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Der Rote Mai

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Anfang Mai 2006 waren die Augen Mexikos auf San Salvador Atenco gerichtet. Keine Fernsehstation, die nicht über den kleinen Ort im Estado de México berichtet, kein Politiker, der sich nicht zu den Auseinandersetzungen äußerte. Der seit Jahren schwelende Konflikt zwischen der Regierung und der in Frente de Pueblos en Defensa de la Tierra (FPDT) organisierten Flughafengegner entlud sich vom 2. bis zum 4. Mai in gewalttätigen Auseinandersetzungen und der letztendlich militärisch durchgeführten Einnahme der kleinen Stadt durch Polizei und Streitkräfte.

Begonnen hatte der Konflikte mit der Vertreibung von Straßenverkäufern im Nahe gelegenen Texcoco. Die FPDT unterstützte die Proteste der ambulanten Händler mit einer großen Straßenblockade. Erste Räumungsversuche der Sicherheitskräfte scheiterten. Auf Fernsehbildern waren Frauen und Männer zu sehen, die mit Macheten und roten Halstüchern die hochgerüsteten Polizisten vertrieben. Die Medien schlugen sich schnell auf Seite der Regierung von Gouverneur Enrique Peña Nieto und forderten ein hartes Durchgreifen gegen die »linken Chaoten«.

Sie mussten nicht lange warten. In der Nacht zum 4. Mai stürmten Tausende Polizisten Atenco. In den Straßen ließen sie ihrem von oben verordneten Hass freien Lauf, prügelten wahllos auf Passanten ein und nahmen willkürlich Anwohner fest. Zwei Jugendliche wurden getötet, von den 47 festgenommenen Frauen wurden die meisten sexuell gefoltert. Zwölf Mitglieder der FPDT verbrachten Jahre im Gefängnis. Bis heute wurde keiner der Verantwortlichen für die gewaltsame Repression juristisch belangt. Peña Nieto wurde sechs Jahre später sogar Präsident Mexikos.

Dass er sich nach seiner Amtszeit für staatliche Verbrechen wie in Atenco oder Ayotzinapa zu verantworten hat, scheint der scheidende Präsident nicht zu befürchten. »Ich habe mich immer an Recht und Gesetz gehalten«, sagte Peña Nieto erst vor wenigen Tagen in einem Interview mit der Tageszeitung »La Jornada«. Für die FPDT ist das reiner Hohn. Und so rufen sie auf jeder ihrer zahlreichen Demonstrationen: »Der Rote Mai wird nicht vergessen! Kein Vergessen, kein Vergeben!« Ago

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