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Kalkuliert politisch

Dass Nike mit Colin Kaepernick wirbt, ist nicht mutig, denn der Weg ins Politische kann für große Marken in den USA profitabel sein.

  • Von Oliver Kern
  • Lesedauer: 2 Min.

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Da spielte er noch für das NFL-Team aus San Francisco: 49ers Footballspieler Colin Kaepernick kniet 2016 während der US-Nationalhymne vor einem NFL-Spiel
Da spielte er noch für das NFL-Team aus San Francisco: 49ers Footballspieler Colin Kaepernick kniet 2016 während der US-Nationalhymne vor einem NFL-Spiel

Dass Nike mit Colin Kaepernick Werbung macht und damit ein eindeutiges politisches Zeichen setzt, ist ein bemerkenswerter Schritt. Besonders mutig ist er dennoch nicht, denn der Weg ins Politische kann für große Marken in den USA mittlerweile durchaus profitabel sein. Das Land ist zerstritten zwischen konservativ und linksliberal. Dazwischen ist kaum noch Platz. Jeder muss sich irgendwann äußern, auf welcher Seite er steht. Warum nicht Kapital daraus schlagen?

Ja, derzeit füllen Hassvideos von Trump-Anhängern das Internet, und der Börsenwert fiel um drei Prozent. Nike kann das verkraften. Das Geld für die brennenden Schuhe haben sie ja schon. Andererseits sind diese Videos für Kapernick-Anhänger und Trump-Gegner eher ein neuer Kaufanreiz. Stelle sich das mal einer vor: Man kauft sich teure Schuhe und outet sich damit als links. Verrückte Zeiten.

Je nachdem wie viele Menschen so handeln, dürfte der Börsenkurs schnell wieder ansteigen. So unwahrscheinlich ist das nicht, denn nach neuesten Umfragen finden nur 40 Prozent der Amerikaner, dass US-Präsident Trump seinen Job gut macht. 54 Prozent sehen das nicht so, viele verabscheuen ihn zutiefst. Mit der Mehrheit zu gehen, ist ökonomisch gesehen nie falsch. Und wenn es dann auch noch politisch die richtige Entscheidung ist, darf sie auch mal gelobt werden.

Das allerwichtigste für Nike ist jedoch, dass der Sportartikelhersteller schon im März seinen exklusiven Ausrüstervertrag mit der NFL um zehn Jahre verlängert hat - angeblich für 1,1 Milliarden US-Dollar! Die NBA-Basketballer, (und bald die MLB-Baseballer) werden ebenfalls nur von Nike angezogen. Wollen Fans also ein Trikot ihres Lieblingsvereins kaufen, müssen sie sich eins von Nike anschaffen. Und wenn Trump nächstes Jahr wie üblich vom NFL-Meister im Weißen Haus ein Ehrentrikot überreicht bekommt, wird es eins von Nike sein. Colin Kaepernick hat dann vermutlich noch immer keinen neuen Klub gefunden. Geldsorgen dürfte er aber erst mal keine haben.

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