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Auf Gottes privatem Eiland

Die kroatische Insel Rab spielt im Frühherbst erst so richtig ihre Trümpfe aus, findet Heidi Diehl

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Das hatte sich Gott fein ausgedacht: An sechs Tagen schuf er die Welt, und als alle Kontinente, Flüsse, Meere, Berge, Menschen, Tiere und Pflanzen fertig waren, nutzte er den siebten Tag, um etwas nur für sich selbst zu schaffen. Mitten in der Adria formte er eine Insel, besonders schön, besonders sonnig, besonders grün: die Insel Rab. Da er aber wusste, dass die Menschen ihm diesen Garten Eden neiden würden, wenn sie ihn erblickten, griff er zu einer List und gestaltete den Zugang von der Landseite her extrem steinig und extrem kahl und beauftragte obendrein Bora, den Gott der Nordwinde, regelmäßig um die nackten Klippen zu stürmen. Das sollte ausreichen, um Neugierige vom Betreten seines privaten Eilands abzuhalten. Dachte er!

Doch die Rechnung ging nicht auf. Heute leben rund 10 000 Menschen auf der 22 Kilometer langen Insel, die auch die zweitgrünste der 46 bewohnten kroatischen Inseln (insgesamt gibt es 1244) ist. Und in jedem Jahr reisen rund 230 000 Menschen aus aller Welt nach Rab, um im glasklaren Wasser zu baden, um Sonne zu tanken - mit 2500 Sonnenstunden im Jahr gehört die Insel zu den sonnigsten Regionen Europas -, zum Wandern und um die großartige mediterrane Küche zu genießen. Zwischen Juni und Ende August boomt Rab, da wird es schwierig, kurzfristig ein Hotelzimmer zu bekommen oder einen Stellplatz für das Wohnmobil. Menschenmassen schieben sich durch die engen, mittelalterlichen Gassen der Inselhauptstadt, die ebenfalls Rab heißt. Die langen Sandstrände, die es nur hier gibt - fast alle anderen kroatischen Inseln haben Kies- oder Steinstrände - sind hoffnungslos überfüllt. Wer wirklich Ruhe und Entspannung sucht, ist besser beraten, Gottes privates Eiland von September bis Anfang Oktober zu besuchen. Dann lacht die Sonne noch immer kräftig, doch es ist längst nicht mehr so lähmend heiß wie im Sommer. Man kann in aller Ruhe die Schönheit der beschaulichen Orte genießen, bekommt Platz und eine bevorzugte Bedienung in den zahlreichen Restaurants - und außerdem ist alles auch viel preiswerter als in der Hochsaison.

Wir haben im legendären Hotel Imperial eingecheckt, das zu den ältesten Gästehäusern der Insel zählt. In der Nachsaison kann man hier das Doppelzimmer mit Halbpension schon für rund 90 Euro buchen. 1927 erbaut, wurde das heute zur österreichischen Valamar-Gruppe gehörende Hotel gerade einer gründlichen Sanierung unterzogen, dennoch weht durch die Gänge noch immer einen Hauch von Nostalgie. Das Imperial mit seinem großen Park, nur wenige Gehminuten vom Hafen und der Altstadt entfernt, war einst eine der bevorzugten Herbergen für viele berühmte Leute. Der wohl bekannteste Gast war der englische König Edward VIII., der hier am 11. August 1936 mit seiner Geliebten Wallis Simpson dinierte. Das war vier Monate vor seiner Abdankung, weil er lieber auf die britische Krone als auf die Frau seines Lebens verzichtete.

König Edward und die zweimal geschiedene Bürgerliche, die jenseits aller Anfeindungen in ihrem Heimatland für ein paar Wochen entspannt in der Adria segelten, genossen auf Rab neben ihrer Zweisamkeit auch das Nacktbaden in der Bucht von Kandalora. Doch anders als oftmals behauptet, sind sie aber nicht die Begründer der FKK-Kultur auf Rab, denn bereits zwei Jahre zuvor wurde auf der Insel der erste offizielle Nacktbadestrand freigegeben, er war gleichzeitig der erste in Europa. Seitdem entwickelte sich Rab zu einem bevorzugten Urlaubsziel für Nudisten, bis heute finden sie hier Strände, die ihnen das hüllenlose Badevergnügen offiziell erlauben.

Das können auf der Insel auch Leute genießen, die sich niemals in der Öffentlichkeit im Adamskostüm zeigen würden. Man muss sich nur von einem Wassertaxi zu einer der vielen einsamen, nur vom Meer aus erreichbaren Buchten bringen lassen. Der Preis ist Verhandlungssache, und man kann - zumindest in der Vor- und Nachsaison - sicher sein, den verschwiegenen Platz ganz für sich allein zu haben.

Mit einem bisschen Glück wird man auf dem Weg von oder zu »seiner« Privatinsel auf Zeit sogar Zeuge eines besonderen Naturschauspiels, das es im Mittelmeer ansonsten nur noch vor Gibraltar gibt - dem »Tanz« von wilden Delfinen. Die streng geschützten Tiere fühlen sich hier offensichtlich sehr wohl. Damit das so bleibt, wurde 1999 ein deutsch-kroatisches Delfinschutzprojekt gegründet. Wer will, kann es mit Spenden unterstützen, zum Beispiel, indem man die Patenschaft für einen Delfin übernimmt. Wie Nives Matic, Marketingverantwortliche der Valamar-Gruppe erzählt, ist es bei ihnen seit Jahren eine gute Tradition, dass die Veranstalter der vielen Kongresse, die in den insgesamt 34 Hotels- und Ferienanlagen der Gruppe in Kroatien tagen, für das Schutzprojekt spenden. »Da kommt alljährlich ein hübsches Sümmchen zusammen«, freut sie sich.

Beim Bummel durch die Altstadt kommt man irgendwann unweigerlich an einem kleinen, fast unscheinbaren Laden vorbei, in dem es Schätze der besonderen Art gibt: Flakons und Döschen mit allerhand Tinkturen, Cremes und Ölen, deren Grundlage zahlreiche Kräuter sind, die seit Jahrhunderten von den Benediktinerinnen zu Heil- und Schönheitsmitteln verarbeitet werden. Die neun heute im Kloster St. Andreas lebenden Nonnen halten sich bei der Herstellung streng an die überlieferten Rezepte. Viele Einheimische und Urlauber schwören auf die Mittelchen, deren Hauptbestandteile im Klostergarten wachsen. Wie zum Beispiel Immortelle, poetisch auch »Unsterbliche Blume« oder ganz profan Currykraut genannt, aus dem die Nonnen ein Öl gewinnen, das nervenstärkend und schmerzstillend wirkt, gegen Schuppenflechte hilft und Krankheitskeime abtötet. Neuerdings fanden Forscher heraus, dass es auch eine Anti-Aging-Wirkung besitzt. Ein großer französischer Kosmetikkonzern nutzt nun das Öl für die Herstellung einer extrem teuren Antifaltencreme. Bedeutend preiswerter kann man sie bei den frommen Schwestern bekommen, die dieser, wie all ihren anderen natürlichen Wundermitteln einen »Waschzettel« in drei Sprachen beilegen, darunter auch in Deutsch.

Ein paar Gassen weiter kann man bei der Herstellung einer Spezialität zuschauen, die es nur auf Rab gibt - die Rabska Torta. Um die Köstlichkeit, die im Wesentlichen aus gemahlenen Mandeln, Zucker, Eiern, Butter, Zitronen- und Orangenabrieb und reichlich Maraschinolikör besteht, ranken sich viele Legenden. Erstmals soll die Rabska Torta 1177 anlässlich des Besuchs von Papst Alexander III. präsentiert worden sein, als dieser zur Weihe der Kathedrale Maria Himmelfahrt auf Rab weilte. Als gesichert hingegen gilt, dass sie vor mehr als 300 Jahren, zur Zeit der venezianischen Herrschaft, in den Häusern reicher Patrizierfamilien hergestellt wurde. Jede Familie besaß ihr eigenes Rezept, das streng gehütet und nur innerhalb der Familie weitergegeben wurde. Früher wurde das Gebäck nur zu außergewöhnlichen Festen hergestellt. Vor allem zu Hochzeiten gehörte es auf dem Tisch, denn ohne die Torte hätte die Ehe unter einem schlechten Stern gestanden. Anfertigen musste sie die Braut unter den strengen Augen der künftigen Schwiegermutter. Nur wenn die junge Frau die Torte zu deren Zufriedenheit hinbekam, galt sie als ehetauglich.

»Heute nimmt man das nicht mehr so genau und kauft sich die Rabska Torta einfach beim Konditor«, erzählt Ružica, die den Ehetauglichkeitstest problemlos bestehen würde. Die Konditorin stellt die Torte täglich her und lässt auch interessierte Touristen gern mal mit Hand anlegen. Das Mischen der Zutaten ist für jede Hobbybäckerin keine große Hürde, schwieriger wird es schon beim Ausschneiden der typischen Form aus einem hauchdünn ausgerollten Mürbeteig, die die Spirale des Bischofsstabs darstellen soll. Darauf verteilt man die Mandelmischung, danach werden an die Spirale Teigränder kunstvoll mit zwei Fingern »angezackt«. Was bei Ružica wie eine Spielerei aussieht, erweist sich beim Nachmachen als ziemlich kniffelige Angelegenheit. Allerdings mit hohem Spaßfaktor - vor allem für die Zuschauer, die mit guten Ratschlägen nicht sparen.

Mit so einem Souvenir im Gepäck fällt der Abschied von Rab leichter, denn eigentlich möchte man diesen Garten Eden gar nicht wieder verlassen.

Infos

Insel Rab:
www.rab-visit.com/de

Hotel Imperial:
www.valamar.com/de

Rabska Torta:
www.rabskatorta.com

Delfinschutzprojekt:
www.blue-world.org
www.delfinschutz.org

Tourismusverband Kvarner:
www.kvarner.hr

Tourismusverband Istrien:
www.istra.hr.

Literatur:
Lore Marr-Bieger, »Kroatische Inseln und Küstenstädte«, Michael Müller Verlag Erlangen, 744 S., 24,90 €; E-Book: 16,99 €

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