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Nini und Mina

  • Von Johanna Treblin
  • Lesedauer: 3 Min.

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Es ist irgendwann zwischen Mittag- und Abendessen, der Supersommer 2018 liegt noch ein paar Jahre in der Zukunft. Bei »Nini e Pettirosso« ist es ausnahmsweise fast leer. Während ich an einem der halben Biertische vor der Tür ein Stück Rucola-Pizza mit getrockneten Tomaten und Pilzen esse, geht eine Frau in den Laden. Durch die Schaufensterscheibe sehe ich, wie sie einen dicken Aktenordner auf die Theke legt und aufschlägt. Finanzamt, denke ich als Erstes, obwohl ich noch nie gesehen habe, wie Finanzbeamte Hausbesuche machen. Dann wachen langsam tief hinten im Hirn verkramte Erinnerungen auf, das Gesicht der vermeintlichen Finanzbeamtin, ich habe es schon gesehen. Eine Googlesuche bestätigt: Es ist Mina.

Erinnert sich noch jemand an »Prinzessinnenbad«? Drei ungleiche Freundinnen am Kottbusser Tor, Sommer, Schwimmbad, Hausaufgaben. Minas Freund, der ins Ausland geht, der Vater mit dem Pizzaladen. Mina - so heißt die Protagonistin auch im echten Leben. »Prinzessinnenbad« ist ein Dokumentarfilm von 2007 über drei 15-jährige Mädchen, die in Berlin-Kreuzberg aufwachsen. Kritiker loben den Film als authentisch, er wird auf der Berlinale ausgezeichnet.

Ein paar Jahre später hat Mina Bowling also ihren eigenen Pizzaladen in der Selkestraße in Berlin-Neukölln - gemeinsam mit ihrem Freund. Sie ist für die Buchhaltung zuständig (deshalb der Aktenordner), ihr Freund steht hinter der Theke, so stand es in der »Körnerpost«, der lokalen Kiezzeitung (die mittlerweile eingestellt ist). Im Kiez rund um den Körnerpark war das »Nini e Pettirosso« lange der einzige Imbiss. Mittlerweile sind mehrere kleine Restaurants und viele Eisläden hinzugekommen, »Nini e Pettirosso« bleibt aber eine der besseren Anlaufstellen. Hier treffen sich Nachbarn, Freunde, Arbeitskollegen. Ob mit Nichten und Neffen oder den Eltern - die saftige, dicht belegte Pizza ist immer die richtige Wahl. Der Boden ist (nur manchmal fast zu) dünn, der Rand schön knusprig, der Teig gerade ausreichend gesalzen, die Tomatensauce fruchtig. Hier gibt es vegane Pizzastücke neben Klassikern wie Salami, Margherita und manchmal auch stinkenden Thunfisch. Jahrelang waren es die wohl günstigsten Pizzastücke innerhalb des S-Bahnrings, mittlerweile zahlt man auch hier 2,50 Euro.

Wer richtig essen möchte, bekommt hier auch Pasta oder Salatteller, und zum Nachtisch gibt es italienisches Gebäck, das zwar edel aussieht, mir aber zu süß und pampig ist. Lieber gehe ich nach der Pizza nach nebenan in die »Bar Amalia«, hier gibt es eine kleine Auswahl an Eis - kein fancy lila Ube-Eis oder Walnuss-Feige, sondern Vanille, Schokolade, Erdbeere, was der Mensch halt so braucht. Und wenn’s ein bisschen mehr sein soll, dann lohnt es, die Kuchen zu probieren. Die »Bar Amalia« gehört übrigens zum »Nini e Pettirosso«.

Ob Mina Bowling noch zum Team gehört, ist mir nicht bekannt. Ich habe sie nie wieder gesehen. Und nach Promis fragen, das macht man in Berlin nicht. Vor allem dann nicht, wenn sie selbst keine sein wollen.

Rosa - Dietz-Verlag

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