Werbung

»Tatort«-Erfinder

Gunther Witte gestorben

Bei uns droht die ABOkalypse!

Wir brauchen zahlende Digitalleser/innen.

Unterstütze uns und überlasse die Informationsflanke nicht den Rechten!

Mach mit! Dein freiwilliger, regelmäßiger Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Die größte Erfindung von Gunther Witte gehört mittlerweile zu Deutschland wie Bier und Fußball - und sie ist an fast jedem Sonntag im Fernsehen zu sehen. Gunther Witte hat den »Tatort« erfunden, damals, 1969. Dass der Kommissar die Hauptfigur ist und es immer auch um ein gesellschaftliches Problem geht, war seine Idee. Nun ist der frühere WDR-Fernsehspielchef, der das deutsche Fernsehen veränderte wie kaum ein anderer, tot. Witte starb überraschend bereits am vergangenen Donnerstag (16. August) im Alter von 82 Jahren in Berlin, wie der WDR am Montag in Köln mitteilte.

Witte war 1963 beim WDR gelandet, zunächst als Redakteur und Dramaturg in der Abteilung Fernsehspiel, später wurde er ihr Leiter. Aufgewachsen war Witte, der 1935 in Riga (Lettland) zu Welt kam, in Berlin. Nach dem Studium der Theaterwissenschaften und einem Engagement in Karl-Marx-Stadt ging er in den Westen.

1969 bekam er als einfacher Redakteur den Auftrag, eine Krimiserie zu entwickeln. Obwohl Witte gar nicht als Krimiexperte galt, ahnte er schon, dass da etwas auf ihn zukommen könnte. »Damals war das ZDF ja noch ganz frisch und hat auf dem Gebiet der Unterhaltung unheimlich viel gemacht«, berichtete er. »Da mussten wir was dagegenhalten.« Aus einem eher hastig entwickelten Konzept wurde dann ein deutsches Kulturgut und ein Quotengarant. Im vergangenen Jahr schafften die Münsteraner Ermittler Thiel (Axel Prahl) und Boerne (Jan Josef Liefers) satte 14,6 Millionen Zuschauer - die höchste Zuschauerzahl seit 25 Jahren für einen »Tatort«.

Das Regionalprinzip der Reihe hat sich Witte ausgedacht: Die ARD-Sender schicken ihre eigenen Ermittler in den eigenen Städten im Sendegebiet los. Vor dem Start der »Tatort«-Ära war er allerdings auch nicht ganz sicher, ob das funktionieren kann. »Ich wusste ja, dass es nirgendwo auf der Welt eine Krimireihe mit zehn verschiedenen Kommissaren gab«, gestand er später. »Ich hatte ganz schön Muffensausen.« 1970 ging mit »Taxi nach Leipzig« der erste »Tatort« auf Sendung.

Von 1979 bis 1998 war Witte Leiter der Abteilung Fernsehspiel beim WDR. Auch an anderen bekannten Produktionen war er beteiligt, unter anderem an Volker Schlöndorffs »Die verlorene Ehre der Katharina Blum«. In seine Zeit als Fernsehspielchef fiel auch der Start der »Lindenstraße«. 2001 erhielt Witte den Grimme-Preis. Man tritt Gunther Witte allerdings nicht zu nahe, wenn man sagt, dass von seinem Schaffen vor allem der »Tatort« in Erinnerung bleiben wird. Er hatte wie viele andere Fans der Reihe übrigens auch einen Lieblingsermittler: Schimanski (Götz George). Noch im Ruhestand ärgerte ihn allerdings, dass er Regisseur Rainer Werner Fassbinder einst einen »Tatort« verweigert hatte. »Im Nachhinein muss ich wirklich sagen: Das war ein Fehler, und das tut mir leid.« dpa/nd

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

Noch kein Abo?

Jetzt kostenlos testen!

14 Tage das »nd« gratis und unverbindlich als App, digital oder gedruckt.

Kostenlos bestellen