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Lübecker Brücken sind voller Tücken

Sanierungsstau in der Stadt beträgt 88 Millionen Euro

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Nach dem Brückeneinsturz von Genua wird auch in Schleswig-Holstein über die Sicherheit von Brückenbauten debattiert. Dabei geht es nicht nur um die weithin bekannte Rader Hochbrücke, mit der die Autobahn 7 über den Nord-Ostsee-Kanal geführt wird, sondern auch um den maroden Zustand vieler Brückenkonstruktionen in Lübeck mit ihrer Altstadtinsel. Insgesamt 216 Brücken gibt es in der Hansestadt an der Trave.

In den vergangenen Jahren fehlte es an Geld für Instandsetzungen oder gar Brückenneubauten - immerhin ist die Stadt mit knapp 1,5 Milliarden Euro verschuldet. Der ADAC schlug bereits bei seinem Brückentest 2014 Alarm. Gleich drei Brücken in Lübeck wurde der Zustand »sehr mangelhaft« attestiert, und das waren aus Sicht der städtischen Bauverwaltung noch nicht einmal die problematischsten.

Nicht wenige der Lübecker Brücken sind über 100 Jahre alt. Sorgen bereiten aber auch Brückenquerungen aus den 1950er und 1960er Jahren, bei denen meist witterungsbedingter Materialverschleiß zu beklagen ist. Eigenen Prüfungsberichten zufolge beschreibt die Bauverwaltung den Zustand von 19 Straßenbrücken als »kritisch«, ein weiteres Drittel bekommt die Note »ausreichend«. Für mehrere Brücken im Stadtgebiet gelten Beschränkungen für den Lkw-Verkehr. Einige sind für Lkw schon ab 7,5 Tonnen Gewicht gesperrt.

Als Sofortmaßnahme hat die Stadt Ende vergangener Woche angeordnet, dass die Wielandbrücke, die über den Stadtgraben führt, gesperrt wird. Die Fußgänger- und Radquerung hat 14 Stützpfähle, von denen sich bei der jüngsten Sonderprüfung sieben als morsch herausgestellt haben. Dennoch gibt sich Lübecks neuer Bürgermeister Jan Lindenau (SPD) überzeugt, dass die Sicherheit auf den vielen Brücken der Stadt auch angesichts eines Sanierungsstaus von rund 88 Millionen Euro gewährleistet sei.

Eines der weiteren Sorgenkinder ist die Possehlbrücke. Weil der Beton bröckelte, wurde 2015 ein Neubau angegangen. Der sollte laut ursprünglicher Planung Anfang 2017 fertig sein, doch nach Streitigkeiten zwischen Stadt und Baufirma herrschte lange Zeit Stillstand. Inzwischen gab es in einem Schlichtungsverfahren eine Einigung, doch dafür muss die Stadt tief in die Tasche greifen und sechs Millionen Euro mehr ausgeben. Zudem muss die Brücke nun erst Ende 2019 fertig sein. Dieser Lösung muss formal noch die Bürgerschaft am 30. August zustimmen. Im Hauptausschuss haben Grüne und LINKE dagegen votiert.

Überfällig ist auch der Neubau der 1907 eingeweihten Bahnhofsbrücke, über die täglich an die 40 000 Fahrzeuge rollen. Zu viele Brückenbaustellen gleichzeitig würden die Stadt allerdings in ein Verkehrschaos stürzen, weshalb das Projekt Bahnhofsbrücke nun erst einmal bis 2021 zurückgestellt wurde, zumal alle Gleissperrungen bei der Deutschen Bahn mindestens drei Jahre im Voraus angemeldet werden müssen. Da der Zustand des Bauwerks jedoch ziemlich schlecht ist, sollen demnächst die Übergänge von der Straße zur Brücke ausgebessert werden. Kosten: 100 000 Euro

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