Werbung

Absurde Verrenkung

Ines Wallrodt über das Dienstjahr für Deutsche und Flüchtlinge

  • Von Ines Wallrodt
  • Lesedauer: 2 Min.

Es mag sein, dass Annegret Kramp-Karrenbauer den ganz Verbohrten in ihrer Partei nur eine vorsichtige Öffnung des Arbeitsmarkts für Geflüchtete schmackhaft machen will. Doch das verpflichtende Dienstjahr wird dadurch nicht besser. Man braucht es weder für alle jungen Menschen, noch für einzelne Gruppen. Die CDU-Generalsekretärin vermischt mit ihrem Vorschlag zwei Debatten: die um Einwanderung und die um Pflege, und unternimmt absurde Verrenkungen, nur um die naheliegendsten Antworten nicht geben zu müssen.

Wer menschenwürdige Pflege für Kranke und Alte absichern will, muss die Pflegeberufe aufwerten. Doch offenbar will die Union am Pflegenotstand nicht wirklich etwas ändern, es ist ihr schlicht zu teuer, weshalb sie lieber über einen Pflichtdienst diskutiert, der Menschen als billige Arbeitskräfte ausbeutet. Genauso wie Zivildienstleistende einst, deren Wegfall die Lücken im System erst sichtbar gemacht hat.

Und wer Integration voranbringen will, kann nicht zugleich Geflüchtete mit Job oder Ausbildungsplatz abschieben, wie es Unionspolitik ist. Er müsste reguläre Beschäftigung fördern und Abschlüsse unbürokratischer anerkennen. Integration erreicht man nicht über Zwangsdienste, Pflichtenkataloge und Bewährungsproben, was die einzige Sprache ist, die der Union bei Geflüchteten einfällt. Man erreicht sie mit Offenheit und Absicherung. Denn wer sich willkommen fühlt in einem Land, der richtet sich auch ein.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Als unabhängige linke Journalist*innen stellen wir unsere Artikel jeden Tag mehr als 25.000 digitalen Leser*innen bereit. Die meisten Artikel können Sie frei aufrufen, wir verzichten teilweise auf eine Bezahlschranke. Bereits jetzt zahlen 2.600 Digitalabonnent*innen und hunderte Online-Leser*innen.

Das ist gut, aber da geht noch mehr!

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen und noch besser zu werden! Jetzt mit wenigen Klicks beitragen!  

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!