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Es schickt sich noch

Die handgeschriebene Urlaubskarte hat auch im Internetzeitalter bislang überlebt - ein Bericht aus Thüringen

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Erfurt. Früher war die Postkarte oft der einzige Urlaubsgruß. Inzwischen werden viele Fotos und Videos vom startenden Flugzeug über das Hotel bis hin zu Sehenswürdigkeiten und Essen via WhatsApp, Instagram oder Facebook breit gestreut. Ist da noch Platz für die gute alte Postkarte? In Thüringen etwa werden frühere Absatzzahlen zwar nicht überall erreicht, aber es gibt auch noch richtige Kassenschlager.

»Bei uns gehören Postkarten zu den Artikeln, die wir am meisten verkaufen«, erklärt etwa Susanne Rehme von der Erfurter Tourismus und Marketing Gesellschaft. »Am beliebtesten sind natürlich die Motive unserer berühmten Sehenswürdigkeiten«, sagt Rehme und verweist auf den Dom und die Krämerbrücke. Gut gingen aber auch Karten mit den Figuren des Kinderkanals, wie dem Sandmann, Pittiplatsch oder Maus und Elefant.

»Eine Karte ohne Domansicht ist schon schwerer zu verkaufen, als eine mit«, sagt Jörg Bley. Er arbeitet beim Verlag GraviPrint in Bad Salzungen. Postkarten nehmen in dem Lager des Unternehmens zig Quadratmeter ein. »600 verschiedene Ansichtskarten mit Motiven aus Thüringen gehören in unser Repertoire«, sagt Bley. Allein für die bei Touristen beliebten Städte Erfurt, Weimar und Eisenach gebe es je etwa 45 verschiedene Motive. Bley sagt aber auch: »Von der Postkarte allein kann schon lange niemand mehr leben.« Deshalb hat der Verlag nicht nur Karten im Angebot, sondern auch Kalender sowie Stadtführer und bedruckt Tassen oder andere Gegenstände.

Die Touristeninformationen beschränken sich natürlich nicht nur auf Postkarten. Aber: »Entgegen aller Meinungen und der Trends verkaufen wir an unsere Gäste in jedem Jahr eine Vielzahl an Postkarten«, berichtet etwa die Leiterin der Tourist-Information in Greiz, Corinna Zill. Jährlich gingen dort mehr als 2000 Postkarten über die Theke. Besonders beliebt seien Motive mit den drei Greizer Schlössern.

Gefragte Motive gehen laut Bley beim GraviPrint Verlag mit einer Auflage von 2000 Stück in den Druck. Etwa 400 000 Karten mit Thüringer Motiven habe der Verlag zuletzt insgesamt an Buchhändler, Touristeninformationen und andere Abnehmer verkauft. »Das ist etwa ein Drittel dessen, was noch vor 15 Jahren verkauft wurde.«

Auch in Jena gehen Postkarten immer noch über die Verkaufstheke der Touristikinformation. »Allerdings ist es schon etwas rückläufiger im Vergleich zu den Vorjahren«, sagt Alexandra Lärz von JenaKultur Tourismus. Franziska Bonsack von der Eisenach-Wartburg-Touristik erlebt das anders: »Der Absatz an Postkarten ist ungebrochen.« Auch in Zeiten von WhatsApp und Co. seien sie gewünscht. »Das beliebteste Postkartenmotiv von Eisenach ist sicher die Wartburg.«

In den schnell übers Smartphone verschickten Urlaubsfotos sieht Verlagsmitarbeiter Bley nicht das größte Problem für die Zukunft der Postkarte. Er glaubt, der Hauptgrund für die zurückgehenden Absatzzahlen liegt woanders: »In vielen gerade kleineren Orten gibt es kaum noch oder sogar gar keine Einzelhändler mehr, die unsere Postkarten überhaupt in ihr Programm nehmen könnten.«

Tendenziell werden gekaufte Postkarten nach Bleys Auffassung nicht mehr so oft verschickt, sondern eher als Souvenir mitgenommen. Diese Einschätzung teilt man auch in den meisten Touristeninformationen. »Sie werden auch gerne als Erinnerung für das Fotoalbum genommen«, sagt Franziska Bonsack von der Eisenach-Wartburg-Touristik.

Susanne Rehme in Erfurt schätzt sogar, dass nur etwa jeder Vierte eine Briefmarke zur Postkarte kaufe. Und auch in Weimar legt die Quote nahe, dass Postkarten tatsächlich noch verschickt werden: »Wir verkaufen jährlich circa 12 000 Postkarten, knapp 70 Prozent der Käufer erwerben dazu Briefmarken«, berichtet der Leiter der Tourist-Information Weimar, Jena Braun. Dort seien etwa das Goethe-Schiller-Denkmal oder Goethes Gartenhaus beliebte Motive.

Obwohl es der Postkarte also scheinbar gar nicht so schlecht geht, ist sich Verlagsmitarbeiter Bley sicher: »Ein Comeback der Postkarte ist nicht wirklich zu erwarten. Und selbst wenn: Auch das der Schallplatte ist ja eher etwas für Liebhaber.« dpa/nd

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