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Neuer

Der Torwart und Shampoo-Millionär hat in der Özil-Nationalstolz-Debatte gerade noch gefehlt, meint Leo Fischer

  • Von Leo Fischer
  • Lesedauer: 4 Min.

Was fehlte noch in der aktuellen Debatte? Wessen Stimme wurde noch nicht gehört? Richtig: die von Manuel Neuer. Gut zwei Wochen nach der Özil-Debatte, nachdem ein gutes Dutzend alter, wohlgeschmierter Fußballfunktionäre ihr dumpfes Gebrabbel in den Äther pusten und einhellig erklären durfte, dass so etwas wie Rassismus im DFB selbstverständlich ausgeschlossen sei, dass man überdies schon allein die Frage unziemlich und ungehörig finde, und überhaupt, wo kommen Sie eigentlich her - nachdem also schon diese ranzigen Gesellen über Wochen hinweg nahezu unwidersprochen ihre Ansichten ausbreiten konnten, kommt als wirklich allerletzter noch der jugendliche Kompanietrottel hinterhergerannt und gibt den lieben Herren Chefs noch einmal tüchtig recht. Da verkündet das Shampoo-Modell Neuer, nun sei es wichtig, »wieder die Spieler da zu haben, die auch wirklich stolz sind, für die deutsche Nationalmannschaft und alles dafür geben, für das eigene Land zu spielen, damit man wieder in die Erfolgsspur kommt«. Daran lag es nämlich: am fehlenden Nationalstolz.

Man muss sich nicht einmal für Fußball interessieren, um mitzukommen, wie sehr sich die Symbolsprache des Fußballmarketings verändert hat, wie schon der antirassistische Minimalkonsens vom Ende des 20. Jahrhunderts - die Betonung von Solidarität, Mannschaftsgeist, bunten Farben und »Du gehörst dazu« - mittlerweile vollständig abgelöst wurde zugunsten eines brutalen, neoliberalen Leistungsethos, bei dem die Zwänge und Hierarchien der Gesellschaft im Rahmen von Spiel und Sport nicht mal für den Moment aufgehoben werden dürfen, sondern in ihm sogar noch potenziert werden.

Zunächst war es der so inhumane wie peinliche Slogan »Best never rest«, mit dem man sich bei der WM bis auf die Knochen blamierte, jetzt soll man zusätzlich auch noch aufs »eigene Land« fixiert sein, das Özil - soviel müssen Neuers Texter gar nicht weiter andeuten - selbstverständlich schon per Nachnamen nicht repräsentieren kann. Özil war in dieser Logik sozusagen ein Agent - Saboteur einer feindlichen Nation, der einen eigentlich verdienten, per »Best never rest«-Autosuggestion quasi schon eingetüteten und vorherbestimmten Sieg hinterrücks torpedierte, vielleicht sogar absichtlich.

Man gibt sich nicht einmal mehr die Mühe für den in diesen Zusammenhängen üblichen paternalistischen Antirassismus und für den Teamspirit als Palliativ - »Egal wo er herkommt, Hauptsache er spielt gut« -, sondern die irgendwie ausländische Herkunft ist schon die eigentliche Belastung für den Teamspirit, die Gefahr für den Erfolg. Der Vorzeige-Deutsche Neuer ist damit endgültig zur Beatrix von Storch des Rasens geworden.

Dabei ist die Frage, wie diese Nation eigentlich noch stolzer auf sich werden kann, wenn es schon in der Haushaltsabteilung der großen Warenhäuser unmöglich geworden ist, auch nur eine Pfanne zu kaufen, die sich nicht gleich »Deutschland-Pfanne« oder dergleichen nennt; wenn Leute mit ins Gesicht geschmierten Nationalfarben, von denen man nicht weiß, ob sie zum Public Viewing oder zur Pegida-Demo wollen, nicht ausgelacht, sondern sogar noch von Passanten angefeuert werden. Mit Neuers Aussage ist dann immerhin auch ein Schlussstrich gezogen für die nun auch schon ein Jahrzehnt alte Debatte um den Partypatriotismus - es gab ihn schlicht nicht; es gab nie die harmlose Nationalbegeisterung, sondern es war immer schon klar, dass jemand wie Özil nicht mitgemeint ist, nie mitgemeint war.

Ja, in gewisser Weise ist dadurch wieder alles geklärt und in Ordnung: Oben ist wieder oben, unten wieder unten, und Fußball wieder der Sport der Nationalisten und Herrenmenschen. Es kommt halt durch die gestiegenen Werbezwänge noch eine dezidiert lachhafte Komponente dazu: »Im entscheidenden Augenblick bereit sein und sich von nichts aufhalten lassen, das ist die Message der neuen Kampagne mit meinem Partner Head and Shoulders«, schreibt Neuer gleichzeitig zu seinem nationalchauvinistischen Manifest auf Twitter, und da kommt wirklich alles zusammen: Kruppstahlhärte, Rassereinheit und Schuppenfreiheit als neue deutsche Tugenden. Es wäre eigentlich zum Lachen, wenn es nicht so traurig wäre. Wenn es nicht tatsächlich Leute gäbe, Hunderttausende gar, die das alles für bare Münze nehmen und den Schuppenmillionär Neuer sogar noch als Vorbild sehen.

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