Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Raketentest raubt Lebensraum

Moorbrand im Emsland tötet Tiere und setzt Treibhausgas frei - weitere Strafanzeige

  • Von Hagen Jung
  • Lesedauer: 3 Min.

Schwarzkehlchen, seltenen Schmetterlingen, Heuschrecken und Libellen hat die Bundeswehr durch Raketentests bei Meppen den Lebensraum genommen. Auch hat der Brand, den die Geschosse verursachten, am Boden lebende Tiere wie Reptilien, Amphibien und Insekten getötet. Angesichts dieser weitreichenden Folgen eines Munitionsversuchs bei extremer Trockenheit hat nun auch der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) Niedersachsen Strafanzeige erstattet. Mit einer solchen hatte vor einigen Tagen schon der Landtagsabgeordnete Christian Meyer (Grüne), Niedersachsens früherer Agrarminister, die Staatsanwaltschaft in Richtung Bundeswehr mobilisiert.

Neben fahrlässiger Brandstiftung beinhaltet der Tatvorwurf des BUND gegen die Verantwortlichen eine leichtfertige Freisetzung gesundheitsgefährdender Luftschadstoffe und die Gefährdung schutzbedürftiger Gebiete. Im Fall Meppen ist es das größte noch überwiegend intakte Hochmoor Niedersachsens, das derzeit unter den Auswirkungen der am 3. September erfolgten Waffenerprobung leidet. Welch große Schäden sie bereits verursacht hat, bestätigten Experten des niedersächsischen Umweltministeriums jetzt im zuständigen Fachausschuss des Landtages.

Aus jenem Gremium gab es seitens der Regierungsparteien SPD und CDU deutliche Vorwürfe gegen die Bundeswehr. Das Fehlen einsatzfähiger Löschgeräte während der Raketentests wurde bemängelt und auch die zögerliche Information »nach draußen« über das Geschehen im Moor. Die oppositionellen Grünen indes nahmen auch die Landesregierung ins Visier. So sagte die umweltpolitische Sprecherin der Grünen, Imke Byl, es dränge sich der Eindruck auf, dass den Verantwortlichen in Hannover weder die Gesundheitsrisiken noch die immensen Klima- und Umweltfolgen klar sind.

»Der Brand verursacht schätzungsweise 2,2 Millionen Tonnen Kohlendioxid - das entspricht dem Jahresausstoß eines niedersächsischen Kohlekraftwerks«, gab die Abgeordnete zu bedenken. Die Landesregierung müsse dafür sorgen, »dass der Schaden für Umwelt und Klima 1:1 ausgeglichen wird«. Von Umweltminister Olaf Lies und Innenminister Boris Pistorius (beide SPD) fordern die Grünen, »endlich Klarheit über das wahre Ausmaß der Luftverschmutzung durch den Brand zu schaffen und alle Messergebnisse offenzulegen«. Das Land dürfe sich da keinesfalls aus der Verantwortung ziehen. Auch »direkt in der Rauchfahne« müsse gemessen werden, betont Imke Byl. Das sei schon allein zum Schutz der vielen Einsatzkräfte notwendig.

Zurzeit sind es gut 1500 Frauen und Männer, die sich bemühen, den Brand zu löschen. Er hat sich mittlerweile auf 1300 Hektar ausgedehnt und ist schwer unter Kontrolle zu bringen, weil er verhältnismäßig tief im Torf glüht und schwelt. Von Drohnen und aus Jagdflugzeugen der Bundeswehr sind inzwischen mit Wärmebildkameras Aufnahmen zum Aufspüren noch aktiver Glutnester im Boden gefertigt worden. Wann diese restlos gelöscht sein werden, ist nicht vorhersehbar. Nach Ansicht von Fachleuten kann es durchaus noch Monate dauern. Vorerst gilt für die betroffene Region weiterhin der Katastrophenalarm. Allerdings sei die Lage entspannt, heißt es von offizieller Stelle. Aktuell sei eine Evakuierung von Orten nahe des Brandgebietes nicht geplant.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung
  • Lastschrift

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln