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  • FC Bayern gegen Lissabon

Allseits Applaus

Renato Sanches bestimmte das Spiel beim Sieg des FC Bayern zum Auftakt der Champions League in Lissabon

  • Von Elisabeth Schlammerl, Lissabon
  • Lesedauer: 4 Min.

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Mit vollem Einsatz: Renato Sanches (r.) wollte sich, seinen Bayern und Gegner Benfica mit Ruben Dias zeigen, dass er es noch kann.
Mit vollem Einsatz: Renato Sanches (r.) wollte sich, seinen Bayern und Gegner Benfica mit Ruben Dias zeigen, dass er es noch kann.

Kurz vor Mitternacht gab es noch mal Applaus für Renato Sanches. Und noch immer wirkte er unsicher. Der Mittelfeldspieler des FC Bayern München kaute auf dem späten Abendessen, als Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge ihn explizit hervorhob und lobte: »Du hast die Chance bravourös genutzt und sehr gut gespielt.« Eine gute Stunde zuvor war Sanches mit blankem Oberkörper über den Rasen des Estadio da Luz gelaufen, die Kollegen hatten das Feld längst geräumt und ihm die Bühne überlassen - seine Bühne in seinem Stadion. Die Zuschauer, die sich noch nicht auf den Heimweg gemacht hatten, spendeten ihm Applaus - bereits zum zweiten Mal an diesem Abend. »Das war besonders. Ich habe dieses Spiel und das Tor sehr genossen«, sagte der Portugiese, der deutlich mehr Schwierigkeiten hatte, seine Gefühle in Worte zu fassen, als auf dem Platz mit dem Ball zu überzeugen.

Renato Sanches hat geschafft, was nur wenigen Fußballspielern vergönnt ist. Er wurde am Mittwochabend von den Fans seiner aktuellen Mannschaft und denen seines früheren Teams fast gleichermaßen gefeiert. Nicht allein für seine gute Leistung beim 2:0-Sieg der Münchner bei Benfica Lissabon zum Auftakt der Champions League. Sanches hatte dabei das zweite Bayern-Tor erzielt und der eigenen Mannschaft damit einen gelungenen Start in den internationalen Wettbewerb beschert. Aber mit seinem Treffer hatte er eben auch die Niederlage für seine früheren Kollegen beinahe schon besiegelt. Trotzdem erhoben sich die Anhänger des portugiesischen Rekordmeisters in der 54. Minute von ihren Sitzen - und beklatschten das Tor eines Gegenspielers.

»Wahnsinn, das habe ich noch nie erlebt«, sagte Rechtsverteidiger Joshua Kimmich nach einem besonderen Abend. Manuel Neuer dachte da schon ans nächste Bundesligaspiel am Sonnabend bei Schalke 04 und den Empfang von Leon Goretzka. »Ich bin gespannt, ob Schalke da mit den Benfica-Fans mithalten kann«, sagte der Torwart schmunzelnd.

Es hatte etwas Mut dazugehört von Trainer Niko Kovac, Sanches ausgerechnet im Auftaktspiel der Champions League zum ersten Mal in dieser Saison von Anfang an spielen zu lassen. Es war ja schließlich auch seine Premiere als Trainer in der Königsklasse. Wäre es schiefgegangen, hätte er ungeachtet des souveränen Bundesligastarts vermutlich Kritik einstecken müssen. Zwar sind die Alternativen selbst im eigentlich gut bestückten Münchner Mittelfeld nach ein paar Ausfällen - neben dem Langzeitverletzten Corentin Tolisso meldete sich am Spieltag auch noch Thiago wegen einer Blessur am Zeh ab - nicht mehr ganz so üppig, aber Goretzka zum Beispiel schien die näherliegende Lösung zu sein für die Position des zweiten Achters. Sein »Bauchgefühl« habe ihm jedoch gesagt, »es ist der richtige Zeitpunkt, um Renato zu bringen«, erzählte Kovac später. Er habe Sanches geraten: »Spiel einfach, spiel einfach deinen Stil! Du bist hier zu Hause.«

Sanches hat befolgt, was Kovac ihm mit auf den Platz gab. Er hat hinten ausgeholfen, wenn es nötig war, und vorne versucht, Tempo ins Spiel zu bringen. Er war am frühen 1:0 von Robert Lewandowski in der zehnten Minute beteiligt und hat dann die Vorentscheidung besorgt - mit einem Treffer, den er mit einem feinen Solo auch noch selbst eingeleitet hatte.

»Wenn er so weiterspielt, ist er aus der Mannschaft nicht mehr wegzudenken«, sagte Sportdirektor Hasan Salihamidzic gar. Dass seine Leistung insgesamt vielleicht etwas zu gut beurteilt wurde, war der Situation und vermutlich auch ein wenig der Atmosphäre im Stadion geschuldet. Goretzka sprach von einer »außergewöhnlichen Stimmung«. Sanches hat auf jeden Fall ordentlich gespielt und sich auch nach seinem Tor korrekt verhalten, wie Kovac fand. Dass er nicht gejubelt habe, sei »die richtige Entscheidung« gewesen. Und auch die Reaktion der Benfica-Fans war dem Bayern-Trainer ein Lob wert: »Kompliment an die Portugiesen, dass sie ihren Sohn, ihr Kind, mit so einem Applaus beglückwünschen.«

Sanches ist eben irgendwie immer noch ein Teil von Benfica, wenngleich er den Verein, bei dem er groß geworden war und den Durchbruch geschafft hatte, vor zwei Jahren verließ und zum FC Bayern wechselte. Dort geriet seine Karriere ins Stocken, die Partie am Mittwochabend war erst die zehnte von Anfang an.

Eine der Aufgaben, die Kovac bei Dienstantritt von den Verantwortlichen bekommen hatte, war, Sanches zurück in die Spur zu bringen, oder besser: bei Bayern endlich in die Spur zu bringen. Der 21-Jährige ist gerade von seinem Leihjahr aus Swansea zurückgekehrt, auch dort hatte er sich kein Selbstvertrauen holen können. Die Vorbereitung war nicht schlecht, aber eine Blessur warf ihn zurück. Nun ist er wieder da - und vielleicht endlich angekommen beim FC Bayern.

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