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Der böse Seehofer

Der CSU-Chef zeigt sich in diesen Tagen dünnhäutig wie beißlustig

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»Jetzt steht also der böse Seehofer vor Ihnen.« Bei einem Wahlkampfauftritt im bayerischen Töging am Inn zeigte sich CSU-Chef Horst Seehofer am Donnerstagabend beißlustig. So beißlustig, wie sich Bären vor Zeiten im Bayerischen Wald gezeigt haben müssen, wenn sie eine Wunde davongetragen hatten. Seehofer erzählte denn auch von vielen Stichen und Hieben, die er in diesen Tagen zu verkraften hat. Und dünnhäutig zeigt er sich gegenüber den Angriffen. »Der Mörder, der Terrorist, der Rassist«, so werde er von seinen Kritikern genannt. »Aber meine Damen und Herren, genau diejenigen, die jeden Tag dafür eintreten, dass man in der Politik Anstand und Stil zu bewahren hat, überschütten mich mit Wörtern und Eigenschaften und Attributen, die weit unter der Gürtellinie liegen.«

Es ist freilich weniger die Stichhöhe, die Horst Seehofer, vor allem, seit er Bundesinnenminister ist, beschäftigen dürfte. Eher schon geht es um die Frage der Fallhöhe. Denn im Oktober steht die nächste bayerische Landtagswahl an, und aktuelle Umfragen lassen die machtverwöhnte CSU Schlimmes ahnen - eine Beteiligung der Grünen an der Regierung womöglich. Und auch die AfD, die gerade Seehofer mit seiner flüchtlingsfeindlichen Asylpolitik niederzuhalten versucht, befindet sich unverdrossen auf dem Vormarsch. Da wird es bald darum gehen, wer die Verantwortung für das Debakel trage.

Die im Festzelt versammelten Gäste Seehofers an diesem schwülen Abend waren allerdings mehrheitlich auf seiner Seite. Sie freuten sich über des ungebrochenen Populismus des CSU-Chefs und waren dankbar dafür, »dass er da ist und sich für uns einsetzt«, wie Besucher in die bereitgehaltenen Reportermikrofone hinein tremolierten. Sie finden ihren Seehofer gut, und es dürfte seiner Popolarität auch nicht schaden, dass er am gleichen Tag die Schirmherrschaft über den Deutschen Nachbarschaftspreis niedergelegt hatte, die er von seinem Amtsvorgänger, Thomas de Maizière (CDU), übernommen hatte. Der Berliner Verein »Moabit hilft« und der Kölner Verein »wielebenwir« hatten eine Nominierung für diesen Preis unter Verweis auf Seehofers Asylpolitik abgelehnt. Und der Vorsitzende der begleitenden Stiftung »nebenan.de«, Michael Vollmann, hatte sein Verständnis geäußert. Da nützte es auch nichts mehr, dass Vollmann nun sein Bedauern äußerte: »Den Rückzug Horst Seehofers halten wir für ein bedauernswertes Signal an die Zivilgesellschaft«, erklärte er gegenüber der Agentur epd.

Nicht mit Horst Seehofer! Vollmann habe ihm Toleranz, Mitmenschlichkeit und Offenheit abgesprochen, beklagte er sich. Was ihm in sozialen Netzwerken wiederum Kommentare wie »beleidigte Leberwurst« oder die Bemerkung eintrug, gegen solche Vorwürfe müsse er halt einfach tolerant und menschlich sein. Doch Seehofer gibt nicht auf. Den Gästen im Bierzelt kündigte er an, ab Ende August auch Twitter zu nutzen. Er sehe sich »dazu gezwungen«. Weil »manche Wahrheiten ich sonst nicht unter eine breitere Bevölkerung bekomme«. Er werde den Dienst aber in einem anderen Stil nutzen als Donald Trump.

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