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1. FC Union feiert Punktgewinn in Köln

Fußballer freuen sich über das Unentschieden gegen den Aufstiegsfavoriten, Berliner Fans wurden angegriffen

  • Von Matthias Koch, Köln
  • Lesedauer: 3 Min.

Dirk Zingler hielt sich noch lange nach dem 1:1-Unentschieden beim 1. FC Köln im Innenraum des Müngersdorfer Stadions auf. Der Präsident des Zweitligisten 1. FC Union nahm erst auf der längst verwaisten Ersatzbank Platz, wo er sich intensiv mit seinem Handy beschäftigte. Vermutlich werden dort nach dem Punktgewinn beim großen Aufstiegsfavoriten mehrere Textnachrichten mit Glückwünschen aufgeschlagen sein. Im Anschluss gab es noch einen Smalltalk mit Jens Keller. Der ehemalige Union-Trainer, der erstmals seit seiner Entlassung im Dezember wieder live eine Partie seiner alten Mannschaft verfolgte, wurde von vielen alten Weggefährten sehr freundlich begrüßt.

Auch der aktuelle Union-Coach Urs Fischer hatte Grund zur Freude. »Ich bin mehr als zufrieden, wenn man einen Punkt aus Köln mitnimmt. Die Mannschaft hat über 90 Minuten ihre Arbeit sehr gut verrichtet«, sagte der Schweizer. »Dann wurde Köln stärker, die 1:0-Führung war aber eher glücklich. Für die zweite Halbzeit haben wir uns vorgenommen, am Plan festzuhalten. Das hat sich ausgezahlt.« Für Fischer ein mehr als verdienter Punktgewinn. Das Kölner Tor von Christian Clemens kurz vor der Pause hatte Angreifer Sebastian Andersson Mitte der zweiten Halbzeit vor 50 000 Besuchern wettgemacht.

Deshalb ging es nach dem Abpfiff allgemein sehr entspannt zu bei den Gästen, die die erste große Bewährungsprobe der Saison bestanden hatten. Die Mannschaft ließ sich ein paar Minuten von den rund 2000 mitgereisten Union-Fans feiern. Der gebürtige Kölner Marcel Hartel, der 45 Karten für Freunde und Verwandte besorgt hatte, besuchte auch seinen ganz persönlichen Fanblock. Kapitän Christopher Trimmel war von der gesamten Mannschaft begeistert, die sich nach der verkorksten Rückrunde unter Fischer-Vorgänger André Hofschneider vor allem im Abwehrbereich verbessern sollte. »Ich kann der Mannschaft nur gratulieren. Wir haben defensiv sehr gut gearbeitet. Jeder weiß, welche Qualität Köln hat«, meinte Trimmel.

Trainer Fischer wollte die Mannschaft im Vorfeld der Saison stabilisieren und tabellarisch mehr als den jüngsten achten Rang herausholen. Ob Union hinter solchen Vereinen wie Köln und dem HSV mithalten kann, ist für Fischer noch nicht klar. Es seien schließlich erst zwei Partien gespielt und Köln bleibe klarer Favorit. Aber die Fortschritte, die seine auch in Köln mit den vier Neuzugängen Rafal Gikiewicz, Ken Reichel, Manuel Schmiedebach und Andersson startende Elf machte, nimmt Fischer gern mit. »Mir gefiel, dass die Mannschaft über 90 Minuten leidenschaftlich gekämpft und sehr gut zugestellt hat. Im Vergleich zum ersten Spiel gegen Aue, hat sie sich die eine oder andere Torchance mehr erarbeitet. Von daher war es ein Schritt in die richtige Richtung«, erklärte Fischer. Den nächsten wollen die Köpenicker am Sonntag im DFB-Pokal beim Drittligisten FC Carl Zeiss Jena machen.

Diese Partie muss noch vor dem nächsten Höhepunkt in der Meisterschaft am 26. August gegen den aktuellen Tabellenführer FC St. Pauli bestritten werden. Der Hamburger Kiezklub ist als einzige Mannschaft der Liga noch verlustpunktfrei. Dass Union den Tabellenführer stürzen kann, steht für die Hauptstädter aber noch nicht im Vordergrund. »Erst einmal müssen wir in Jena im Pokal spielen. Dann schauen wir auf St. Pauli«, sagte Offensivmann Hartel. »Man weiß, dass im DFB-Pokal alles möglich ist. Da müssen wir auch voll konzentriert herangehen.«

Bis zum Transferende am 31. August kann sich im Union-Kader noch etwas tun. Profifußball-Geschäftsführer Oliver Ruhnert kündigte an, dass sich Union noch im Bereich Sturm beziehungsweise in der Offensive verstärken will. Ob der Kölner Simon Zoller zum Kandidatenkreis gehört, wollten beide Vereine nicht bestätigen. Unions Problem ist, dass Stürmerstar Sebastian Polter nach seinem Achillessehnenriss frühestens im Oktober wieder fit sein könnte. Bis dahin darf sich Andersson nicht verletzten, der in Köln als Einzelkämpfer in vorderster Front viel Lob bekam.

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