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Bald kein Testballon mehr

Die Wilhelm-von-Humboldt-Gemeinschaftsschule ist Vorreiterin für modernen Unterricht

  • Von Jérôme Lombard
  • Lesedauer: 3 Min.

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»Die Gemeinschaftsschule ist für mich die Verwirklichung eines pädagogischen Ideals«, sagt Judith Bauch. Die 47-jährige Pädagogin leitet seit drei Jahren die Wilhelm-von-Humboldt-Gemeischaftsschule im Pankower Ortsteil Prenzlauer Berg. Als die gebürtige Greifswalderin 2009 an die Schule in die Erich-Weinert-Straße 70 kam, ging für sie ein kleiner Traum in Erfüllung. »Gemeinsames Lernen, innovative Unterrichtskonzepte, ein engagiertes Kollegium: Ich wollte ein Teil dieses Projekts sein«, sagt die 47-Jährige, die Kunst und Deutsch studiert hat.

Unter dem Motto »Eine neue Schule - jetzt!« war die Wilhelm-von-Humboldt-Gemeinschaftsschule unter der Trägerschaft des Bezirks im September 2008 an den Start gegangen. Zu diesem Zeitpunkt war sie eine der ersten neu gegründeten Gemeinschaftsschulen im Rahmen des vom damaligen rot-roten Senat ins Leben gerufenen Pilotprojekts. Zu Beginn hatte die Schule einen Grundschul- und Mittelstufenteil bis zur zehnten Klasse mit rund 100 Schülern. Jetzt, im Herbst 2018, sind es über 800 Schüler, mehr als 80 Lehrkräfte und eine eigene gymnasiale Oberstufe.

Es dürfte auch diese rasante Positiventwicklung der Schule gewesen sein, die die Bildungspolitiker der rot-rot-grünen Koalition zu ihrem Entschluss bewogen hat, die Gemeinschaftsschule als schulstufenübergreifende, inklusive Regelschulart im Schulgesetz zu verankern. »Der Senat erkennt damit die hervorragenden Bildungserfolge der Gemeinschaftsschulen an«, sagt Pädagogin Bauch. Über das Bekenntnis der Koalition zur Gemeinschaftsschule freue sie sich sehr. »Wir gelten damit nicht mehr nur als Testballon.«

Bauchs Schule gilt inzwischen als eine der besten der Hauptstadt. Darauf weisen allein schon die hohen Anmeldezahlen hin: Auf rund 75 Schulplätze kommen pro neuem Schuljahr über 130 Anmeldungen. Auch die regelmäßigen hervorragenden Bewertungen der Wilhelm-von-Humboldt-Gemeinschaftsschule durch die Schulinspektion können sich sehen lassen. 2012 wurde die Schule von der Jury des Deutschen Schulpreises sogar zu einer der 50 besten in der ganzen Republik gewählt.

Als Rezept für den Erfolg sieht Schulleiterin Bauch den reformpädagogischen Ansatz ihrer Einrichtung. »Bei uns lernen die Schülerinnen und Schüler jahrgangs- und fachübergreifend. So fördern wir sowohl das individuelle als auch das kooperative Lernen«, sagt Bauch.

An der Pankower Gemeinschaftsschule gibt es von der ersten bis zur neunten Klasse keine Noten. Stattdessen bekommt jeder Schüler am Ende des Schuljahres einen individuellen Lernentwicklungsüberblick. So soll der Leistungsdruck für die Kinder und Jugendlichen reduziert werden.

Inklusion wird an der Schule großgeschrieben: Rund sieben Prozent der Schüler haben einen besonderen pädagogischen Förderbedarf. Zum Vergleich: An den meisten Berliner Gymnasien liegt dieser Wert bei unter einem Prozent. Grundsätzlich kann an der Gemeinschaftsschule jeder Abschluss gemacht werden - seit 2015 auch das Abitur in 13 Jahren, wie an einer Integrierten Sekundarschule.

Dafür hatten die Eltern lange gegen Widerstände des Bezirksamts gekämpft, wie Gesamtelternvertreterin Carola Ehrlich-Cypra erzählt. »Wir wollten eine Schule, an der man von der 1. bis zur 13. Klasse lernen kann. Das war ein gewaltiger Kraftakt«, sagt Ehrlich-Cypra. Dass die Schüler an der Wilhelm-von-Humboldt-Gemeinschaftsschule anders als an einer normalen Grundschule nicht nach der sechsten Klasse an eine andere Oberschule wechseln müssten, sei für viele Eltern ein entscheidendes Kriterium für die Schulwahl. »Dadurch wird der Zusammenhalt der Schulgemeinschaft weiter gestärkt.«

Dass Rot-Rot-Grün die Gemeinschaftsschule nach zehn Jahren Pilotphase im Schulgesetz verankern will, sieht die Elternvertreterin als wichtigen Schritt. »Ich bin mir sicher, dass jetzt die Zahl der Gemeinschaftsschulen in Berlin steigen wird«, sagt Ehrlich-Cypra. Darauf hofft auch Schulleiterin Bauch. »Die Gemeinschaftsschulen zu stärken ist eine Zukunftsaufgabe«, findet sie.

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