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Das Vergehen Korruption gibt’s bei der FIFA nicht mehr

Im neuen Ethikcode ist Korruption nicht mehr als strafbare Handlung genannt: Die Empörung ist groß

  • Von Florian Lütticke, Zürich
  • Lesedauer: 3 Min.

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Bestechung, Veruntreuung, Spielmanipulation, Urkundenfälschung - auf 58 Seiten listet die FIFA in ihrem überarbeiteten Ethik-Code Vergehen in der Welt des Fußballs auf. Korruption findet sich als expliziter Begriff nicht mehr in dem Dokument, das seit Sonntag den Strafrahmen für alle Verstöße festlegt.

»Die FIFA hat die Korruption offiziell ausgerottet. Alles, was es dazu brauchte, war nur, den Löschknopf zu drücken«, spottet die Nachrichtenagentur AP deshalb. Der Fußball-Weltverband verteidigt seine Änderungen daraufhin. Doch wie ist es 15 Monate nach der auf Geheiß von FIFA-Präsident Gianni Infantino betriebenen Ablösung der Ethikhüter mit dem deutschen Richter Hans-Joachim Eckert um den Kampf gegen Vorteilsnahme wirklich bestellt?

Der Wegfall des Worts Korruption habe »keinen maßgeblichen Einfluss auf die tatsächlichen Verstöße, die verfolgt werden«, beschwichtigte die FIFA in einer längeren Stellungnahme auf ihrer Internetseite. »Das gleiche Verhalten, das unter dem früheren Code strafbar war, ist es auch immer noch unter dem neuen.«

Der neue Ethikcode war am 10. Juni vom Council verabschiedet worden und ist am vergangenen Sonntag in Kraft getreten. Für Bestechung, die zuvor mit Korruption in einem Paragrafen zusammengefasst war, wird neuerdings eine Mindestsperre von fünf Jahren und eine Geldstrafe in Höhe von mindestens 100 000 Schweizer Franken festgesetzt.

Allerdings gibt es für die Vergehen »Bestechung, Veruntreuung von Geldern und Manipulation von Fußballsperren« nun auch eine Verjährungsfrist. Demnach können diese Verstöße nach zehn Jahren, beziehungsweise 15 Jahren, wenn bereits eine Untersuchung eröffnet wurde, nicht mehr verfolgt werden. Zuvor war die Bestrafung von Bestechung und Korruption ohne jede Frist möglich. Über diesen Plan hatte die »Welt« schon in der Vergangenheit berichtet.

Stattdessen führt die FIFA ein neues strafbares Vergehen in ihren Ethikcode ein: Verleumdung. Damit seien »falsche Informationen« gemeint, die rufschädigend sind, erläuterte der Weltverband. Schon kurz nach dem Ende der Amtszeit von Eckert und dem Schweizer Chef-Ermittler Cornel Borbely hatte Infantino bei einer Ansprache vor dem Kongress »viele Fake News und alternative Fakten« beklagt - ohne auf Nachfrage jedoch konkret zu werden.

Die Ethikkommission habe es als notwendig erachtet, einen solchen Paragrafen gegen Verleumdung aufzunehmen, heißt es. Und gerade diese neue Spitze wird von Experten kritisch gesehen. Der Münchner Jurist Eckert hatte das derzeitige Gremium bei der WM in Russland als »weniger als ein Feigenblatt« bezeichnet. Die neue Chefin der ermittelnden Ethikkammer, Maria Claudia Rojas aus Kolumbien, spreche »weder Englisch noch Französisch, sie sitzt in Südamerika und hat verschwiegen, dass sie mit dem ehemaligen Verbandspräsidenten Kolumbiens, Luis Bedoya, gut bekannt ist«, sagte Eckert dem »Handelsblatt«. »Den habe ich wegen Korruption lebenslang gesperrt.« Und in einem Bericht kritisierten auch Abgeordnete des Europarats die Berufung von Rojas. Diese habe nicht das Profil eines Strafverfolgers sagte die Luxemburgerin Anne Brasseur. Wie die Chef-Ethiker den neuen Code nun mit Leben füllen, wird auch über die Bewertung der von Infantino stets propagierten Imagekorrektur der FIFA entscheiden. dpa

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