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Volkswagen gibt Flüchtlingen Jobs

In Brandenburg haben 3500 Geflüchtete eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 3 Min.

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Die Kollegen waren skeptisch, ob es eine gute Idee sei, Flüchtlinge als Lehrlinge einzustellen. Deshalb habe man zunächst nur drei jungen Männern eine Einstiegsqualifizierung angeboten, erzählt Andreas Klemm, Niederlassungsleiter der Volkswagen Original Teile Logistik GmbH. Man hätte es sich leichter machen und Flüchtlinge einfach nur als billige Hilfskräfte anheuern können. Doch heute betont Klemm zufrieden, er könne anderen Unternehmen die Einstiegsqualifizierung nur empfehlen.

Die Firma lagert auf ihrem Gelände Zum Röthepfuhl 1 in Ludwigsfelde (Teltow-Fläming) Ersatzteile für die Automarken VW, Audi, Skoda und Seat. Von dort werden die Teile an 700 Werkstätten in Ostdeutschland und Niedersachsen geliefert. 350 Beschäftigte zählt die Niederlassung, davon 300 im Lager und 50 in der Verwaltung.

Als der Standort 2006 eröffnet wurde, herrschte in Brandenburg noch Massenarbeitslosigkeit. »Wir brauchten das Arbeitsamt gar nicht«, sagt Klemm. Die Betrieb wurde einfach aufgemacht, und man hatte ratzfatz mehr Bewerber als Stellen. So war das damals in Ostdeutschland. Doch inzwischen hat Klemm Schwierigkeiten, den Personalbedarf der Niederlassung zu decken. Er sucht dringend Fachkräfte für Lagerlogistik.

Aber seine Untergebenen waren skeptisch, ob die Voraussetzungen von Flüchtlingen für den Job ausreichen. Doch die drei jungen Männer sprachen exzellent Deutsch, benahmen sich prima, und deswegen fragen jetzt die Teamleiter, ob sie nicht noch mehr Flüchtlinge bekommen können, sagt Klemm. Zwei der drei Männer aus der Einstiegsqualifizierung beginnen jetzt ihre ordentliche Ausbildung, einer hat sich anders entschieden und probiert es in einem anderen Betrieb.

Agham Almawlawi möchte gern auch nach der Ausbildung bleiben. Der 28-jährige Syrer bewohnt inzwischen eine kleine Wohnung in Luckenwalde und hat bei der sechsmonatigen Einstiegsqualifizierung in den Betrieb hineingerochen. Er wünscht sich hier eine Zukunft. »Positiv kann man sagen: Die Flüchtlinge fallen gar nicht weiter auf«, lobt Betriebsrat Mario Ueberschaer. Sein Betriebsratskollege Patrick Klaus erwähnt, dass auch etliche Polen bei der GmbH arbeiten. Die Belegschaft sei international.

Wer sieben oder acht Jahre hier ist, fließend Deutsch spricht und von seiner Arbeit leben kann, der sollte die deutsche Staatsbürgerschaft bekommen, findet Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD). »Es kann nicht sein, dass solche Menschen mit der täglichen Angst leben müssen, kurzfristig abgeschoben zu werden.« Wer einen Ausbildungsplatz hat, darf immerhin die Lehre beenden und anschließend noch zwei Jahre in dem Betrieb arbeiten. Doch das genüge noch nicht, meint Woidke. Aktuell sind in Brandenburg 3500 Flüchtlinge sozialversicherungspflichtig beschäftigt, so viele wie noch nie zuvor. Dabei gibt diese Statistik nur über Geflüchtete aus acht Staaten mit guter Bleibeperspektive Auskunft, darunter Afghanen, Syrer und Iraner. Flüchtlinge anderer Herkunft haben auch Arbeit, beispielsweise ein Bäcker aus Kamerun. Aber für die anderen Nationen sind die Zahlen niedrig.

»Blickt man zurück in den August 2015 - die Hochphase der Fluchtbewegungen - standen wir in Brandenburg bei rund 550 beschäftigten Geflüchteten, und es wurden Horrorszenarien gezeichnet«, erinnert Bernd Becking, Regionaldirektionschef der Arbeitsagentur. »Inzwischen arbeitet jeder Vierte.«

Nach Ansicht von DGB-Landesbezirkschef Christian Hoßbach normalisiert sich der »arbeitsmarktpolitische Umgang mit den Geflüchteten«. Hoßbach unterstreicht dabei: »Einer Spaltung des Arbeitsmarktes und einer Verdrängung von Flüchtlingen in Ausbeutung und Schwarzarbeit muss eine aktive Integrations- und Arbeitsmarktpolitik vorbeugen. Das ist ein Beitrag zum sozialen Zusammenhalt in Brandenburg.«

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