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Und plötzlich war die Insel weg

Bezirksamt Treptow-Köpenick kündigt Konsequenzen für Jachthafenbesitzer an

  • Von Florian Brand
  • Lesedauer: 3 Min.

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Enten vor Insel in Bayern. In Berlin Treptow-Köpenick gibt es dagegen keine mehr.
Enten vor Insel in Bayern. In Berlin Treptow-Köpenick gibt es dagegen keine mehr.

Und plötzlich war die Insel weg. Ohne Baugenehmigung hat der Eigentümer einer Jachtanlage in Treptow-Köpenick eine mehrere hundert Quadratmeter große Insel wegbaggern lassen, offenbar um Platz für weitere Anlegestege zu schaffen. Der Investor und sein Hafenmeister hingegen argumentieren, dass die betreffende Insel seit längerem baufällig gewesen sei. Damit ist offenbar gemeint, dass die Böschung der Insel abrutschgefährdet war.

Laut Umwelt- und Naturschutzamt ist das Areal des Hafens ein Wasserschutzgebiet, es hätte demnach also nicht ohne vorherige Prüfung so einfach verändert werden dürfen. »Der Eigentümer hat hier Tatsachen geschaffen und selbstständig mit der Arbeit begonnen«, sagte der zuständige Bezirksstadtrat Bernd Geschanowski (AfD) am Mittwoch.

Doch unter seiner Verantwortung lief im Umgang mit der Jachtanlage in der Vergangenheit nicht alles nach Plan. So sei das Bezirksamt Treptow-Köpenick lange im Voraus über die baulichen Vorgänge informiert gewesen, hätte aber trotzdem nicht eingeschritten, heißt es.

Schmöckwitz Jachthafen noch mit Insel (Mitte)
Schmöckwitz Jachthafen noch mit Insel (Mitte)

Mitte Mai diesen Jahres hatte es etwa von einer Anwohnerinnen Hinweise an das Bezirksamt gegeben, wonach auf dem Gelände Baggerarbeiten stattfinden. Zudem seien Bäume gefällt worden. Eine in der Abteilung Umwelt des Bezirksamtes beschäftigte Bundesfreiwilligendienstleistende konnte vor Ort jedoch weder Bau- oder Bagger-, noch Rodungsarbeiten erkennen. Wenige Tage später meldete sich die Anwohnerin erneut beim Bezirksamt: Die Insel sei nun inklusive der Bäume vollständig vernichtet.

In einem weiteren Fall, von dem die »Berliner Zeitung« berichtete, hatte sich ein Anwohner bei der Umweltabteilung des Bezirksamtes gemeldet und diese ebenfalls über die Bauarbeiten in Kenntnis gesetzt. Statt einer Antwort aus der Behörde erhielt er jedoch eine E-Mail des Investors. Ein Vorfall, der mittlerweile zu einer Verwarnung durch die Berliner Datenschutzbeauftragte führte. »Das hätte so nicht passieren dürfen«, kommentierte Geschanowski.

Derzeit ruhen die Bauarbeiten im Hafen. Das Bezirksamt Treptow-Köpenick hat in einem Schreiben am Dienstag den Eigentümer aufgefordert, unverzüglich jegliche baulichen Maßnahmen an der Steganlage einzustellen und künftig zu unterlassen.

Für den Hafenmeister der Anlage ist das Ganze Schikane gegenüber dem Bauherren. Auf Anfrage des »nd« sagt er: »Die Insel war keine natürliche Insel, sondern eine tickende Zeitbombe.« Um Schaden für die gesamte Anlage abzuwenden, sei es nötig gewesen, die Insel unmittelbar zurückzubauen. Diese sei ohnehin lediglich aufgeschüttet worden, nachdem bei einem Unfall vor einigen Jahrzehnten ein Bagger in das Hafenbecken gestürzt sei. Die Fläche soll nun »effektiv genutzt« werden und für weitere Jachtanleger ausgebaut werden.

Im Bezirksamt ist man sich hingegen einig: Der entstandene Schaden muss beglichen werden. Gemeinsam mit der Senatsverwaltung für Umwelt werde derzeit geprüft, wie hoch der ökologische Wert der Insel gewesen ist. Anhand von Archivbildern werde man daher zunächst die Größe ermitteln und den Bauherren anschließend zur Kasse bitten. Denkbar sei etwa eine Wiederherstellung der Insel am bisherigen Ort, oder Renaturierungs- und Aufwertungsprojekte in anderen Wasserschutzgebieten.

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