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Sombreros, Fächer und Hydranten

Weltweite Strategien gegen die Gluthitze

Die Bewohner von Weltregionen, wo Hitzeperioden länger und heftiger ausfallen, haben ihre eigenen Strategien entwickelt, mit der übermäßigen Wärme umzugehen.

IRAK: Temperaturen über 40 Grad gehören im Sommer zum Alltag. Weil wegen der schwachen Infrastruktur permanent der Strom ausfällt, ist auf Klimaanlagen kein Verlass. Viele Händler stellen auf Bürgersteigen Duschen auf, unter denen sich die Iraker zur Erfrischung die Köpfe mit Wasser abbrausen können. Viele flüchten in Einkaufszentren, wo dank Generatoren die Klimaanlagen immer laufen.

GOLFSTAATEN: Das beste Rezept gegen Hitze in den Wüstenstaaten: Tagsüber nicht ins Freie gehen. Die Bürgersteige sind deswegen im Sommer fast menschenleer. Wer von einem Ort zum anderen muss, bewegt sich nur in einem klimatisierten Fahrzeug. Auch klimatisierte Einkaufszentren sind beliebt.

INDIEN: In vielen Teilen des Subkontinents sind im Mai und Juni Temperaturen knapp unter 50 Grad keine Seltenheit. In der Monsunzeit von Juli bis September ist es etwas weniger heiß, dafür aber sehr schwül. Bei denen, die es sich leisten können, laufen ununterbrochen Klimaanlagen. Eine günstigere Alternative sind Geräte, die Wasserdunst durch Matten aus Süßgras pumpen. Für unzählige Inder sind aber auch die zu teuer. Ihnen bleibt nur, im Freien zu schlafen.

USA: In New York sollen an Hydranten eigentlich nur Feuerwehrleute Hand anlegen. An heißen Tagen werden sie unerlaubt aber auch von Anwohnern und Kindern geöffnet, die sich im Wasserstrahl abkühlen wollen. Bis zu 3800 Liter pro Minute schießen dann in die Luft. Erlaubt ist der kostenlose Wasserspaß heute nur noch mit Sprühaufsätzen der Feuerwehr - damit sprudeln pro Minute noch etwa 100 Liter heraus.

ITALIEN: Die Devise in Italien in den Hitzemonaten: Ferien machen. Im August kommt das öffentliche Leben im ganzen Land weitgehend zum Erliegen, viele Büros und Geschäfte in großen Städten schließen den ganzen Monat. Die Italiener zieht es ans Meer oder in die Berge. Mittags ziehen sich die Menschen meist in dunkle Häuser zurück, um abends wieder am Strand zu flanieren. Wer Pech hat und in Städten wie Rom oder Mailand bleiben muss, sucht oft vergeblich nach erschwinglichen Freibädern.

MEXIKO: In Mexiko, das unter einer Hitzewelle im Norden mit Temperaturen bis zu 40 Grad ächzt, darf gegen die Sonne eines nicht fehlen: der Sombrero. Damit ist aber nicht die übergroße Kopfbedeckung gemeint, die Klischee-Mexikaner in Comics tragen. »Sombrero« bedeutet schlichtweg Hut - und Hüte werden an jeder zweiten Ecke verkauft. In Mexiko-Stadt ist er besonders wichtig. Da die Stadt auf 2250 Metern Höhe liegt, ist die Sonne dort besonders intensiv.

JAPAN: Viele versuchen mit findiger Technik der Hitze zu trotzen: In Geschäften werden die verschiedensten Produkte zum Schutz vor der Hitze angeboten - von kühlenden Feuchttüchern und Fächern über Kühlkissen für den Nacken bis hin zu moderner Kleidung mit Faserstoffen, die für einen kühlenden Effekt sorgen. Manche Japaner schaffen sich auch kleine tragbare Ventilatoren mit Batteriebetrieb an.

FRANKREICH: Die Menschen können sich per Smartphone über kühle Orte in Paris informieren. Die App »Extrema Paris« zeigt kühle öffentliche Einrichtungen. Derzeit herrschen Temperaturen um 37 Grad. Nachmittags werden gekühlte Räume in 32 Rathäusern und öffentlichen Einrichtungen freigegeben. Wer die App nutzt, kann auswählen, ob er sich in einer Kirche, im Museum, Park oder am Ufer eines Wasserlaufes abkühlen möchte. Für Ältere hat Paris einen besonderen Service: Diese können sich im Sommer bei der Stadt registrieren. So stellen sie sicher, dass Beauftragte der Stadt bei Hitze regelmäßig bei ihnen anrufen, um sich nach ihrem Wohlbefinden zu erkundigen.

SPANIEN: Die Spanier sind an die Sommerhitze gewöhnt. Erst wenn das Thermometer die 40-Grad-Marke erreicht, fangen etwa die Madrilenen auf der Straße zu stöhnen an. Wenn die Sonne besonders heiß vom Himmel knallt, zwischen 14 und 17 Uhr, zieht man sich einfach zurück. Die Siesta, der »Mittagsschlaf«, gehört zu Spanien wie Paella, Stierkampf und Flamenco. Büros machen längere Pausen, in den meisten Läden werden »Geschlossen«-Schilder nach draußen gehängt. Auch die Essgewohnheiten werden dem Klima angepasst. Im Sommer erfrischt man sich gern mit kalt servierten Suppen wie Gazpacho oder Salmorejo.

THAILAND: Im Land sind Temperaturen von mehr als 30 Grad eher die Regel - und zwar das ganze Jahr über. Deshalb ist die Kleiderordnung auch nicht so streng wie anderswo: Hemd über der Hose und Flip-Flops sind hier völlig normal. Viel gegen die Hitze machen lässt sich nicht. Die meisten Thais bewegen sich langsamer als Europäer. Und in Bangkok flüchten sie gern in die großen tief heruntertemperierten Shopping-Malls.

BULGARIEN: Wenn die Sommer heiß werden, erfrischen sich die Menschen gern mit kühlem Joghurt. Zum Frühstück, zwischendurch oder am Abend will im Balkanland kaum jemand auf die dicke »kisselo mljako« (saure Milch) mit dem einzigartigen bulgarischen Ur-Bakterienstamm Lactobacillus bulgaricus verzichten. Ebenso nicht auf Ayran aus Joghurt, Wasser und Salz. Das aus Vorderasien stammende Getränk soll zudem den hohen Blutdruck senken. dpa/nd

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