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  • Champions League Qualifikation

Notorisches Scheitern

Red Bull Salzburg verpasst zum elften Mal die Champions League - mal wieder auf den allerletzten Metern

  • Von Oliver Kern
  • Lesedauer: 4 Min.

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Champions League Qualifikation: Notorisches Scheitern

»Naaa, i mog nimma!«, dürfte es manchem Salzburger Fußballfan am Mittwochabend über die Lippen gekommen sein, als die einst selbst ernannten Champions-League-Jäger einmal mehr die Qualifikation für Europas Königslasse verpasst hatten. Brausehersteller Red Bull hatte 2005 Austria Salzburg übernommen und dem Verein den eigenen Namen verpasst. Das Ziel ging aber von Anfang an über die Landesgrenzen hinaus. RB Salzburg sollte Champions League spielen - koste es, was es wolle! Doch nun endete auch der elfte Versuch in einer Schmach. Die Historie des Scheiterns.

In der ersten Saison nach dem Einstieg von Red Bull erreichten die Salzburger »nur« die Vizemeisterschaft, durften aber dennoch 2006 an der Qualifikation für die Königsklasse teilnehmen, da der AC Florenz wegen manipulierter Spiele ausgeschlossen wurde. Als Trainer wurde Giovanni Trapattoni verpflichtet, ihm zur Seite stand Lothar Matthäus. Doch Salzburg scheiterte am FC Valencia in der dritten Qualifikationsrunde. Ein eigenes Tor in der Nachspielzeit hätte gereicht, doch das schoss dann David Silva für die Spanier.

Immerhin: In der folgenden Saison wurde der österreichische Meistertitel gefeiert - und Matthäus entlassen. Auch das half aber nichts, RB schied erneut in der letzten Qualirunde aus. Diesmal war Schachtar Donezk besser, auch ein mit viel Geld gepudertes Legionärsteam. Nach dem Hinspiel und fünf Minuten des Rückspiels führten die Österreicher noch mit zwei Toren, bevor die Ukrainer dann noch drei selbst erzielten.

Den Trainerposten übernahm dann Huub Stevens. Ebenfalls aus der deutschen Bundesliga kommend, feierte der Belgier ähnliche Erfolge wie Trapattoni: er schied 2009 in der Qualifikation zur Champions League aus, auch in der letzten Runde, allerdings gegen Maccabi Haifa. Kein besonders starker Gegner, doch Hin- und Rückspiel gingen verloren. So langsam lief es nicht mehr nach Plan. Israelische Gegner lagen den Österreichern so gar nicht, denn schon ein Jahr später hieß Hapoel Tel Aviv der RB-Bezwinger - in der letzten noch zu überstehenden Qualifikationsrunde. Wieder schoss der Gegner in der Nachspielzeit jenes Tor, das auf der anderen Seite gefehlt hatte. Das durfte man dann schon ein Muster an Beständigkeit nennen.

Im Jahr 2011 verabschiedete sich der Klub offiziell vom unbedingten Ziel des Erreichens der Champions League. Schwesterverein RB Leipzig spielte mittlerweile in der nordostdeutschen Regionalliga und schien schon da die größeren Chancen auf die Königsklasse zu haben. 2012 verpflichtete Salzburg immerhin noch Trainer Roger Schmidt. Der hatte zwar noch keine Bundesligaerfahrung, kam aber auch aus Deutschland. Zusätzlich wurde Ralf Rangnick als Sportdirektor (für Salzburg und Leipzig zuständig) angestellt. Und das brachte doch tatsächlich eine Änderung: RB Salzburg schied noch früher aus, in der zweiten Qualifikationsrunde gegen die luxemburgischen Halbprofis von F91 Düdelingen. RB drehte zwar mit zwei Toren das Rückspiel in den letzten zehn Minuten, doch am Ende fehlte wieder eins. Der Tiefpunkt war erreicht.

Ein Jahr später ging es merklich bergauf. Das Quali-Aus kam erst wieder in der 3. Runde - diesmal gegen Fenerbahçe Istanbul. Auch gegen die Türken lag man nach 100 Gesamtminuten vorn, kassierte dann aber noch drei Treffer. Mit Adi Hütter durfte ab 2014 endlich mal ein Österreicher als Trainer ran, doch - man ahnt es - auf Stufe drei war Schwedens Meister Malmö FF besser. Für den schoss übrigens Emil Forsberg ein wichtiges Tor, ein halbes Jahr danach wechselte er zu RB Leipzig. 2015 scheiterte Salzburg am selben Gegner nach einem 2:0-Hinspielsieg.

Seit damals ist Red Bull offiziell nicht mehr Eigentümer, sondern nur noch Hauptsponsor. Ein notwendiger Schritt, da sonst RB Leipzig wohl nicht Champions League hätte spielen dürfen. Das schafften die Sachsen übrigens 2017, gerade als Salzburg gegen NK Rijeka ausgeschieden und im Jahr zuvor (in den abschließenden Playoffs) an Dinamo Zagreb gescheitert war. Zwei späte Gegentreffer in Hin- und Rückspiel, dazu einer in der Verlängerung. Gegen Kroaten läuft es offenbar auch nie so gut.

Was uns in den August 2018 bringt: Nach drei Halbzeiten gegen Roter Stern Belgrad steht es 2:0 für die Salzburger, doch binnen 70 Sekunden kassieren sie zwei Treffer - Pleite Nummer elf, zum dritten Mal wegen der Auswärtstorregel. »In der Kabine sitzen Leute, die nicht auf dem Platz standen und trotzdem weinen«, berichtet Trainer Marco Rose, während Sportdirektor Christoph Freund schon weiß, was er sich nun ein weiteres Jahr lang anhören muss: »Natürlich sind wir wieder die Blöden, wie in den vergangenen Jahren.«

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