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Elbvertiefung vor dem Start

Umweltverbände behalten sich Klage vor und empfehlen alternativ eine Hafenkooperation

  • Von Hagen Jung
  • Lesedauer: 3 Min.

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Bug eines Containerfrachters vor der Hafeneinfahrt in Hamburg.
Bug eines Containerfrachters vor der Hafeneinfahrt in Hamburg.

So reizvoll das Wechselspiel zwischen Ebbe und Flut den Nordseeurlaubern erscheint, so sehr ist es all jenen Kapitänen ein Ärgernis, die schwerste Containerschiffe in die Elbmündung nach Hamburg steuern wollen, das Ziel aber nicht erreichen können, weil der Fluss nicht tief genug für die richtig dicken Pötte ist. Das wird sich nun ändern, freuten sich Befürworter der umstrittenen Elbvertiefung am Donnerstag, als der Senat der Hansestadt bekannt gab: Das Ausbuddeln der Flusssohle kann vorbereitet werden, juristische Hindernisse sind ausgeräumt, die baurechtliche Genehmigung liegt jetzt vor.

Das letzte Hindernis auf dem Weg zur Baggerstart war eine Pflanze: der immer seltener werdende, an der Elbe noch zu entdeckende Schierlings-wasserfenchel. Er könne durch die Vertiefung bedroht werden, hatte das Bundesverwaltungsgericht im Frühjahr 2017 festgestellt und angeordnet: Mit den Arbeiten am und im Fluss darf erst begonnen werden, wenn genügend Ausgleichsflächen für das streng geschützte Gewächs nachgewiesen werden. Das ist geschehen, der Fenchel kann auf einem Terrain im Osten Hamburgs weiterleben.

Aber nicht nur jene botanische Rarität hatten Kritiker der Elbvertiefung ins Feld geführt, sondern auch Sorgen um ihre Existenz. So befürchten Obstbauern in der Region »Altes Land«, über eine weiter ausgebaggerte Elbe könne Salzwasser aus der See in Anbaugebiete gelangen und die Ernten gefährden. Ebenfalls bedroht sei der Hochwasserschutz, befürchten Menschen in Hamburg und Niedersachsen. Eine tiefere Elbe werde dynamischer sein und bei hohen Wasserständen heftiger gegen die Deiche drücken als bislang.

Immerhin soll der Fluss von derzeit etwa 15 Meter auf bis zu 17 Metern »unter Seekartennull« ausgebaggert werden. Es ist die neunte Vertiefung seit 1818, als dreieinhalb Meter für die Schifffahrt noch ausreichten. Mit der Größe der Schiffe wuchs auch der Tiefgang, immer wieder war Baggern angesagt. Schließlich forderte der Zentralverband der Deutschen Seehafenbetriebe Ende 2000 die Vertiefung, die jetzt beginnen kann und Containerriesen mit bis zu 13,5 Metern Tiefgang bei Ebbe und bis zu 14,5 Metern bei Flut das Ansteuern der Hansestadt gestattet.

Zunächst müssen Fachleute noch untersuchen, ob Munition aus dem Zweiten Weltkrieg auf dem Grund des Flusses liegt und geborgen werden muss. Ebenfalls noch nicht geklärt ist, was das Gesamtprojekt Elbvertiefung kosten wird. War 2007 noch von rund 400 Millionen Euro die Rede, ist mittlerweile zu hören, das Ganze könne gut 1,3 Milliarden teuer werden.

Aus Sicht des Hamburger Senats ist das eine lohnenswerte Investition. Der Hafen sei ein wichtiges Drehkreuz für weltweite Warenströme und trage wesentlich zur wirtschaftlichen Stärke der Hansestadt bei, betonte deren Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD). Die Vertiefung werde den Hamburger Hafen international »deutlich wettbewerbsfähiger« machen, sagt der Politiker, denkt dabei womöglich an einen harten Konkurrenten, den JadeWeserPort in Wilhelmshaven, Deutschlands bislang einzigen Tiefseehafen.

An diesen denken auch die Umweltverbände BUND, NABU und WWF, die die Erlaubnis zur Elbvertiefung juristisch prüfen wollen. Womöglich gibt es erneut eine Klage. Die Organisationen empfehlen alternativ eine »Norddeutsche Hafenkooperation«. Diese sähe vor, dass Containerschiffe aus Übersee ihre Ladungen im JadeWeserPort auf kleinere Schiffe umladen, welche die Elbe auch ohne Vertiefung befahren können.

Die Kritiker des Vorhabens haben nun noch vier Wochen Zeit, juristisch gegen die baurechtliche Genehmigung vorzugehen. Der Industrieverband Hamburg (IVH) hofft, dass dies nicht geschehen wird. Die »Fahrrinnenanpassung«, so der offizielle Begriff für das Vorhaben, sei ein für die Region sehr wichtiges Großprojekt, und es sei an der Zeit, dieses » endlich baulich umzusetzen«. Es müsse ein Schlussstrich gezogen werden unter die jahrelangen Auseinandersetzungen, fordert IVH-Chef Matthias Boxberger.

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