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Tischmänner

Paula Irmschler war während einer Diskussionsrunde mit Männern zugegen - und findet, dass sie Frauen mehr zuhören sollten

  • Von Paula Irmschler
  • Lesedauer: 3 Min.

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Kürzlich saß ich mit ein paar bunt zusammen gewürfelten Menschen zusammen. Irgendjemand bringt xy mit und der wiederum z und so weiter. Irgendwann, wie konnte es anders sein, kam das Thema Feminismus an den mit Alkoholika reich bedeckten Tisch und man darf nicht vergessen, dass auch Freizeit so schlimm sein kann wie Familie und Internet, vor allem, wenn man sich die Gesprächspartner nicht aussuchen kann. Das sollte in Ordnung sein, man kann ja voneinander lernen, sich austauschen, insofern man sich füreinander interessiert und kein ignoranter Arsch ist. Leider war an ebenjenem Tisch ein ignoranter Arsch, der die Klassikerpalette an Feminismusvorwürfen rausballerte und zwar mit dieser Grundaggressivität, wie sie nur Typen an den Tag legen können, in denen schon lange eine Wut auf Frauen schwelt. »Feminazis«, »Ich bin kein Vergewaltiger«, »Ich möchte meinen Penis behalten« und der Superjoker bei Widerspruch von weiblicher Seite: »Beruhige dich mal!«

Denn wenn eines für solche Typen klar ist, dann, dass Frauen nicht sachlich diskutieren können, wohingegen sich Männer am Tisch ganz locker flockig unterhalten. Warum schaffen das die Weiber nicht auch? Nun, erstens wird eine Frau, die lautstark diskutiert, anders wahrgenommen als ein Mann, der das tut. Ein Mann ist bestimmt, vielleicht ein bisschen drüber, aber einfach selbstbewusst oder lustig besoffen, »typisch er nun wieder«. Eine Frau ist hysterisch, emotional und unsachlich, auch wenn ihre Argumente noch so klar formuliert sind. Und zweitens kommt bei feministischen Themen der Umstand dazu, dass Frauen auf besondere Weise davon betroffen sind, dass es für sie nicht eine abstrakte Diskussion über ein nettes Tischthema, sondern ihr Leben ist.

Und so laufen solche Runden erschreckend oft nach dem gleichen Schema ab: Die Jungs bechern sich einen, reichen den Joint umher, witzeln miteinander, gehen sich auch mal gegenseitig an, zum Beispiel mit »Das kannst du so jetzt aber auch nicht sagen«, und reden im gleichen Duktus über Gewalt gegen Frauen wie über Filme und Fußball. Die Frauen gucken sich genervt an, sie kennen das, und werden immer ruhiger. Irgendein Hippietyp sagt dann noch, man müsse beide Seiten verstehen und bestärkt damit den Arsch, der sich noch mehr aufbäumt. Sich entsolidarisieren mit einem Mann, das will man halt nicht, er hat ja auch immer so gutes Gras. Oft verschwinden dann die Frauen in solchen Runden, weil das ja alles eh nichts bringt, und die Männer wachen am nächsten Morgen mit dickem Schädel auf. War da was? Ach, gestern ein bisschen mit dem und dem gestritten, aber später kann man zum Zocken vorbeikommen und dann ist es wieder okay. Weil ja nichts passiert ist, was sie besonders beeinträchtigen würde, nichts von Belang. Dabei geht es sie sehr wohl an, dabei hat Feminismus sehr wohl etwas mit ihnen zu tun. Aber um das zu erfahren, müsste man Frauen eben mal zuhören.

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