Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Deutschlands größtes Holzhaus entsteht

Wohnungsbaugenossenschaft Am Ostseeplatz baut innovativ und bezahlbar

Direkt an der Ringbahn, kurz hinter dem Bahnhof Wedding, entstehen Vorzeigebauten. Drei Wohnhäuser entstehen auf dem schmalen Streifen zwischen der Gleistrasse und der Lynarstraße in atemberaubendem Tempo. »Wir haben nur eine Woche für eine Etage gebraucht«, berichtet Architekt Felix Hiller vom Generalplaner Schäfferwenningerprojekt. Das gelang dank serieller Bauweise, die Bauelemente wurden vorgefertigt angeliefert und mussten nur noch verbunden werden.

Mit sieben Geschossen, 98 Wohneinheiten, vier Gewerbeeinheiten und einer Kita wird es Deutschlands größtes Holzhaus. Denn mit Ausnahme des Sockelgeschosses aus Beton besteht die gesamte Konstruktion aus Holz, sogar die Fahrstuhlschächte. Weil die Bauordnung zum Zeitpunkt der Beantragung das noch nicht hergab, musste sehr viel experimentell nachgewiesen werden.

Die Vorteile sind vielfältig. Neben den vermiedenen Kohlenstoffdioxid-Emissionen für die Herstellung klassischer Stein-Baustoffe lagern im verbauten Holz noch weitere 180 Tonnen CO2, hat Hiller ausgerechnet. »Außerdem produziert die Baustelle wesentlich weniger Staub und Lärm als mit herkömmlichen Methoden«, erklärt Hiller. Das steigert die Akzeptanz in der Nachbarschaft. Allerdings rechnet der Bauherr, die Wohnungsbaugenossenschaft Am Ostseeplatz mit Mehrkosten von fünf bis zehn Prozent. »Teilweise wird das aber durch die schnellere Fertigstellung wieder wettgemacht«, erklärt Hiller.

Immerhin hat Rot-Rot-Grün die Zeichen der Zeit erkannt und mit der im April novellierten Bauordnung Holzbau vereinfacht. »Damit wollen wir mehr Nachhaltigkeit in die Bautätigkeit und die Bauindustrie bringen«, sagt Andreas Otto, Stadtentwicklungsexperte der Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus.

Otto ist nicht auf der Baustelle, dafür Katrin Göring-Eckardt, Chefin der Grünen-Bundestagsfraktion. Sie ist nicht nur von der ökologischen, sondern auch von der sozialen Dimension des Projekts beeindruckt. Es gibt in dem Haus keine klassischen Einzelwohnungen, sondern sogenannte Wohncluster. Mehrere Wohneinheiten mit ein bis drei Zimmern und jeweils eigenem Bad und Miniküche teilen sich eine große Gemeinschaftsküche sowie einen weiteren Gemeinschaftsraum. Und das zu vergleichsweise günstigen Konditionen: Die geförderten Wohnungen kosten 6,50 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter, der frei finanzierte Teil 8,50 Euro.

Im November sollen die ersten Mieter einziehen. »Wir nehmen derzeit vorrangig Geflüchtete in die Bewerberliste auf«, erklärt Richard Schmitz, Vorstand der Genossenschaft. Eine der Clusterwohnungen wird als Wohngemeinschaft für Demenzkranke genutzt werden. In einem der Gewerberäume wiederum wird der Verein Berliner Obdachlosenhilfe einziehen und dort eine Küche sowie ein Nachtcafé betreiben. »Wir suchen noch Spender für den nötigen Fettabscheider«, sagt Schmitz.

Zunächst blickten die Anwohner skeptisch auf das Bauprojekt in der Lynarstraße. »Die dachten, dass dort wieder hochwertiges Eigentum entsteht«, sagt Schmitz. Seitdem die Wohnungsbaugenossenschaft auf dem Baugerüst über die Ziele und die geplanten Mieten informiert, ist die Stimmung freundlich. »Genossenschaften können in Gentrifizierungsgebieten stabilisierend wirken«, ist der Vorstand überzeugt. Wenn der Senat mehr Bauland bereitstellen würde, könnten die Genossenschaften den Wohnungsmangel entschärfen.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln