Werbung

Komplimente sind keine Währung

Folge 139 der nd-Serie »Ostkurve«: Cottbus will mit Aufstiegshelden zum Klassenerhalt

  • Von Matthias Koch
  • Lesedauer: 4 Min.

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Cottbus. Fünf Tage lang hatte Energie Cottbus Zeit, das Trauma des Ausscheidens im DFB-Pokal zu verkraften. Am Montag mussten sich die Lausitzer in der ersten Runde dem Erstligisten SC Freiburg erst im Elfmeterschießen (3:5, 2:2 nach Verlängerung) beugen. Damit wiederholte sich das Cottbuser Dilemma dieses Wettbewerbs. Auch gegen den Hamburger SV 2014 und den VfB Stuttgart 2017 musste man sich Bundesligisten im Entscheidungsschießen geschlagen geben. »Wir können bei allem sportlichen Frust nicht weiterjammern. Wir waren auf Augenhöhe und wurden nicht belohnt. Energie Cottbus kann sich für die Komplimente nichts kaufen. Energie Cottbus braucht Geld, um die Infrastruktur und die Mannschaft weiterzuentwickeln«, sagt Trainer Claus-Dieter Wollitz vor dem nächsten Heimspiel an diesem Sonnabend gegen den SV Meppen.

Zwei Jahre nach dem bitteren Abstieg aus der 3. Liga ist Energie in diesem Sommer auf die Bühne des echten Profifußballs zurückgekehrt. Wollitz war und ist das Sprachrohr des Vereins, der zwischen 2000 und 2003 und von 2006 bis 2009 in der 1. Bundesliga spielte. Zumindest die 2. Bundesliga soll es in absehbarer Zeit wieder sein. Doch in der aktuellen Drittliga-Saison zählt für den Neuling erst mal nur das Drinbleiben. »Der Klassenerhalt beinhaltet auch, dass man Elfter werden darf. Der Ligaverbleib ist aber das einzig realistische Ziel. Wir wissen nicht, wie die Spieler in der 3. Liga klarkommen«, sagte Wollitz vor Saisonbeginn.

Mit sieben Zählern aus den ersten vier Spielen können die Lausitzer - die zwischenzeitlich sogar an der Tabellenspitze standen - mehr als zufrieden sein. Zu Hause gab es einen 3:0-Erfolg gegen Hansa Rostock und ein 2:2-Remis gegen Unterhaching nach 0:2-Rückstand. Auswärts stehen ein 2:0-Sieg beim SV Wehen Wiesbaden und eine 1:3-Niederlage in Würzburg zu Buche.

Zwei Serien in der Regionalliga waren mehr als hart. 2016/17 reichte es nur zum undankbaren zweiten Platz hinter dem FC Carl Zeiss Jena. In der vergangenen Saison konnte in der Nordoststaffel aber keiner mehr mit dem FCE mithalten. Es gab nur eine Niederlage. Die Jubelbilder nach den dramatischen Relegationsspielen um den Aufstieg gegen Weiche Flensburg (3:2, 0:0) dürften viele Fans noch vor Augen haben. Nach dem torlosen Rückspiel am 27. Mai fluteten viele der mehr als 20 000 Besucher den Rasen im Stadion der Freundschaft.

Die Energie-Spieler übergossen Trainer Wollitz bei der Pressekonferenz mit Sekt. Die Emotionen von vor drei Monaten schiebt Wollitz aber inzwischen beiseite. »Ganz ehrlich, bei mir war keine Euphorie vorhanden. Ich freue mich aber, wenn sie bei anderen da ist. So schön der Aufstieg war. Die nächste Phase hat gleich begonnen. Die 3. Liga ist nicht einfach«, sagt Wollitz. »Aus der 3. Liga sind wir vor zwei Jahren abgestiegen. Deswegen sind alle Antennen ausgefahren. Die Schwierigkeiten, die auf uns zukommen, sollte man auch bedenken.«

Cottbus kann nicht mit Geld um sich werfen. Konsolidierung heißt das Zauberwort, nachdem der Verein Ende 2016 noch kurz vor dem Finanzkollaps stand. Das Geschäftsjahr 2017 endete mit einem Überschuss von 1,1 Millionen Euro. In die kommende Saison geht Energie mit einem Gesamtetat von rund sieben Millionen Euro, die Hälfte davon ist für die Lizenzspieler vorgesehen. Damit gehört Cottbus bei weitem nicht zur Spitze.

Namhafte Neuverpflichtungen sucht man vergebens im Kader. Aktuell gibt es mit Stürmer Abdulkadir Beyazit (Babelsberg 03) und Defensivmann Daniel Stanese (VfR Aalen) nur zwei Zugänge. Die Aufstiegshelden müssen es also richten. »Die Mannschaft hat in den vergangenen beiden Jahren so gearbeitet, dass sie sich das verdient hat, in der 3. Liga spielen zu dürfen. Ob es am Ende reicht, werden wir sehen. Die Überzeugung und das Vertrauen sind da«, meint Wollitz.

Zur festen Achse sind der junge Torwart Avdo Spahic, Kapitän und Abwehrchef Marc Stein, die Mittelfeldspieler Tim Kruse, Maximilian Zimmer und Kevin Weidlich sowie Torjäger Streli Mamba zu zählen.

Letzterer äußert zwar immer wieder Wechselabsichten. Doch bis zu seinem Vertragsende 2019 will Energie ihn nicht ziehen lassen. Am Donnerstag verkündete der Verein auf seiner Homepage, dass Mamba unverkäuflich sei. »Es gab Angebote, die aus unserer Sicht aber nicht dem Marktwert und seinem Entwicklungspotenzial entsprechen. Wir brauchen Qualität. Energie Cottbus ist kein Selbstbedienungsladen«, stellt Wollitz klar.

Der Verein will auch außerhalb des Platzes eine Botschaft vermitteln. Die Stadt und ihr führender Fußballklub werden immer wieder mit rechter Gesinnung in Verbindung gebracht. Im April 2017 gab es diesbezüglich schlimme Vorfälle beim Meisterschaftsspiel in Babelsberg. Bei der Aufstiegsfeier nach dem Flensburg-Spiel im Mai verkleideten sich zudem vermeintliche Energie-Sympathisanten in der Innenstadt mit Ku-Klux-Klan-Masken. Und nun, beim Pokalspiel gegen Freiburg, brachte ein bislang unbekannter Fan den Verein erneut in Verruf, indem er sich sein Energie-Trikot mit dem Namen »SIEGHEILSON« beflocken ließ. Er wurde mehrfach von Zuschauern von hinten fotografiert. Die Ermittlungen des Staatsschutzes laufen. Der Verein bedauert, dass niemand am Spieltag die Polizei oder Ordner auf die Person aufmerksam gemacht habe. »Ein Vollidiot hat hier mit dem Trikot so eine Inszenierung. Und wer leidet wieder darunter: Der Verein, die Mannschaft, die Fans, die Region. Nur wegen eines Vollidioten«, ärgert sich Wollitz. »Wenn man den nicht herausfindet und sofort wegpackt, ist das eine Schande. Hier waren 15 245 fantastische Zuschauer und ein hirnrissiger Typ will uns so wehtun.«

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

9 Ausgaben für nur 9 €

Jetzt nd.DieWoche testen!

9 Samstage die Wochenendzeitung bequem frei Haus.

Hier bestellen