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Das Dosenduell

RB Leipzig empfängt in der Europa League den FC Salzburg - einen Verein, den es nicht gibt

  • Von Alexander Ludewig
  • Lesedauer: 3 Min.

Der 31. August 2018 war für Dietrich Mateschitz ein Glückstag. »Eine super Auslosung«, jubelte der Red-Bull-Chef nachdem sich RB Leipzig und RB Salzburg gemeinsam in der Gruppe B der Europa League wiederfanden. An diesem Donnerstag ist es soweit: In Sachsen wird das erste konzerninterne Pflichtspiel angepfiffen. Ein zweifelhaftes Duell.

Noch im Mai 2017 hatte José Rodrigues davor gewarnt. Als Vorsitzender der UEFA-Finanzkontrollkommission empfahl der Portugiese, beide Klubs nicht in einem Wettbewerb starten zu lassen. Die Regularien des europäischen Fußballverbandes verbieten den Einfluss einer »natürlichen oder juristischen Person« auf zwei oder mehr Vereine, die um einen Titel spielen. Fairplay und so.

Diese Vorbehalte waren für Red Bull natürlich nicht neu. Aber von derart kleingeistigen Bedenken ließ sich Firmenchef und Milliardär Mateschitz, der 2005 RB Salzburg und vier Jahre später den Ableger in Leipzig geschaffen hat, noch nie stoppen. Der 74-jährige Österreicher denkt größer als andere: Fußball, Formel 1, Funsport und noch viel mehr. Warum? »Alles, was wir tun, tun wir für den Wert und das Image der Marke«, erklärte Mateschitz einmal. Und so fließt von den rund sechs Milliarden Euro Konzernumsatz mindestens ein Zehntel ins Sportsponsoring.

Schon im Sommer 2017 war die Empfehlung von José Rodrigues vergessen. Der schnelle Durchmarsch der Leipziger in die Champions League machte schnelles Handeln notwendig. UEFA-Wettbewerbsdirektor Giorgio Marchetti teilte mit: »Alle Kriterien wurden erfüllt.« Wie grotesk diese teilweise sind, zeigt die Spielansetzung am Donnerstag: RB Leipzig empfängt keinesfalls Red Bull Salzburg, sondern den FC Salzburg - ein Verein, den es gar nicht gibt. Und weil die Embleme beider Klubs sich zu ähnlich waren, stürmt bei den Österreichern bei internationalen Spielen nur noch eine Bulle auf den Ball zu.

Oliver Mintzlaff versichert: »Die Klubs waren vor Jahren mal eng verzahnt, das ist nicht mehr der Fall.« Er sollte es wissen. Der 43-Jährige wechselte im April 2017 als einer der letzten das Lager. Bis dahin war er noch »Head of Global Soccer« bei Red Bull, verantwortlich für alle Vereine: in Deutschland, Österreich, Brasilien und den USA. Seitdem leitet Mintzlaff offiziell nur noch die Leipziger Geschäfte. Neben personeller Entflechtung mussten auch einige formale Änderungen der Vereinsstrukturen vorgenommen werden. Während die Red Bull GmbH mit 99 Prozent Hauptgesellschafter in Leipzig geblieben ist, firmiert sie bei den Salzburgern offiziell nur noch als Hauptsponsor.

Dietrich Mateschitz will immer den maximalen Erfolg. Und den bekommt er nicht in Österreich, sondern mit RB Leipzig. Betreffen deshalb die von der UEFA geforderten Veränderungen im Negativen - Logo, Vereinsname - nur Salzburg? Dass deshalb seit Jahren die besten Salzburger Spieler nach Leipzig wechseln, ist offensichtlich. Der nächste ist mit Amadou Haidara wohl schon im Anmarsch. Der 20-jährige Mittelfeldspieler wäre der 18. Fußballer, der diesen Weg geht. Ralf Rangnick - bis 2015 Sportdirektor bei beiden Klubs, seitdem nur noch in Leipzig und in dieser Saison zudem Trainer - sagte mal nach einem dieser Transfers, dass die Ablösesumme auch später verhandelt werden könne. Unvorstellbar, normalerweise.

Sportverbände sind selten zimperlich, wenn es um großzügige Geldgeber geht. Die UEFA ist da keine Ausnahme. Also wird ein Mateschitz lieber nicht verärgert. Dessen Finanzmacht soll dem Verband sogar Angst gemacht haben: Klagedrohungen gegen einen möglichen Ausschluss eines Vereins. Eine ähnliche Drohkulisse hatte RB Leipzig 2014 gegenüber der DFL aufgebaut: den Rechtsweg gegen die »50+1-Regel«. Letztlich wurde trotz großer Bedenken auch die Leipziger Red-Bull-Filiale vom Verband einfach durchgewunken.

»Was juristisch recht ist, heißt nicht, dass es moralisch richtig ist«, sagt Manager Rune Brathseth von Rosenborg Trondheim, ein Gruppengegner der Red-Bull-Klubs. Und er fragt: »Was passiert, wenn beide im Rückspiel nur noch einen Punkt brauchen?«

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