Werbung

Wiedersehen mit einem Schloss

Zum letzten Mal präsentiert sich das Humboldt-Forum am Wochenende als Baustelle

  • Von Tomas Morgenstern
  • Lesedauer: 4 Min.

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

»Ist es nicht wunderbar, dass wir heute den in seiner ganzen Schönheit wiedererstandenen Schlüterhof sehen können? Wir haben hier die wundervolle Kunst Schlüter’scher Architektur zurückgeholt.« Wilhelm von Boddien war ganz aus dem Häuschen, als er am Dienstag bei der Vorbesichtigung dieses wohl berühmtesten Innenhofs des einstigen Stadtschlosses mit seinen drei rekonstruierten Barockfassaden die Presse aufs Korn nahm.

Verspottet habe man ihn 1991, als die Idee vom Wiederaufbau des zerstörten Berliner Schlosses erste Gestalt annahm, als »Stadtschloss-Fälscher«, der ein Disneyland an der Spree errichten wolle. Dennoch dankte er den Journalisten, deren Kritik ihn, den Geschäftsführer des Fördervereins Berliner Schloss e. V. und seine Mitstreiter, in all den Jahren zu Höchstleistungen motiviert habe. Mit dem Stadtschloss sei ein bedeutendes Werk der Barockarchitektur zurückgekehrt, vielleicht das bedeutendste deutschlandweit. Jetzt, da mehr und mehr die historischen Fassaden sichtbar würden, habe auch Berlin das Schloss angenommen, kämen doch inzwischen mehr als 50 Prozent der Wiederaufbauspenden aus der Stadt. »Wer nicht hören will, muss sehen« - dieses Motto des Fördervereins habe sich bewahrheitet, so der Initiator des weltweit beachteten Prestigeprojekts.

Der Schlüterhof, der in den nächsten Tagen noch von Schwerlastgerüsten und Baugerät befreit wird, ist auch das Glanzlicht und der Mittelpunkt des Humboldt-Forums, wenn es sich am Wochenende den Berlinern und ihren Gästen noch einmal zu den Tagen der offenen Baustelle öffnet. Geschaffen hatte den kleinen Schlosshof einst, inspiriert vom italienischen Barock, der Architekt und Bildhauer Andreas Schlüter (1660-1714), nachdem er 1699 zum Schlossbaudirektor berufen worden war.

Ab Samstagmorgen können Besucher dann erstmals durch die neu entstandene Passage zwischen Lustgarten und Breite Straße in den dann fast vollständig »ausgerüsteten« Schlüterhof gelangen. Über die noch im Rohbau befindlichen Treppenaufgänge erhalten sie die Möglichkeit zu einem Rundgang durch die weiträumigen, noch leeren Ausstellungsräume im zweiten Obergeschoss oberhalb des Schlüterhofs - mit ungewöhnlichen Aussichten sowohl auf die Baustellen als auch auf die angrenzenden Straßen und Plätze. »Kieke, staune, wunder Dir!« Knapp zwei Tage Zeit haben Interessenten, diesem Motto der Gastgeber - neben der Stiftung Humboldt-Forum im Berliner Schloss auch der Förderverein Berliner Schloss e. V. zu folgen. Es ist für längere Zeit das letzte Mal.

»Wir haben zum letzten Mal zu Tagen der offenen Baustelle eingeladen«, sagte Hans-Dieter Hegner, Bauvorstand der Stiftung. Das Baugeschehen trete in seine letzte Phase. Der Abbau der Gerüste gebe mehr und mehr den Blick frei »auf die größte Barockfassade nördlich der Alpen«. Ein immer größerer Teil der Arbeiten verlagere sich nun in die Innenbereiche. Und er erinnerte daran, dass schon jetzt zahlreiche wertvolle Großexponate in hermetisch abgeschlossenen, klimatisierten Räumen des Humboldt-Forums lagerten.

»Der Baufortschritt wird für alle deutlich sichtbar sein und ich bin zuversichtlich, dass wir wie geplant ab Ende 2019 das Humboldt-Forum in Etappen eröffnen können«, so Hegner. Am Kuppeltambour sei bereits der letzte Stein in die Fassade eingefügt worden, die Kupfereindeckung der Kuppel werden in den kommenden Wochen beginnen. Und, nahezu unbemerkt, sei auch das nachträglich vom Bund bewilligte Dachterrassenrestaurant fertiggestellt worden.

Die noch ausstehenden Arbeiten bräuchten, da sie in eine Zeit der Hochkonjunktur im Bauwesen fielen, ein kluges Baumanagement und eine genaue Abstimmung aller am Bau Beteiligten. Die Intensität der Arbeiten auf der Baustelle werde noch zunehmen müssen, um eine sichere Inbetriebnahme zu ermöglichen und die Voraussetzung für den Einzug der Museen zu schaffen.

Der Bauvorstand versicherte, dass man beim Bau den bewilligten Kostenrahmen einhalten werde und auch im Zeitplan sei. Fördervereinschef Wilhelm von Boddien informierte, dass bislang Spenden in Höhe von 85 Millionen Euro eingesammelt habe. Man werde erst ruhen, wenn auch die derzeit noch ausstehenden 20 Millionen Euro beisammen sind. Hegner schloss mit den Worten: »Ich wünsche mir, dass die diesjährigen Tage der offenen Baustelle viele Menschen ermutigen, für dieses außergewöhnliche Projekt zu spenden.«

Die Baustelle öffnet am Sonnabend öffnet von 9 bis 14 Uhr. Die Lustgartenseite wird dann freigeräumt sein, die Schlossbauhütte erstmals Einblicke in ihre Arbeit bieten. Ab 12 Uhr wird der Schlüterhof für geschlossen, denn ab 16 Uhr beginnt dort das kartenpflichtige Benefizkonzert der Berliner Philharmoniker - mit Werken von Strauss und Beethovens 7. Sinfonie. Übertragen wird es zum »Public Viewing« in den Berliner Dom, der rbb sendet es ab 22.15 Uhr. Ab 20 Uhr ist das Schloss dann Ziel der Langen Nacht der Museen.

Am Sonntag bietet ein Rahmenprogramm Musik mit dem Swing Dance Orchestra von Andrej Hermlin, dem Staats- und Domchor Berlin, dem Knabenchor der UdK und den Humboldt Jazz Explorers, Info-Stände und ein Spender-Café.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

Noch kein Abo?

Jetzt kostenlos testen!

14 Tage das »nd« gratis und unverbindlich als App, digital oder gedruckt.

Kostenlos bestellen