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  • Sport
  • Fans gegen den DFB

Die nächste Stufe der Eskalation

Mit dem Punktabzug für Waldhof Mannheim verhängt der DFB nach Fankrawallen erstmals eine sportliche Strafe

  • Von Michael Wilkening, Frankfurt am Main
  • Lesedauer: 3 Min.

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»Natürlich!«, sagte Achim Späth. Natürlich sei ihm bewusst gewesen, welche Tragweite das Urteil haben wird, das er als Vorsitzende Richter des Bundesgerichtes des Deutschen-Fußball-Bundes (DFB) gestern in zweiter Instanz bestätigte. Mehr wollte der erfahrene Jurist nach der Urteilsverkündigung nicht sagen und verwies auf die schriftliche Begründung, die er in den kommenden Tagen verfassen werde. In der Konfrontation mit der aktiven Fanszene beschreitet der weltweit größte Fußballverband einen neuen Weg: Mit einem Punktabzug als Folge von Zuschauerausschreitungen greift der DFB jetzt erstmals in den sportlichen Wettbewerb ein.

Späth und seine beiden Beisitzer bestätigten den Abzug von drei Punkten gegen den Regionalligisten SV Waldhof Mannheim für die laufende Saison - weil das Aufstiegsspiel in der zurückliegenden Spielzeit am 27. Mai gegen den KFC Uerdingen nach einem massiven Einsatz von Pyrotechnik samt Leuchtraketen durch die Waldhof-Fans beim Stand von 1:2 in der 81. Minute abgebrochen werden musste. Bislang war diese Art der Sanktionierung von Fehlverhalten der Anhänger ein Tabu. Bei ähnlichen Vergehen wurden in der Vergangenheit Geldstrafen und Zuschauer-Ausschlüsse ausgesprochen. Bei Krawallen nach den Abstiegen des Hamburger SV in diesem Jahr oder dem TSV 1860 München 2017 sah der Verband noch von einer Bestrafung durch Punktabzüge ab - jetzt folgte die nächste Stufe der (Straf)-Eskalation

»Wir befinden uns auf neuen Wegen, aber das wollen wir so und gehen diesen Weg jetzt«, sagte Späth während der Urteilsverkündung. »Wir haben drei unterschiedliche Gruppierungen von Fans«, sagte er: »Fans, Ultras und Verbrecher.« Es sei wichtig, diese Gruppen auseinanderzubekommen, um eine Übernahme derer zu verhindern, die sich »nicht auf die Grundlage des Rechts stellen«. Das Urteil nach dem Spielabbruch von Mannheim dient jetzt als Präzedenzfall und soll offenbar eine abschreckende Wirkung haben.

Die Mannheimer, die aktuell trotz des Punkteabzugs die Tabelle in der Regionalliga Südwest noch immer mit drei Zählern Vorsprung anführen, wähnen sich zum Prellbock gemacht. »Ein bisschen fühlt es sich so an«, sagte Geschäftsführer Markus Kompp nach dem Urteilsspruch. Der SV Waldhof hat nach wiederholten Fanverfehlungen in der Vergangenheit einen schlechten Leumund bei den Verbänden und sorgte darüber hinaus speziell beim DFB für Unmut, weil er sich im vergangenen Jahr als erster und prominenter Klub gegen die Maßnahme zur Wehr gesetzt hatte, die chinesische U20-Nationalmannschaft außer Konkurrenz in der Regionalliga Südwest mitspielen zu lassen.

»Es wird erwartet, dass wir als kleiner SV Waldhof diesen Weg zum ersten Mal gehen. Ich weiß nicht, ob das die richtige Wahl war«, zeigte Kompp kein Verständnis für das Urteil. Es sei schwierig, ein Problem in Mannheim lösen zu wollen, welches es in ganz Deutschland gäbe.

Dazu passt, dass der von DFB-Präsident Reinhard Grindel gestartete Dialog mit Vertretern der Ultraszene erst vor wenigen Wochen von der Fanseite aufgekündigt worden war. Gleichzeitig wurden verschärfte Proteste angekündigt. »Wir sind weiterhin bis in die Haarspitzen motiviert, für die Grundwerte des Fußballs und gegen eine weitere Entfremdung des Fußballs durch Korruption, Gutsherrenmachenschaften und Kommerzialisierung einzutreten«, heißt es in einer gemeinsamen Stellungnahme diverser deustcher Fanszenen. Ob eine Verschärfung der Sanktionen, wie jetzt im Fall des SV Waldhof geschehen, Fans von weiteren Aktionen abhält, ist zumindest fraglich.

Für den ehemaligen Erstligisten SV Waldhof, der inzwischen seit 15 Jahren in der vierten Liga festhängt und sich laut Anwalt Dr. Johannes Zindel ausdrücklich die Möglichkeit offenhält, vor einem zivilen Gericht gegen das Urteil des DFB-Bundesgerichtes vorzugehen, bleibt die Hoffnung, dass sich der jetzt ausgesprochene Punktabzug nicht sportlich negativ auswirkt. »Es wäre wohl für alle am besten, wenn wir im Mai zwölf Punkte Vorsprung haben und aufsteigen«, erklärte Zindel: »Dann könnten wir die Klage zurücknehmen.«

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