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Millimeterarbeit in der Höh’

Die weltberühmte Lukaskirche in Dresden bekommt nach 73 Jahren ihre Uhr zurück

  • Von Simona Block, Dresden
  • Lesedauer: 3 Min.

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Langsam schiebt sich der Metallkorb in strahlender Herbstsonne gen Himmel, über das Gerüst an der Dresdner Lukaskirche hinaus, empor am ebenfalls eingehausten Turm. Uhrentechniker Andreas Vogler und sein Sohn Tobias stehen eingepfercht zwischen zwei Hälften eines Uhrenblattes samt mannsgroßer Zeiger in Schutzfolien. Nach fast 50 Metern stoppt der Fahrstuhl. Vogler Senior und Junior bringen alle Teile des Zifferblatts zu dem lange verwaisten historischen Platz.

Mit der vom Förderverein der Kirche forcierten Turmsanierung kehrt die Großuhr wieder zurück - nach 73 Jahren. »Mit dem Einbau des ersten Zifferblattes setzen wir ein Zeichen, dass es weitergeht«, sagt der Vorsitzende Jens Christian Giese. Auch ein weiteres Zifferblatt ist schon fertig, damit wirbt der Verein vor dem Gotteshaus um Spenden für die Turm-Rekonstruktion, einst »Krone der Südvorstadt«. Die Kosten liegen laut Giese bei etwa 1,4 Millionen Euro. Der Verein will einen Teil beisteuern - knapp 214 000 Euro hat er schon.

Das monumentale, nach dem Evangelisten Lukas benannte Gotteshaus wurde 1899 bis 1903 im Stil der Neorenaissance errichtet. Das Feuer im Zuge der Bombenangriffe auf Dresden am 13. Februar 1945 beschädigte das Gebäude, der Turm brannte aus und seine Metallspitze hing als Gerippe herab. Jahrzehnte blieb der weithin sichtbare Turm amputiert, geschützt von einer Art Deckel. Hinter der Einhausung aber sind bereits die vier Uhrengiebel aus Sandstein zurück - und die Voglers füllen nach und nach die runden Lupen darin.

Als Vorlage für die im Durchmesser drei Meter großen Zifferblätter dient der Rest eines Originals. Statt Zinkblech sind die Scheiben nun aus Aluminiumblech, haben einen Edelstahlrand und römische Zahlen - in Anthrazitschwarz per Hand auf cremeweißen Grund gemalt. Der kleine Zeiger misst anderthalb, der große zwei Meter, das Uhrwerk ist zeitgemäß: elektronisch statt mechanisch. »Jedes Zifferblatt hat einen eigenen Antrieb, der pro Minute einen Impuls gibt«, erklärt Vogler senior. Das Signal kommt von einer Funkuhr, per Kabel.

Millimetergenau wird die untere Hälfte des Zifferblatts in die runde Öffnung des Giebels an der Nordseite eingepasst. Als es sitzt, III und IX eine Waagerechte ergeben, geht es nicht weiter: der Haken des Gerüsts ist im Weg. Auch Uhrwerk und Zeiger können erst am nächsten Tag installiert werden. Bis der Lukasturm wieder die Zeit anzeigt, werden drei Wochen vergehen. »Das geht erst, wenn das Gerüst weg ist«, sagt Vogler Senior.

Für Giese ist die Rekonstruktion der Uhrgiebel nur Auftakt für ein größeres Ziel: »Die schlanke hohe Spitze soll endlich wieder zum Panorama Dresdens gehören.« Für die evangelische Landeskirche wäre das der »krönende Abschluss«, sagte Baureferentin Katrin Tauber. Sie investiert Bundes- und Landesmittel aus Denkmalpflegeprogrammen in Erhaltung und Sanierung der Kirche, die weltberühmt ist als begehrter Ort für Tonaufnahmen. In dem zu DDR-Zeiten zum Tonstudio umgebauten Innenraum dirigierten schon Herbert von Karajan oder Claudio Abbado, sangen Rene Kollo, Anna Netrebko oder Rolando Villazón. Und neben den Gottesdiensten wird konzertiert - in einzigartiger Akustik. dpa/nd

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