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  • Berlin
  • Ausbildung von Quereinsteigern

Nicht Lehrer zweiter Klasse

Quereinsteiger fordern in einem offenen Brief Verbesserungen in ihrer Ausbildung

  • Von Jérôme Lombard
  • Lesedauer: 3 Min.

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Mehr Wertschätzung für ihre Arbeit und Qualitätsverbesserungen in der Ausbildung: Das fordern in der Erziehungsgewerkschaft GEW organisierte Berliner Quereinsteiger in einem offenen Brief an Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD).

»Wir brauchen eine grundlegende Verbesserung des Quereinstiegs, um adäquat auf die Berufspraxis vorbereitet zu werden«, sagt Frieder Euteneuer. Der 31-Jährige unterrichtet seit einem Jahr als Quereinsteiger in den Pädagogenberuf an einer Brennpunktschule in Mitte. Stellvertretend für seine Kollegen hat der engagierte Gewerkschafter den Brandbrief an die Bildungssenatorin abgeschickt.

»So, wie die Quereinsteiger-Ausbildung derzeit organisiert ist, kann es einfach nicht funktionieren«, sagt Euteneuer. Konkret kritisiert er die Weiterbildungsstudiengänge für Lehramtsfächer am Studienzentrum für Erziehung, Pädagogik und Schule sowie an der Freien Universität. Diese vom Senat finanzierten Ausbildungsgänge seien nicht transparent genug gestaltet, wie Euteneuer meint. Inhaltlich gingen sie an den Anforderungen einer hochwertigen Lehrerausbildung vorbei.

»Es ist auch überhaupt nicht klar, ob wir nach dem Abschluss ein Zertifikat bekommen oder das Ganze nur als senatsinterne Fortbildung gilt«, sagt Euteneuer. Er selber studiert derzeit in einem zweijährigen Weiterbildungsstudium Mathematik. Den Status eines Studenten hat Euteneuer dabei aber nicht. Eine offizielle Immatrikulation an einer Universität liegt ebenfalls nicht vor. Genauso wenig wie ein Curriculum für seinen Studiengang oder eine verbindliche Prüfungsordnung.

»Wir nutzen Inhalte aus dem Lehramtsstudium, werden von einem Universitätsdozenten unterrichtet, sind offiziell aber gar keine Studenten. Hier stimmt doch was nicht«, kritisiert Euteneuer, der vor seinem Berufswechsel als Softwareentwickler in der IT-Branche gearbeitet hat.

Die Unterzeichner des Brandbriefs fordern mehr Klarheit bei ihrer Ausbildung. Klarheit über die Regularien, die zum Abschluss führen sowie Klarheit über ihren Status als berufsbegleitend Studierende. Auch die Einsetzung eines wissenschaftlichen Beirats sowie einer Prüfungskommission müsste es geben, fordern die Quereinstiger. Zudem sollte es einen Anspruch auf zwei Wiederholungsprüfungen geben. So ist es jedenfalls bundesweit an den meisten Universitäten gängige Praxis.

»Wir begrüßen die vom Abgeordnetenhaus beschlossenen Maßnahmen zur Verbesserung der Qualität des Quereinstiegs, müssen aber leider feststellen, dass deren Umsetzung durch die Senatsverwaltung offenbar nur halbherzig erfolgt«, sagt Euteuner. In allen verschiedenen Phasen des Quereinstiegs bestünden derzeit diverse Mängel. »Wir müssen diese Probleme jetzt ansprechen, damit nachfolgende Generationen es besser haben«, sagt Euteneuer.

Quereinsteiger als Lehrer sind in Berlin schon seit Längerem ein heiß diskutiertes Thema. Viele Eltern fürchten, dass durch Quereinsteiger, die keine volle Pädagogikausbildung haben, die Qualität der Bildung sinkt. Zum neuen Schuljahr, das in der vergangenen Woche begonnen hat, wurden erstmals mehr Quereinsteiger neu eingestellt, als regulär ausgebildete Lehrkräfte. Nur ein Drittel der 2700 neu eingestellten Pädagogen hat ein entsprechendes Hochschulstudium absolviert. Viele sind Quereinsteiger oder sogenannte Lehrer ohne volle Lehrbefähigung. Diese haben zwar zumeist einen Bachelor- oder Masterabschluss, aber kein Lehramtsstudium absolviert und auch kein Fach studiert, dass für gewöhnlich an Berliner Schulen unterrichtet wird.

Der engagierte Quereinsteiger Euteneuer bereut seine Entscheidung für den zweiten Bildungsweg nicht. »Ich habe mich bewusst für den Quereinstieg entschieden.« Sein vorheriger Job sei keineswegs schlecht gewesen. Er habe gutes Geld verdient. »Ein Beruf, bei dem ich den ganzen Tag am Computer sitze, war nur einfach nichts für mich.« Der Quereinstieg sei für viele Akademiker eine Chance. »Damit es gelingt, muss der Senat für den richtigen Rahmen sorgen.«

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