Wer ist schuld an hohen Baukosten?

Immobilienverbände kritisieren Kommunen, die sich zu Unrecht am Pranger sehen

  • Von Alexander Sturm
  • Lesedauer: 3 Min.

Die Immobilienwirtschaft wirft Kommunen vor, Mittel für schnelles und günstiges Bauen nicht genug auszuschöpfen. Im Kampf gegen steigende Mieten in Großstädten werde von staatlicher Seite nicht genug getan, kritisiert der Zentrale Immobilien-Ausschuss (ZIA). Bauen sei in den vergangenen Jahren stetig teurer geworden, sagte ZIA-Präsident Andreas Mattner. Dabei gebe es viele Ins- trumente wie digitale Planungen, Konzeptvergaben für Grundstücke oder serielles länderübergreifendes Bauen. »Diese Angebote werden von zu wenigen Kommunen genutzt«.

Der ZIA, der mehr als 25 Verbände der Immobilienbranche vertritt, verweist für seine Kritik auf eine eigene Umfrage unter 5000 Befragten. Demnach sehen mehr als 80 Prozent der Bundesbürger steigende Bau- und Grundstückskosten als wesentlichen Grund für die Mietpreisanstiege in Metropolen. Nur das allgemein geringe Wohnangebot werde noch stärker für das immer teurere Wohnen in Großstädten verantwortlich gemacht (86,9 Prozent), heißt es in dem Papier.

Der Verband kritisiert den Bestand verschiedener Landesbauordnungen, die Verzögerungen und Kosten verursachten. Einmal genehmigte Bautypen sollten in allen Bundesländern anwendbar sein, um schnell in Serie bauen zu können. Zudem plädiert der ZIA für Konzeptvergaben. Dabei verzichten Kommunen bei der Vergabe von Grundstücken auf den maximal möglichen Preis und entscheiden nach Qualität des eingereichten Vorschlags von Projektentwicklern - etwa ökologische und energieeffiziente Kriterien oder Ideen für soziale gemischte Wohnquartiere.

Der Deutsche Städte- und Gemeindebund entgegnete, Konzeptvergaben, serielles Bauen und digitale Planungen würden von den Kommunen »vielfach aktiv genutzt«. Aber in erster Linie müssten Städte und Gemeinden bessere Möglichkeiten zur Mobilisierung von Bauland bekommen, meinte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg. Dazu seien Vereinfachungen im Planungs-, Bauordnungs- und Vergaberecht nötig. »Gefordert sind hier nicht die Kommunen, sondern Bund und Länder.« Landsberg plädierte für den Abbau der über 20 000 Bauvorschriften, die teils Kosten trieben. Es brauche Steueranreize, um Investitionen in den Wohnungsbau zu stärken. »Gegenseitige Schuldzuweisungen« schafften keine einzige neue Wohnung.

2017 kletterten die Preise für Neubauten und Renovierungen laut der Beratungsfirma EY Parthenon um gut drei Prozent - deutlich mehr als die Inflation. Ein Ende sei nicht absehbar, da die Preise für Material wie Zement kletterten und auch Personal teurer werde. Ein Mangel an Handwerkern, vor allem bei Meistern, bremse den Bauboom ebenfalls, schrieb jüngst die Förderbank KfW. Es gebe 653 000 genehmigte, aber nicht gebaute Wohnungen. Um den Wohnungsmangel in Deutschland zu beheben, sind nach Ansicht von Regierung und Immobilienbranche 350 000 bis 400 000 neue Wohnungen pro Jahr nötig. 2017 wurden aber nur knapp 285 000 fertig.

In den Bauämtern sei in den vergangenen Jahren viel Personal abgebaut worden, kritisiert ZIA-Präsident Mattner. Viele Kommunen seien mit den Herausforderungen im Immobilienboom überlastet.

Der Bedarf an neuen Wohnungen ist groß. Knapp 84 Prozent der Deutschen wünschten sich ein Eigenheim, anstatt Miete zu bezahlen, ergab eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey für »Spiegel Online«. Es planen aber nur 16 Prozent den Kauf einer Immobilie in den nächsten fünf Jahren. dpa/nd

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