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Das Große im Kleinen und das Kleine im Großen

»nd.Die Woche« erscheint ab 20. Oktober mit acht neuen Seiten zu Wissen und Wissenschaft

  • Lesedauer: 3 Min.

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Liebe Leserinnen und Leser,

zumindest eines wird nicht passieren, wenn am 20. Oktober dasjenige neue Angebot Ihrer Zeitung startet, das in der Planungsphase im Hausjargon - unter anderem - als »Theoriebuch« firmierte: Anders als in der verbreiteten Redewendung wird sie nicht »grau« sein, die »Theorie« in der neuen Wochenendzeitung, sondern in Vierfarbdruck bebildert und auch ansonsten ansprechend gestaltet. Und auch ein zweites negatives Attribut, das oft mit »Theorie« verbunden wird, werden wir nach bestem Können zu vermeiden trachten, nämlich deren vermeintlich ja unausweichliche »Trockenheit«: Stattdessen werden wir sprachliche Brücken zu schlagen versuchen zwischen einem speziellen - auch akademischem - und einem allgemeinen Leseinteresse.

Was wir Ihnen ab dem 20. Oktober zwischen den Seiten 17 und 24 anbieten, erschließt sich am besten anhand der in unseren Diskussionen verworfenen Arbeitstitel für dieses dritte Buch der neuen Wochenendzeitung - nämlich »Wissen«, »Diskurs« und »Zurzeit«. Erstere Überschrift beschreibt zwar formal, worum es in diesem Paket gehen soll: nämlich darum, die Geschichts- und die zwei gewohnten Naturwissenschaftsseiten in der Wochenendausgabe um drei weitere Seiten zu ergänzen, die sich mit gesellschafts- und geisteswissenschaftlichen Themen befassen - und so diesen Bereich gesellschaftlichen Lebens in unserer Berichterstattung aufzuwerten.

Die Überschrift »Wissen« schien dabei aber zu statisch und neutral, zu wenig auf die Frage gerichtet, wie dieses Wissen konkret hergestellt wird und wie die Umstände seiner Produktion mit allgemeineren gesellschaftlichen Bedingungen verwoben sind. Andere diskutierte Überschriften wie »Diskurs« oder »Zurzeit« hingegen hätten die politischen Subtexte, die Umstrittenheit und die zeittypische Rahmung von Wissen vielleicht über Gebühr betont - und so nicht nur einem Relativismus das Wort geredet, sondern in der Tendenz auch die Naturwissenschaften verfehlt.

Gewählt haben wir nun die Überschrift »Mikroskop«. Das ist, wie die Nachschlagwerke wissen, ein vor allem in der Biologie, der Medizin und der Materialwissenschaften verbreitetes Gerät, »das es erlaubt, Objekte stark vergrößert anzusehen oder bildlich darzustellen«. Dabei handle es sich »meist um Objekte beziehungsweise die Struktur von Objekten, deren Größe unterhalb des Auflösungsvermögens des menschlichen Auges liegt«. Wir meinen damit eine allgemeinere Haltung, auf die wir uns verpflichten wollen: Möglichst genau hinzuschauen - auf das Große im Kleinen so sehr wie auf das Kleine im Großen.

Wie etwa verhielt es sich denn wirklich mit der oft gelobten Erinnerungskultur der späten Bundesrepublik, wenn anno 1988 Hamburger Hausbesetzer für Israel-Boykott-Parolen einhellig verurteilt wurden - zugleich aber ein Bundestagspräsident, der im Gedenken an die Pogromnacht von 1938 eigentlich sehr klare Worte fand, derart missverstanden wurde, dass er umgehend zurücktreten musste? Wie kam es, dass physikalische Erkenntnisse, die Albert Einstein schon vor dem Ersten Weltkrieg publiziert hatte, erst nach der politischen Revolution in Deutschland »populär« wurden? Oder wie kann es sein, dass im Zeitalter des Internets Publikumszeitschriften von einer Gratiskultur in ihrer Existenz bedroht sind, während mit wissenschaftlichen Journalen so hohe Profite erzielt werden können wie noch nie?

Diesen und anderen Fragen, die nicht nur die Ergebnisse, sondern auch die Produktion und Vermarktung von Wissenschaft betreffen, wird das Mikroskop künftig wöchentlich nachgehen - in Interviews mit, in Essays von und in Texten über Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und deren Arbeit. Zuallererst geht es dabei natürlich um unsere Leser, denen wir - zusätzlich zu den bisherigen Seiten über politische Literatur - etwas anbieten wollen, was es so woanders nicht gibt. Darüber hinaus sind wir der Hoffnung, einen publizistischen Ort zu schaffen, der den Austausch unter denjenigen fördert, die akademische Praxis mit einer kritischen Haltung verbinden.

Was das Mikroskop Ihnen bietet, wird sicher nicht immer tages- oder wochenaktuell sein. Aber wir hoffen, dass Sie sich gelegentlich an uns erinnern, wenn Sie diskutieren oder streiten: Hab’ ich dazu nicht neulich was gelesen? Abonnentinnen und Abonnenten könnten das dann einfach nachsehen.

Velten Schäfer, Redakteur

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