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Arbeitsweg wird zur Stadtrundfahrt

Nahverkehr in Bremen

  • Von A. Cäcilie Bachmann
  • Lesedauer: 3 Min.

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Wird irgendwo ins öffentliche Leben investiert, muss an anderer Stelle zurückgefahren werden, so das Credo hansestädtischer Politik. Typisch bremisch in diesem Sinne kommen die dringend notwendigen Ausbaupläne des öffentlichen Nahverkehrs im neuen, extrem schnell wachsenden Stadtteil Überseestadt daher. Der Vorstand der Bremer Straßenbahn AG (BSAG) nutzt modernes Vokabular, wenn es um die Finanzierung der geplanten neuen Straßenbahnlinie in der Überseestadt geht. Die soll zum Teil darüber gesichert werden, dass »das Busnetz im Bereich Überseestadt optimiert« wird.

Die BSAG gehört zu über 99 Prozent der Stadt Bremen. Rund um die Überseestadt gibt es wochentags endlose Staus. Der Stadtteil im ehemaligen Hafengebiet entwickelt sich erst allmählich zu einem Wohnquartier. Vorrangig ist er ein Standort für Industrie und Gewerbe. Das führt zu besonders großem Pendelverkehr mit regelmäßigen Staus.

Dem will die BSAG ab kommendem Frühjahr mit 1200 zusätzlichen Abfahrten wochentags begegnen. Zum Konzept gehört neben der zusätzlichen Straßenbahnlinie ein komplett umgebautes Busnetz. Dessen großer Pluspunkt soll das Einflechten vieler Umsteigemöglichkeiten sein. Hierbei wurde aber ein Teil des Areals, der bisher vom Bremer Hauptbahnhof in der City per Bus in einer Viertelstunde zu erreichen war, abgehängt. Die Buslinie wird eine andere Strecke fahren. Die Linie, die dann vom Hauptbahnhof die Überseestadt bedient, wird durch mehrere Stadtteile führen, was einer Verdreifachung der Fahrtzeit entspricht. Es ist von »Stadtrundfahrt« die Rede, wenn Nutzer der aktuellen Schnelllinie über ihren Arbeitsweg im kommenden Frühjahr sprechen. Weiter wird befürchtet - weil alltäglich zu den Stoßzeiten alle Busse auch im Stau stecken - dass eine sehr viel längere Busstrecke sehr viel anfälliger ist, von einem Stau in den nächsten zu geraten.

Zwar soll die neue Straßenbahnlinie vom Hauptbahnhof in einer Viertelstunde in der Überseestadt sein, aber erschlossen wird mit ihr nur der südliche Teil des Geländes, in dem sehr viele Arbeitsplätze liegen. Die Fahrt in andere Gebiete, die jetzt schon gut angebunden sind, wird dann mit Umsteigen und längeren Fahrtzeiten verbunden sein.

Wobei selbst die Straßenbahnen, die zum Teil im eigenen Gleisbett fahren, nicht vor Autostaus gefeit sind, allein schon wegen der vielen Kreuzungen, die sie passieren müssen. Stehen hier Autos, dann stehen auch die Bahnen. Außerdem soll die neue Linie zum größten Teil die Gleisanlagen bestehender Linien mitnutzen. Da zu Stoßzeiten die Taktungen sehr kurz sind, könnte es sogar an Stellen, an denen die Bahnen ein eigenes Gleisbett haben, zu Staus kommen - zu Straßenbahnstaus.

Zudem ist geplant, das erste Stück Strecke vom Hauptbahnhof in Richtung Hafen mitten durch die City zu führen. Dabei müssten drei komplexe Kreuzungen mit Ampeln passiert werden. Diese Kreuzungen versinken aber auch jetzt schon - ohne die neue Straßenbahnlinie - täglich zur Hauptverkehrszeit im Stau.

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