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  • Berlin
  • Hilfsorganisation Barka

Polen hilft Obdachlosen mit Rückkehrprogramm

Erfahrenes Team aus dem Nachbarland soll Landsleute unterstützen, die in der Hauptstadt auf der Straße leben

  • Von Ulrike von Leszczynski
  • Lesedauer: 3 Min.

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Obdachloser auf einer Bank im Tiergarten
Obdachloser auf einer Bank im Tiergarten

Für polnische Obdachlose in Berlin gibt es ab Anfang September Hilfe aus dem eigenen Land. Ein polnischer Sozialarbeiter und ein ehemals von Obdachlosigkeit betroffener Pole seien als Team gemeinsam auf der Straße unterwegs, kündigte der polnische Botschaftsrat Marcin Jakubowski an. Ziel sei es, polnische Obdachlose in der Hauptstadt zur Rückkehr in ihre Heimat zu motivieren.

Das polnische Team gehört zur Hilfsorganisation Barka, die unter anderem mit der Berliner Stadtmission kooperieren will. Barka habe in Polen und im Ausland bereits lange Erfahrungen mit Obdachlosenarbeit, berichtete Jakubowski. Rund 10 000 Polen aus Irland, Großbritannien und den Niederlanden hätten das Rückkehr-Angebot in ihre Heimat bisher angenommen. »Damit löst sich noch nicht das ganze Problem Obdachlosigkeit. Aber es ist ein Versuch, eine Antwort darauf zu finden«, sagte Jakubowski.

Für Berlin schätzt er die Zahl der polnischen Obdachlosen je nach Jahreszeit auf 1000 bis 1500. In deutschen Städten sei das die höchste Zahl. »Berlin hat sich entschlossen, das Thema Obdachlosigkeit anzugehen. Das finde ich gut«, sagte der Botschaftsrat. Anträge auf Gelder aus Polen für Berlin liefen bereits seit 2017. Die Bewilligung brauche aber immer Zeit. Die Arbeit von Barka in Berlin finanziert Polen nun bis Ende des Jahres mit umgerechnet 70 000 Euro. »Wenn es gut anläuft, hoffen wir, dass es weitergehen kann«, sagte Jakubowski. Die Anträge für die Finanzierung müssten jedes Jahr neu gestellt werden. In Berlin sei die Botschaft auf der Suche nach Kooperationspartnern. Es habe bereits Gespräche mit den Bezirken Mitte und Tempelhof-Schöneberg gegeben. Verabredet seien im September Treffen mit dem Sozialsenat und dem Bezirk Neukölln. »Damit man sich kennt«, sagte der Botschaftsrat. »Die Berliner Behörden wissen, was zu erwarten ist.«

Im Sozialsenat ist Sprecherin Regina Kneiding allerdings verwundert, weil es dort erst am 10. September ein Gespräch geben soll. »Wir wissen bisher noch nicht, wie Barka arbeitet«, sagt sie. Sie hätte sich deshalb einen Start des Projekts erst nach diesem Gespräch gewünscht. Grundsätzlich begrüßt ihre Behörde aber das Hilfsangebot aus dem Nachbarland.

Bei der Stadtmission ist schon einiges klarer. »Ein bisher ehrenamtlicher Mitarbeiter aus der Notübernachtung in unserer Traglufthalle, der polnisch spricht, wird mit Barka zusammen unterwegs sein«, berichtet Ortrud Wohlwend, die Sprecherin der Berliner Stadtmission. »Er kennt die Menschen, die zu uns kommen und hat ihr Vertrauen.« Die Stadtmission kenne die Organisation Barka bereits aus Szczecin. Auch früher schon seien polnische Obdachlose auf eigenen Wunsch von der Stadtmission nach Stettin gefahren worden, um Perspektiven im eigenen Land zu finden. »Von daher sind wir froh, dass es der Verein Barka ist, der nun nach Berlin kommt.« Die Zusammenarbeit aber werde Neuland für alle. »Wir haben den Hut auf«, betont Wohlwend. Es gehe darum, polnischen Obdachlosen in Würde neue Möglichkeiten aufzuzeigen. Die Stadtmission lege zum Beispiel Wert darauf, dass mit Menschen auf Augenhöhe gesprochen werde - und dass Entscheidungen immer nur freiwillig gefällt werden. Das erfordere Fingerspitzengefühl.

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Nach den bisherigen Erfahrungen der Stadtmission sind Polen mit Abstand die größte Gruppe unter Berlins Obdachlosen aus dem Ausland. Wohlwend schätzt, dass rund 20 Prozent von ihnen auf dem Berliner Arbeitsmarkt gescheitert sind - sie wurden zum Beispiel um ihren Lohn geprellt oder unter falschen Voraussetzungen angeworben. »Diese Menschen haben keine Lobby. Und bei Gewalt gegen sie gehen sie fast nie zur Polizei.« 80 Prozent der polnischen Obdachlosen in Berlin aber hatten nach den Erfahrungen der Stadtmission bereits in ihrer Heimat Probleme und seien ins geringere Übel geflüchtet: das Berliner Hilfesystem. dpa

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