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#metwo: Vorurteile sind typisch biodeutsch

Viele haben offenbar nie gelernt, wie man souverän mit Zuwanderung umgeht, meint Roberto De Lapuente

  • Von Roberto De Lapuente
  • Lesedauer: 4 Min.

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»D-e-L-a-p-u-e-n-t-e! Oh, Sie haben aber einen hübschen Namen. Ist das spanisch?« Das fragt man mich in meinem bürgerlichen Leben mittlerweile fast täglich. Anfangs bejahte ich oft, dann bekam ich manchmal zu hören: »Sie können aber gut Deutsch.«. Das kann ich ja nun wirklich – also gut Deutsch. Sogar besser als es diese hessischen Fragesteller zuweilen praktizieren. »Wie ist denn das Wetter in Spanien?«, wollte eine andere wissen, nachdem ich ihr per Nicken meine Herkunft bestätigte. »Ähm, ich wohne in Frankfurt …«, antwortete ich.

Der Publikumsverkehr, der an meinem Schreibtisch hockt, kann es einfach nicht lassen. Mein Name, der Name meines Vaters, dazumal Gastarbeiter in diesen Landen, sticht ihm stets ins Auge und reizt als Sujet eines Gesprächs, das ich beileibe nicht mehr führen will. »Schlimm was in Spanien so passiert«, fing letztens unvermittelt ein Mann an. Er meinte damit die katalanischen Entwicklungen. Ich schaute ihn ausdruckslos an. Was bitte hatte das jetzt mit der Sache hier zu tun? Was mit mir? Schlimm was in Deutschland passiert – das hätte er sagen können und es hätte uns beide betroffen. Bei uns passiert immerhin der Neoliberalismus und die ewige Kanzlerin kriegen wir einfach nicht vom Sockel. Wieso ist das kein Thema für ihn?

»De Laboendde«, hesselte letztens einer, »des is doch a spanischer oder italienischer Name oder sowas – oder ned?« »Ah naa, des is a typisch boarischa Nama«, gab ich ihm zur Antwort. Er guckte doof. Wochen später saß er wieder bei mir und meinte, ich habe ihm damals gesagt, mein Name sei bayerisch, dann zwinkerte er mir verschwörerisch zu. »Des is a ned foisch«, zwinkerte ich spröde zurück. Dass ich Bayer bin, jedenfalls zur Hälfte, nehmen mir die wenigstens ab. Nicht bei meinem Namen.

Mit #metwo twittert nun jener Teil deutscher Mitbürger über ihren Alltag, der nicht seit Generationengedenken seinen Alltag auf deutschen Boden fristet. Diese neuen Deutschen erzählen von ihren Erfahrungen – und ich, als Sohn eines spanischen Gastarbeiters, der einen eindeutig spanisch klingenden Namen trägt, kann viele Erfahrungen, die da der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, als Teil meiner eigenen Empirie, durchaus nachvollziehen. Es gibt in der deutschen Gesellschaft klare Vorstellungen davon, wie das Deutsche aussieht, heißt und sich zu geben hat. Alles andere ist exotisch - dann schwankt man zwischen Xenophobie und Konzilianz. Die Leute jedenfalls, die sich an meinen Nachnamen hochziehen, wollen meist ja nur loben, wie gut ich was kann, obwohl ich doch gar nicht einer von ihnen bin. Böse Rassisten sind das nicht – sie haben offenbar nur nie gelernt, wie man souverän mit Zuwanderung umgeht.

Woher sollen sie es aber auch gelernt haben? Seit Jahrzehnten pflegt man in Deutschland einen arg destruktiven Umgang mit der Zuwanderung. Man möchte partout kein Zuwanderungsland sein, obgleich man es seit Beginn der Sechzigerjahre bereits ist. Mein Vater wanderte ein, weil man hier keinen mehr fand, der arbeiten konnte – man brauchte zwar des Zuwanderers Arbeitskraft, tat aber zugleich arrogant so, als habe das keine Auswirkungen auf das Selbstverständnis des Landes. Bis heute weigert man sich, ein eindeutiges Zuwanderungsverfahren zu installieren – als habe man es nicht nötig, so ein Nischenthema zu besetzen.

Aufgrund dieser speziell deutschen Anti-Haltung zur Zuwanderung, hat man es Mesut Özil tatsächlich sehr einfach gemacht. Er konnte in seiner Erklärung galant überspielen, dass er sich ja tatsächlich dem türkischen Präsidenten anbiederte und eilfertig zum Thema Rassismus wechseln und betonen, dass er sich latent immer als Fremdkörper in Deutschland fühlte. Obgleich er quasi mit diesem taktischen Kniff eine inhaltliche Erklärung zur Sache umging, kann man ihm ja nicht mal einen Vorwurf machen, denn es stimmt ja schon, was er da so anklingen ließ. Als jemand, der nicht Müller oder Huber heißt, bleibst du immer im Kern ein Ausländer für jene Menschen im Lande, denen man über Jahre eintrichterte, dass Zuwanderung ja gar nicht nötig und schon gar nicht Deutsch sei.

Man kann sicher auf Bewährung dazugehören. Für einen Augenblick. Aber im nächsten Moment reduziert man einen auf eine Herkunft, die in dem Moment gar keine Rolle spielt. Bei Frau Maier käme ich jedenfalls nie auf die Idee, in ihren Namen Herkunft hineinzuinterpretieren. So geht es nur Özils, De Lapuentes und anderen Deutschen, an denen man das Autochthone nicht ablesen kann.

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