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Atmosphärische Kehrtwende in Glasgow

Die gute Medaillenbilanz bei der EM hat die zuletzt dicke Luft bei den deutschen Schwimmern spürbar aufgelockert

  • Von Andreas Morbach, Glasgow
  • Lesedauer: 3 Min.

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Dauerhaft gute Laune zu haben, auch das kann anstrengend sein. Diese für sie ungewohnte Erfahrung machten die deutschen Schwimmer in den letzten sieben Tagen in Glasgow - für Henning Lambertz ein Luxusproblem: »Die Stimmung im Team war vom ersten Moment an sehr gut - komplett anders als bei der WM im letzten Jahr. Am Schluss hatten dann alle ein wenig Schwierigkeiten, den Akku noch mal voll zu bekommen«, beschreibt der Bundestrainer seine Eindrücke aus der Woche rund um den EM-Pool.

Die tollen Tage im Stadtteil Tollcross klangen am Donnerstagabend mit den letzten Endläufen (nach Redaktionsschluss) aus. Bereits vor dem finalen Abwasch hatten die deutschen Beckenspezialisten ihre Ausbeute von der Heim-EM 2014 um eine Medaille auf sieben gesteigert. Für den Abteilungsleiter Grund genug, wieder etwas optimistischer in die Zukunft zu blicken.

Die kontinentalen Titelkämpfe im meist bedeckten Glasgow haben die dicke Luft im DSV aufgelockert. Und wie auf Bestellung schien in Schottlands größter Stadt zum Abschied aus dem Pool die Sonne. Zur Abwechslung mal frei hatte bei dem schönen Wetter Florian Wellbrock. Während seine Freundin Sarah Köhler nach ihrem doppelten Medaillengewinn vom Dienstag noch im Finale über 400 Meter Freistil antrat, konnte sich der neue Spitzen-Wassermann der Nation bereits auf den gemeinsamen Start mit Köhler beim Teamwettbewerb im Freiwasser am Samstag einstimmen.

Ein zusätzliches Bonbon für das neue Traumpaar im Schwimmen, das zuvor erheblich zur milden Stimmung des Chefs beigetragen hatte. Allen voran der 20-Jährige Wellbrock: Die 1500 Meter Freistil gewann der gebürtige Bremer mit einer sensationell guten Zeit, über 800 Meter sicherte er sich auf der ungünstigen Bahn eins mit einem mutigen Auftritt Bronze. »Der Junge ist im Moment auf einem anderen Stern«, befand Lambertz und lobte den Langstreckenexperten in höchsten Tönen: »Was er über die 1500 Meter gemacht hat, kann ich selbst noch nicht richtig fassen. Das hebt alles aus den Angeln.«

Mit Blick auf die WM im nächsten Jahr und auf die Spiele in Tokio heißt das nach Ansicht des Bundestrainers schlicht und ergreifend: »Florian Wellbrock schwimmt auf absolutem Weltniveau.« Auch Sarah Köhler sei mit ihrer Zeit über die 30 Bahnen Kraul und - in Normalform - über 800 Meter sehr gut dabei. Ebenso wie Philip Heintz, zumindest im Prinzip. Mit seiner Qualifikationszeit über 200 Meter Lagen hätte der 27-jährige Heidelberger in Glasgow Gold geholt, fremdelte aber mit dem Druck, gewinnen zu müssen - und wurde nur Zweiter.

Stellen zum Nachjustieren gibt es also auch nach der atmosphärischen Kehrtwende auf der britischen Insel noch reichlich - der vierte Platz der WM-Zweiten Franziska Hentke über 200 Meter Schmetterling ist nur eine davon. Eine weitere, grundsätzlichere nennt Henning Lambertz: »Es ist immer noch so, dass es uns nicht leichtfällt, Qualifikationszeiten zu wiederholen - egal, ob der Abstand zwischen der erfolgten Qualifikation und dem Saisonhöhepunkt fünf, sieben oder zehn Wochen beträgt.«

An dem großzügig angelegten Zeitraum von vier Monaten, den er in diesem Jahr erstmals anbot, will der 47-Jährige trotzdem nicht drehen. »Da geht es unheimlich viel um Vertrauen, das man in die Trainer legt«, betont Lambertz, dem im Vorjahr aus der Ecke einiger Kollegen und durch Athleten wie Philip Heintz ein eisiger Wind ins Gesicht blies. Interne Streitigkeiten allerdings können sich die deutschen Schwimmer im Hinblick auf Olympia 2020 nicht erlauben. Schließlich weiß der Chefbundestrainer: »Vieles von dem, was hier für ein Finale gereicht hat, reicht gegen die Amerikaner, Australier, Japaner und Chinesen eben nicht.«

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