiwilliger, regelmäßiger Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Berlin. Vier Jahre nach dem Überfall der Terrormiliz »Islamischer Staat« (IS) auf die von Jesiden bewohnte Sindschar-Region im Nordirak werden noch immer Tausende Angehörige der religiösen Minderheit vermisst. »Wir gehen davon aus, dass etwa 2.600 überwiegend junge Frauen und Kinder verschollen, an einem unbekannten Ort sind, aber noch leben«, sagte der Zentralratsvorsitzende der Jesiden, Irfan Ortac, dem Evangelischen Pressedienst. Bei 6.800 vermissten Menschen - meist Männer und alte Frauen - befürchteten die Angehörigen aufgrund von Indizien und Zeugenaussagen, dass sie getötet worden seien.

Zu einigen der noch Lebenden habe man heimlich Kontakt aufnehmen können und wisse, dass Kinder und Jugendliche »Opfer von Gehirnwäsche sind und zu Dschihadisten ausgebildet werden«, sagte Ortac. Sie sollten als Selbstmordattentäter »Kuffar« (arabisch: Ungläubige) töten, damit sie ins Paradies kommen. Von den gegen ihren Willen festgehaltenen Frauen hätten einige nach einer Vergewaltigung auch Kinder zur Welt gebracht.

Ortac, der auch Politologe ist, geht davon aus, dass die meisten Jesiden in Gefangenschaft sich nach wie vor in Syrien und im Irak befinden. Aber auch in anderen Ländern der Region: »Wir haben Spuren, die sogar in den Maghreb führen und auch in die Türkei.« Weil die Frauen und Kinder von der Außenwelt abgeschnitten seien, glaubten sie, dass der IS alles beherrsche.

Vor dem IS-Überfall haben etwa 600.000 Jesiden in der Sindschar-Region im Nordirak gelebt. Heute sind es laut Ortac nur noch rund 40.000 - »die meisten von ihnen Kämpfer und deren Familien, die sich selbst verteidigt und die Dörfer nie verlassen haben«. Hunderttausende seien noch in Flüchtlingscamps, weil sie sich nicht sicher fühlten. Etwa 300.000 seien ins Ausland geflohen: Die größte jesidische Gemeinde sei mit 200.000 Mitgliedern in Deutschland - 110.000 von ihnen seien alleine in den letzten drei Jahren hinzugekommen. epd/nd

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

Noch kein Abo?

Jetzt kostenlos testen!

14 Tage das »nd« gratis und unverbindlich als App, digital oder gedruckt.

Kostenlos bestellen