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Sperre für rechtsextremen Sprinter

Pascal Mancini ist für seine nationalistischen Einstellungen bekannt. Nun hat der Schweizer Verband reagiert

  • Von Marie Frank
  • Lesedauer: 3 Min.

»Die Medien wollen mich zerstören«, schreibt der Schweizer Sprinter Pascal Mancini am Dienstagabend auf seiner Facebook-Seite. Kurz zuvor hatte ihn der Schweizer Leichtathletikverband Swiss Athletics aus dem Aufgebot für die Leichtathletik-EM gestrichen, die vom 6. bis zum 12. August in Berlin stattfindet. »Sie werden es nie schaffen, das brennende Feuer der Wahrheit auszulöschen, das in mir brennt«, schreibt Mancini trotzig.

Der Mann, der sich hier als Opfer der »Machenschaften der Medien« inszeniert, ist Rechtsextremist. Bevor ihm sein Verband am Dienstagabend »mit sofortiger Wirkung« die Lizenz entzog, hatte der 29-Jährige auf seinem offiziellen Facebook-Profil Beiträge mit rechtsextremem Gedankengut verbreitet. Im vergangenen Jahr postete er zweimal Zitate eines gewissen Léon D., zuletzt am 15. Juni. Gemeint ist damit der belgische Faschist Léon Degrelle, SS-Offizier und nach dem Zweiten Weltkrieg prominenter Altnazi.

Damit habe Pascal Mancini sowohl gegen eine mit Swiss Athletics unterzeichnete Vereinbarung wie auch gegen den Verhaltenskodex des Verbandes verstoßen, teilte der Verband mit. »Der Zentralvorstand ist der Ansicht, dass die Verfehlungen des Athleten in Verbindung mit seiner bekannten Gesinnung nicht zu tolerieren sind.« Gegen den Sprinter vom FSG Estavayer wird nun ein Disziplinarverfahren eröffnet.

Es ist nicht das erste Verfahren gegen Mancini aufgrund rechtsextremer Äußerungen, der Schweizer Leichtathletikverband weiß seit Jahren um seine Gesinnung. »Seit 2014 wissen wir, dass Pascal Mancini in rechtsextremen, rassistischen und antisemitischen Kreisen verkehrt und mit ihnen sympathisiert«, sagte der Geschäftsführer von Swiss Athletics, Peter Bohnenblust, am Mittwoch im Gespräch mit »nd«. Nachdem Mancini 2014 bei den Schweizer Leichtathletikmeisterschaften den antisemitischen Quenelle-Gruß zeigte, gab es schon einmal ein Verfahren gegen ihn. Das endete jedoch lediglich mit einer Vereinbarung, in der sich Mancini verpflichtete, keine diskriminierenden oder rassistischen Beiträge im Zusammenhang mit der Leichtathletik zu veröffentlichen.

Trotz der Kenntnis von Mancinis Einstellung hatte ihn der Verband, der sich mit eigenen Worten »vorbehaltlos für einen fairen und respektvollen Sport einsetzt«, erst am Montag als Einzelstarter über 100 Meter für die Leichtathletik-EM nominiert. »Wir hatten keine Handhabe, dagegen vorzugehen«, rechtfertigt Bohnenblust die Entscheidung. Im Rahmen des vorigen Disziplinarverfahrens habe man eine Rüge vom Verbandsschiedsgericht erhalten, das der Ansicht war, Swiss Athletics sei nicht dafür zuständig, was Mancini als Privatperson mache. Der Verband könne erst dann sanktionierend eingreifen, wenn die Äußerungen in Zusammenhang mit der Schweizer Leichtathletik stünden.

»Mancini macht aus seiner rechtsextremen Einstellung keinen Hehl, er ist aber eine hochintelligente Person und macht sich einen Spaß daraus, zu provozieren und zu kokettieren«, so Bohnenblust. Da der Sprinter in diesem Fall die rechtsextremistischen Inhalte jedoch über seine offizielle Facebook-Athletenseite verbreitete und damit gegen die Vereinbarung verstieß, kann der Verband nun gegen ihn vorgehen. »Damit hat er die Grenzlinie, auf der er sich seit Längerem bewegt, überschritten«, so der Geschäftsführer.

Mancini selbst hat sich bislang hauptsächlich über soziale Medien geäußert sowie in einem Interview mit der »Neuen Zürcher Zeitung«. Er wähnt sich missverstanden und wittert eine Verschwörung. Fehler habe er keine gemacht. »Die Zitate von Léon Degrelle waren nicht politisch. Mir haben sie einfach gefallen. Ich wusste nicht, dass das ein SS-Führer und Nazi war«, sagte er der »NZZ«. Angesichts der Tatsache, dass auf Mancinis privater Facebook-Seite Videos und Beiträge von rechtsextremen Rednern und Portalen sowie faschistischen Gruppierungen zu finden sind, eine eher unwahrscheinliche Annahme. Seine mittlerweile gelöschte Youtube-Playlist mit Videos von Neonazi-Bands und Titeln wie »Auschwitz avec toi« findet Mancini »amüsant, weil sie so extrem sind.«

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