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  • Konfrontationskurs gegen Russland

Ex-Marine setzt auf Seeblockade

US-Innenminister Zinke mit eigener »Option« auf Konfrontationskurs gegen Russland

  • Von Klaus Joachim Herrmann
  • Lesedauer: 4 Min.

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Nicht so sehr empört, sondern vielmehr mit Verwunderung und Unverständnis reagiere Moskau auf die jüngsten Drohungen aus Washington, vermerkt das Unternehmerportal »Wsgljad«. Es stellt aber auch die Frage, ob es nicht doch etwas leichtfertig sei, sie nur als Unsinn abzutun. Die »Option« einer Seeblockade gegen Russland, die US-Innenminister Ryan Zinke am vergangenen Freitag in einer Rede vor Unternehmern in Pittsburgh ins Spiel brachte, war immerhin auch dem »Washington Examiner« vom 28. September eine Titelstory und die Schlagzeile wert.

Minister Zinke hatte erklärt, dass die USA russische Lieferungen von Energieträgern in Länder der Nahostregion, wie es sie in Europa gebe, verhindern könnten. »Die USA können mit unserer Marine offene Seewege gewährleisten und sie wenn nötig blockieren, um sicherzustellen, dass ihre Energie nicht auf den Markt geht«, zitierte das konservative Wochenmagazin. Fracking und der Schieferenergie-Boom hätten den USA einen Vorteil gegenüber ihren Rivalen Russland und Iran gebracht. Russische Wirtschaftsexperten merkten sofort an, dass nach den Zahlen des analytischen Zentrums der Regierung in Moskau auch im September Hauptabnehmer der Energieträger die Europäische Union bleibe, während im Nahen Osten ja selbst die größten Exporteure von Erdöl und Gas zu finden seien.

Doch nicht zuerst deshalb sprach Sergej Zekow, Mitglied des Komitees für Auswärtige Angelegenheiten im Föderationsrat, von einer »äußerst inkompetenten Äußerung« des US Ministers. Denn dessen Blockade könne nur mit Gewalt umgesetzt werden. »Wenn dieser Versuch gemacht wird, dann muss Russland faktisch der Krieg erklärt werden«, unterstrich der Senator. »Das sind keine Sanktionen mehr, das ist ernster.« Dmitri Nowikow, Vizevorsitzende des außenpolitischen Komitees der Duma, beklagte »offene Feindschaft im der Tradition des Kalten Krieges - und sogar mehr noch«. Würden die Worte des US Ministers Wirklichkeit, wäre das »der Bruch aller denkbaren und undenkbaren internationalen Verpflichtungen«.

Der Versuch werde mit einem großen Skandal enden, den die Amerikaner selbst nicht brauchen, meinte das Mitglied des Ausschusses für Verteidigung und Sicherheit im Föderationsrat Franz Klinzewitsch. Die Militärexperten begannen schon einmal vorsorglich mit der Anerkennung der überlegenen US Seestreitkräfte, vergaßen aber im Gegenzug nicht die Hinweise auf eine kampfstarke und weltweit operierende russische U Boot-Flotte.

Das konnte auch direkt an den Urheber der Debatte gerichtet sein. Denn bevorzugt als U.S. Navy SEAL präsentiert sich der von Präsident Donald Trump im Dezember 2016 nominierte und im März 2017 bestätigte Innenminister Ryan Zinke auf seiner Webseite. Nach 23 Jahren Dienst bei der Spezialeinheit der Marine wisse er, wie für Montana - den Staat seiner Herkunft - und Amerika gekämpft werden müsse, wirbt der stramme Republikaner für sich. Der mit Kampfauszeichnungen dekorierte 53-jährige Offizier und passionierte Trophäenjäger kommandierte bereits militärische Operationen der vorgeblich härtesten Truppe der Welt - »Im Dienste unseres Landes« - in Irak und auf dem Balkan. Zwei Jahre gehörte er Team Six an, das sich bei der Jagd auf Osama bin Laden hervortat. Nach Spezialoperationen in Bosnien-Herzogowina, Kroatien und Kosovo offenbart der mit seinem Eintritt 2015 »erste Navy SEAL im Repräsentantenhaus« nun offenbar Sinn für noch größere Zusammenhänge.

Dies allerdings unternimmt auf seine ganz andere Weise auch der stets besonnene und um tieferes Durchdenken komplexer Sachverhalte bemühte Dmitri Trenin. Der heutige Direktor des Moskauer Carnegie Centers blickt zwar ebenfalls auf eine militärische Karriere bis zum Rang eines Obersten zurück, war in der sowjetischen und der russischen Armee aber vornehmlich als Berater und in Abrüstungsverhandlungen eingebunden.

Der 63-jährige Experte muss heute eine stetige Verschlechterung der russisch-amerikanischen Beziehungen beobachten. Dabei sei »der tiefste Punkt noch nicht erreicht«, vertraute er der »Nowaja Gasjeta« an. Dieser Prozess werde sich im November mit den Kongresswahlen und auch bei den Präsidentenwahlen 2020 fortsetzen. Dann würden sich alle Teilnehmer mit den russisch-amerikanischen Beziehungen befassen, so könne der Wahlkampf »für uns sehr unangenehm werden«. Allerdings gebe es auch hinreichend Gründe, die erwarten ließen, dass es zu keiner direkten Konfrontation - also einem Krieg - kommen werde. Der läge in niemandes Interesse und es gebe auch Mechanismen, die eine Eskalation verhindern könnten.

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