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Lieber Gewehre ...

Sara Novic

  • Von Friedemann Kluge
  • Lesedauer: 2 Min.

In ihrem autobiografisch gefärbten Roman beschäftigt sich die jetzt amerikanische, früher kroatische Autorin mit den Jugoslawienkriegen 1991 bis 1995. Die sie selbst betreffenden Ereignisse sind von einer kaum zu beschreibenden Grauenhaftigkeit: Sie muss als zehnjähriges Mädchen mit ansehen, wie ihre Eltern zusammen mit anderen Personen von serbischen Soldaten brutal hingerichtet werden. Als einzige Überlebende kann sie sich heimlich aus dem Leichenberg befreien und fliehen. Ein Überleben unter solchen Bedingungen noch als »Glück« zu bezeichnen, fällt schwer ... Die kleine Ana schlägt sich zu Nachbarn und Verwandten durch, bekommt bald darauf ein Gewehr in die Hand und nimmt nun selbst an den Häuserkämpfen teil. Es gelingt ihr, auf einen ihrer Gegner zu schießen. Ob dieser überlebt hat oder getötet wurde, wird sie nie erfahren. Die Szene aber verfolgt sie ihr ganzes junges Leben lang.

Später wird sie mit Hilfe von Freunden ihrer Eltern nach Amerika »geschmuggelt«. Ihre kleinere Schwester Rahela, von Geburt an nierenkrank, befindet sich bereits dort. Rahelas amerikanische Pflegeeltern nehmen auch Ana liebevoll auf, die aber, als sie größer wird und der Krieg vorüber ist, von der Sehnsucht nach der Heimat und nach den Menschen, die sie zurücklassen musste, verzehrt wird: »So grauenvoll Waffen ... waren, so waren sie doch für viele von uns gleichbedeutend mit Jugend gewesen und besaßen die gleiche nostalgische Patina, die in den Augen anderer Menschen die eigene Kindheit hat. Doch ich wusste ..., warum ich mich inmitten dieser Gewehre wohler gefühlt hatte als in den Wolkenkratzern von New York.« Sie reist zurück nach Kroatien, wo sie einem Freund ihrer Kindheit wiederbegegnet und wo sie sich mit ihm gemeinsam auf die Suche nach der Grube macht, in der ihre Eltern verscharrt wurden.

Natürlich beschreibt Sara Nović die Ereignisse aus kroatischer Sicht, räumt aber ein, dass auch ihre Landsleute an Gewalttaten und Kriegsverbrechen beteiligt waren. »Ich wusste auch, dass die Schuld der einen Seite nicht die Unschuld der anderen beweisen konnte.« Ja, es gibt in Novićs Roman grauenvolle Szenen. Gleichwohl ist es ein - auch sprachlich - wunderschönes Buch, ein großer Roman. Sie hat ein schockierendes, in seiner Menschlichkeit aber auch tief berührendes Werk geschaffen.

Sara Nović: Das Echo der Bäume. Roman. Aus dem Kroatischen von Judith Schwaab. btb Verlag, 317 S., geb., 22 €.

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