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Mit den Händen sehen

Elf Lichtenberger Wanderkarten wurden blinden- und sehbehindertengerecht überarbeitet

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Mithilfe einer besonderen Folie werden die Karten ertastbar.
Mithilfe einer besonderen Folie werden die Karten ertastbar.

Die Wanderkarten sind fast so groß wie ein Blatt DIN-A4-Papier, die beiden Seiten aus dicker Pappe, die an Kinderbücher erinnert. Aufgeklappt findet sich auf der linken Seite eine Legende, rechts die eigentliche Karte. Die Seiten sind mit einer besonderen Folie beschichtet, Wege, U-Bahnhöfe und Parkein- und -ausgänge sind durch kleine Erhebungen gekennzeichnet, damit blinde und sehbehinderte Menschen sie ertasten können.

Die insgesamt elf Karten mit Wanderrouten durch Lichtenberg - zum Beispiel am Malchower und Orankesee oder Touren durch Fennpfuhl und die Rummelsburger Bucht - existierten schon vorher, allerdings nur für Sehende. Der Träger Atina hat in einem zweijährigen Projekt eine blinden- und sehbehindertengerechte Version daraus gemacht.

»Dafür muss man sich erst mal auf die Bedürfnisse Sehbehinderter einlassen«, sagt Sarah Korup-Schulz, die für das Projekt verantwortlich ist. Eine große Herausforderung sei die Festlegung eines Layouts gewesen, insbesondere wenn es um die Gestaltung des sogenannten Braille-Textes geht, der Blindenschrift. Denn eine Seite »normal« gedruckter Schrift ergibt zwei Seiten Braille-Text.

Die Karten wurden deshalb auf wesentliche markante Punkte reduziert und die Farben kontrastreicher dargestellt. Ehrenamtliche blinde Menschen haben die taktile Beschichtung der Karten getestet. »Diese Menschen haben sehr sensible Fingerspitzen. Da können zu scharfe Kanten richtig wehtun«, berichtet Korup-Schulz. »Viele Angebote für Blinde sind inzwischen nur noch digital, hier hat man noch etwas in der Hand.«

Das Projekt, in dem die Karten hergestellt wurden, nennt sich »Taktile Orientierung Lichtenberg« und ist ein sogenanntes PEB-Projekt. »PEB« steht für Partnerschaft - Entwicklung - Beschäftigung und wird durch Mittel des Europäischen Sozialfonds und des Landes Berlin gefördert. »In Lichtenberg leben circa 2000 Bürgerinnen und Bürger mit Sehbeeinträchtigungen, für die ein selbstbestimmtes Leben nach wie vor nicht frei von Hindernissen ist«, sagt Bezirksbürgermeister Michael Grunst (LINKE).

Deshalb hat sich der Träger für die Förderung des Projekts beworben. Atina ist ein in Lichtenberg ansässiger Träger für Beschäftigungsmaßnahmen für »besonders arbeitsmarktferne Menschen«, wie Korup-Schulz es nennt. Diese Menschen haben es aus mehreren Gründen besonders schwer, einen Arbeitsplatz zu finden und zu halten. Ziel sei es, »die Chancen unserer Teilnehmer*innen für die Vermittlung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu erhöhen«, heißt es auf der Website von Atina.

An der Herstellung der taktilen Wanderkarten waren deshalb ebenfalls Menschen in Beschäftigungsmaßnahmen beteiligt. Im Jahr arbeiten rund 20 Personen an Projekten von Atina, sagt Korup-Schulz. Der Träger betreut unter anderem Kleiderkammern, soziale Küchen und ein Tiergehege.

Das Projekt »Taktile Orientierung Lichtenberg« befindet sich in der Schlussphase, es endet im September. Ab 1. Oktober werden die Wanderkarten in bezirklichen Einrichtungen erhältlich sein - jedoch nur als Leihgabe und nicht zum Kauf. Gegen eine Leihgebühr von zehn Euro können die Karten unter anderem im Rathaus Lichtenberg und ausgewählten Bürgerämtern ausgeborgt werden.

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