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Rettung für das Leipziger Werk?

Im Arbeitskampf bei Neue Halberg Guss (NHG) deuten sich erste Zugeständnisse an

  • Von Hans-Gerd Öfinger
  • Lesedauer: 3 Min.

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Polizisten stehen an der Einfahrt des Leipziger Werkes der Neue Halberg-Guss, vor dem sich Beschäftigte der Gießerei zum Streik versammeln.
Polizisten stehen an der Einfahrt des Leipziger Werkes der Neue Halberg-Guss, vor dem sich Beschäftigte der Gießerei zum Streik versammeln.

Im monatelangen Tarifstreit zwischen der IG Metall und dem Autozulieferer Neue Halberg Guss (NHG) um die Zukunft der beiden Werke in Saarbrücken und Leipzig und einen Treuhandfonds sowie einen Sozialplan zur Abmilderung der Folgen eines möglichen Arbeitsplatzverlustes scheint jetzt eine Kehrtwende möglich. So sprach die Gewerkschaft nach einer neuen Runde in den zähen Schlichtungsverhandlungen am späten Mittwochnachmittag von einem »Ausloten möglicher Fortführungs- und Zukunftskonzepte mit dem Ziel, beide Standorte erhalten zu können«. Diese Wortwahl deutet darauf hin, dass die Schließung der Leipziger Gießerei mit derzeit rund 700 Beschäftigten nun doch nicht das letzte Wort der NHG-Geschäftsleitung sein könnte. In einem Interview mit der »Bild«-Zeitung hatte NHG-Chef Alexander Gerstung noch Anfang Juli erklärt: »Die Werksschließung Ende 2019 ist in Stein gemeißelt.« Davon scheint der Manager inzwischen abgerückt zu sein, zumindest verbal.

Allerdings bleibt es nach wie vor völlig offen, ob am Ende des Tauziehens hinter verschlossenen Türen das komplette Leipziger Werk mit allen Arbeitsplätzen und bisherigen Beschäftigungen erhalten bleibt und Entlassungen im Saarbrücker Werk verhindert werden. Beschäftigte und IG Metall hatten im Juni und Juli über sechs Wochen lang mit einem unbefristeten Streik die Produktion gelähmt und damit folgenreiche Lieferengpässe für die Fahrzeugindus-trie ausgelöst. So musste das Eisenacher Opelwerk im Juli die Betriebsferien vorziehen. Manager des direkt betroffenen Kölner Nutzfahrzeugeherstellers Deutz forderten Mitte Juli einen sofortigen Streikabbruch. »Setzen Sie diesem Wahnsinn ein Ende«, so ihr damaliger Appell.

Ende Juni setzte die IG Metall den Streik aus und konzentrierte sich auf die wenig später in Gang gekommenen Schlichtungsverhandlungen unter Leitung des ehemaligen Arbeitsrichters Lothar Jordan. Ihm bescheinigte Gerstung schon Mitte August, dass er »in alle Richtungen« verhandele und auch »über unorthodoxe Lösungsansätze« nachdenke.

Die IG Metall hatte immer wieder betont, dass der Streik nur unterbrochen sei und jederzeit wieder fortgesetzt werden könne. Dem Streikbeginn lag eine Urabstimmung der Gewerkschaftsmitglieder zugrunde, bei der in Saarbrücken knapp 94 Prozent und in Leipzig 98 Prozent für den Arbeitskampf stimmten. Dementsprechend müsste laut IG Metall-Satzung ein offizielles, reguläres Streikende erneut per Urabstimmung von den Mitgliedern beschlossen werden. Weitere Details über den Fortgang der Schlichtung wollte ein Gewerkschaftssprecher am Donnerstag gegenüber »nd« nicht nennen. Auch die NHG-Geschäftsführung wollte sich auf Anfrage nicht äußern.

Die Unterbrechung des Streiks und die Wiederaufnahme der Produktion haben viele NHG-Arbeiter nur murrend hingenommen. Schließlich hatte der Streik durch die Lieferprobleme eine unübersehbare Wirkung gezeigt und damit der Belegschaft ihre starke Position verdeutlicht. Zudem erfuhren die Streikenden zunehmend Solidarität aus anderen Betrieben und Gewerkschaften. Die Zeichen standen auf Eskalation. Wie wirksam die Streikaussetzung zugunsten der Schlichtungsverhandlung ist und was von den ursprünglichen Forderungen am Ende im Vertrag steht, muss sich zeigen.

Die traditionsreiche Gießerei NHG gehört der bosnischen Unternehmensgruppe Prevent. IG Metall und Belegschaft werfen dem Konzern vor, dass er gezielt Autozulieferer aufkaufe, mit Lieferboykotts bei Autokonzernen immense Preiserhöhungen durchdrücke, die Betriebe finanziell auspresse und sie dann auf dem Rücken der Beschäftigten schließe. Mit der Forderung nach einem Sozialvertrag zur Bildung einer Qualifizierungsgesellschaft und eines von der NHG zu finanzierenden treuhänderischen Fonds sollen die Folgen eines möglichen Arbeitsplatzverlustes für die Belegschaft abgefedert werden.

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